Daten-Chaos: Etwa eine Million Briefe kommt nicht an
31.08.2008, 10:23 Uhr | mash
Die neue ID soll Arbeit der Finanzbehörden erleichtern (Foto: Imago)Das Chaos um den Versand der neuen Steuernummern wird immer größer. Städte und Gemeinden berichten über massenhaft falsch verschickte Briefe - offenbar haben sich Verantwortliche auf Adresslisten verlassen - die sich als veraltet entpuppten. #
Die Probleme beim Versand der lebenslang gültigen neuen Steuernummern sind offenbar größer als bisher bekannt. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung fürchtet der Deutsche Städte- und Gemeindebund, dass allein in diesem Monat bis zu eine Million Briefe mit den neuen Nummern nicht zugestellt werden konnten. Grund seien veraltete Adressdaten. Allein in Berlin seien bis zu 150.000 der Briefe nicht zugestellt worden. In München gebe es bis zu 70.000 Rückläufer, in Düsseldorf 29.000, berichtet das Blatt.
Hohe Fehlerquote muss reduziert werden
Ein Sprecher des Städte- und Gemeindebundes forderte das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) auf, die Fehlerquote beim Verschicken der Steuernummern zu senken und sich in den Einwohnermeldeämtern besser nach den Anschriften der Briefempfänger zu erkundigen.
Versand soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein
Das BZSt hatte Anfang August damit begonnen, allen Bundesbürgern ihre neuen Steuernummern zuzusenden. Bis zum Jahresende soll jeder Deutsche seinen neuen Zahlencode erhalten. Nach einer Übergangszeit soll die lebenslang gültige Steuernummer die bisherige ersetzen und zudem den Start der "elektronischen Lohnsteuerkarte" im Jahr 2011 ermöglichen. Datenschützer hatten dagegen Bedenken angemeldet.
Es drohen finanzielle Einbußen für Bund, Städte und Kommunen
Der Städte- und Gemeindebund sagte gegenüber "Spiegel Online", man sei sich nicht mehr sicher, ob der Zeitplan im Hinblick auf die aktuellen Turbulenzen noch eingehalten werden könne. Damit alles nach Plan laufe, müsse noch eine Menge getan werden. Verzögerungen könnten auch finanzielle Einbußen für Bund, Länder und Gemeinden zur Folge haben, so ein Sprecher des Städte- und Gemeindebundes.
Plötzlich im Libanon geboren
Nicht nur Fehlsendungen, auch inhaltliche Probleme verärgern die Bundesbürger. In zahlreichen Anschreiben stimmen die persönlichen Daten nicht. So berichtete die "Bild"-Zeitung über ein neunjähriges Mädchen, das den Angaben zufolge aus Kasachstan kam und bereits verheiratet war. In einem anderen Fall erhielt ein Stadtrat im niedersächsischen Stade die Information, dass er aus dem Libanon stamme.