16.02.2008, 10:59 Uhr | AFP/ T-Online
Im Visier der Steuerfahnder (Foto: imago) Die Steueraffäre um den inzwischen zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel entwickelt sich immer mehr zu einem Flächenbrand. Nach Informationen der Bundesregierung sollen "tausende" Verdächtige in die Steueraffäre verwickelt sein. Laut Nachrichtenmagazin "Focus" planen die Staatsanwälte bereits Anfang der Woche Razzien bei weiteren Prominenten. Für Klaus Zumwinkel könnte die Steueraffäre teurer werden, als bisher angenommen.
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Zumwinkel droht vier Millionen Euro-Strafe
Sollten sich die Vorwürfe gegen Zumwinkel bewahrheiten, droht dem Top-Manager laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ sogar eine Strafe von vier Millionen Euro. Die Summe setze sich zusammen aus hinterzogenen Steuern, Zinsen und Geldstrafe. Zumwinkel habe dem Haftbefehl zufolge fast 20 Jahre lang in "konspirativer Weise" versucht, seine Erträge aus der Anlage bei der Vaduzer LGT-Bank zu verschleiern. Die Bankbelege seien an die Adresse von Zumwinkels Feriensitz am Gardasee geschickt worden. Andere Bankdokumente habe sich der 64-Jährige "bis in den asiatischen Raum" nachsenden lassen. Das Magazin berichtet ferner, dass Zumwinkel nur durch eine Kaution in Höhe von einer Millionen Euro die drohende Untersuchungshaft abwenden konnte.
Weitere Razzien in Düsseldorf und Köln
Laut "Focus" kommt es bereits Anfang der Woche zu neuen Durchsuchungen bei weiteren prominenten Millionären. Schwerpunkte der Aktion würden Köln und Düsseldorf sein, schreibt das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Mehr als 150 Ermittlungsverfahren seien bereits eingeleitet worden. Andere Medien nennen sogar weitaus höhere Zahlen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Justizkreise berichtet, soll es 900 Durchsuchungsbeschlüsse geben. Laut "Tagesspiegel" handle sich dabei um "die größte Steuerfahndung, die Deutschland je gesehen hat", hieß es. Betroffen seien vermögende Deutsche "vom Mittelständler bis zum Prominenten". Laut "sueddeutsche.de" soll es um eine Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Euro gehen, die am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geflossen sei.
Stichwort - Steuerhinterziehung
Fahnder: "Wir haben die ganze Bank geknackt"
Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, es werde gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" wegen Steuerflucht nach Liechtenstein ermittelt. Die Fahnder haben nach Informationen des "Handelsblatts" offenbar massenhaft Unterlagen aus der LGT-Bank, der Bank der liechtensteinischen Fürstenfamilie, erhalten. "Wir haben die ganze Bank geknackt", sagte ein Ermittler laut der Zeitung. Mit diesen Informationen konfrontiert, habe LGT-Sprecher Bernd Junkers mit dem Satz reagiert: "Wir kommentieren das im Moment nicht." Woher die Datensätze stammen, sei noch nicht klar.
Botschafter: ungute Erinnerungen an frühere Fälle
Der liechtensteinische Regierungschef und Finanzminister Otmer Hassler und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück würden dies in der kommenden Woche erörtern. Das bestätigte der Botschafter des Fürstentums Liechtenstein in Berlin, Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, dem "Handelsblatt". Der Botschafter räumte ein, dass die aktuellen Vorfälle ungute Erinnerungen an ähnliche frühere Fälle weckten und verwies darauf, dass der Fall sich vermutlich schon länger hinziehe. "Es wird eine der letzten Geschichten dieser Art sein", versicherte er. In Liechtenstein sei bisher kein Rechtshilfeersuchen eingegangen, sagte der leitende Staatsanwalt der Liechtensteinischen Staatsanwaltschaft, Robert Wallner.
Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln
Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte unterdessen, dass mehrere hundert Steuerverfahren anhängig sind. Mit den Unterlagen zu Zumwinkel seien Hinweise auf andere Fälle eingegangen. Neben diesen Fällen beschäftigt sich die Behörde noch mit einer Reihe Altverfahren, die vor drei Jahren bekannt wurden. Die Bochumer Ermittler werden von Staatsanwälten aus dem Rheinland unterstützt. Wie die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen berichtete, habe die Vielzahl der Fälle, die über den Bochumer Zuständigkeitsbereich hinaus bundesweit gelagert seien, dazu geführt, dass auch die Generalstaatsanwälte in Düsseldorf und Köln Staatsanwälte abgestellt hätten. Die Staatsanwälte bearbeiten die Fälle gemeinsam mit verschiedenen Steuerfahndungsstellen des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kriminalpolizei Essen.
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Quelle: t-online.de
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