
21.03.2011, 14:11 Uhr | Financial Times Deutschland
Lieferengpässe bei Bauteilen aus Japan bedrohen die Industrieproduktion in mehreren Ländern. Schon jetzt müssen manche Betriebe ihre Arbeit einschränken. In Deutschland trifft es die Automobilindustrie.
Die meisten Firmen können laut Ökonomen zwar kurzfristige Produktionsausfälle japanischer Zulieferer verkraften. "Dauern sie mehrere Wochen an, würde es aber zu einem Problem für die Weltwirtschaft werden", sagte Franz Waldenberger, Wirtschaftsprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Wegen der Katastrophe haben viele japanische Unternehmen die Produktion teilweise eingestellt. Einige haben sie zwar wieder aufgenommen, aber nicht alle. Grund für Stopps sind auch die von der Regierung verordneten Stromausfälle: Firmen wie der Autobauer Honda hatten sogar Werke im Südwesten Japans geschlossen, um einen Beitrag zum Stromsparen zu liefern. Solche Stopps kann es weiter geben.
Angesichts der Atomunfälle in Japan gibt es wachsendes Interesse an erneuerbaren Energien. Das spürt unter anderem die Solarindustrie in Deutschland. zum Video
Neben der Gefahr einer weiträumigen Verstrahlung und zerstörter Infrastruktur im Norden des Landes drohen weiter Stromausfälle und Energieverknappung im ganzen Land.
Durch eng vernetzte globale Lieferketten hat das Auswirkungen bis nach Europa und in die USA: So sind beispielsweise die Opel-Werke in Eisenach und im spanischen Saragossa durch fehlende Teile aus Japan betroffen. In Eisenach werden ab Montag zwei Schichten gestrichen, das Werk in Zaragoza hält die Bänder vollständig an. Auch ein US-Werk für Pick-up-Trucks des Opel-Mutterkonzerns General Motors muss vorübergehend abgeschaltet werden. Besonders betroffen sind in Amerika die japanischen Hersteller. Toyota, Nissan und Honda müssen allesamt ihre US-Produktion drosseln. Sie räumten am Wochenende ein, dass sie von Lieferausfällen schwerer getroffen sind als zunächst angenommen.
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"Japans Wirtschaft hat eine weltweit herausragende Bedeutung, was spezielle Bauteile angeht", sagte Holger Görg, Professor an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Jedes sechste elektronische Bauelement rund um den Globus stammt aus dem Inselstaat. Solche Bauteile werden nicht nur in Elektronikgeräten, sondern auch in Maschinen und Autos verwandt. Im iPhone von Apple beispielsweise stammt ein Drittel der Teile aus Japan. Beim Automobilhersteller Volvo sind es rund zehn Prozent der Zulieferteile. Sogar der US-Flugzeugbauer Boeing ist auf die Japaner angewiesen: Beim in Entwicklung befindlichen Langstreckenmodell 787 kommen 35 Prozent der tragenden Strukturteile aus der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.
Können entscheidende Teile in Japan nicht produziert werden, kommt die Lieferkette ins Stocken, auch in anderen Ländern. Besonders stark betroffen ist Asien. "Gerade mit Südostasien und China wurden seit den 90er-Jahren enge Verflechtungen bei der Produktion für japanische Hightech-Firmen aufgebaut", sagte Japan-Experte Waldenberger. Häufig kommen die Vorprodukte von dort nach Japan, wo sie veredelt werden. In der anderen Richtung werden vor allem Kapitalgüter geliefert.
Auch mit der US-Wirtschaft gibt es enge Verflechtungen. "Die Importe aus Japan machen zwar nur knapp sechs Prozent der Gesamtimporte aus. Gerade dort handelt es sich aber vielfach um spezielle Komponenten", sagte Görg. Ohne die kann das Endprodukt in den USA dann nicht fertiggestellt werden.
Deutschland ist laut Görg deutlich weniger betroffen als Asien oder die USA. Allerdings gibt es auch hierzulande Lieferverflechtungen. Praktisch alle deutschen Autofirmen verwenden Branchenexperten zufolge Teile, die direkt oder indirekt von Zulieferern aus Japan stammen. VW verkündete vergangene Woche bereits, dass es zu Problemen kommen könnte, sollten mögliche Lieferengpässe mehrere Wochen anhalten.
Damit befindet sich die Weltwirtschaft im Wettlauf mit der Zeit. "Solange die Produktionsprobleme kurzfristig sind, dürfte das alles noch nicht dramatisch sein", sagte Görg. "Die große Frage ist, was passiert, wenn ein Lieferant längerfristig ausfällt."
In den vom Beben betroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi sind viele Fabriken der Auto-, Elektronik- und Halbleiterindustrie, unter anderem von Toyota, Nissan und Panasonic. Hinzu kommen viele kleinere Zulieferer. Allein Sony hat sechs Fabriken in der betroffenen Region, zwei davon wurden beschädigt. "Dort werden vor allem Speichermedien wie Blue-ray-Disks hergestellt. Für das Kerngeschäft mit Fernseher oder Camcorder sehen wir aber keine Engpässe", sagte Silke Bernhardt, Pressesprecherin des japanischen Elektronikkonzerns in Deutschland.
Zwar sind nicht alle Produktionsstätten in den Erdbebenregionen beschädigt, wohl aber die Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Damit gibt es Probleme beim Transport. Es könnte lange Zeit brauchen, bis die Normalität wiederhergestellt ist.
Honda nahm bereits mit den 110 wichtigsten Zulieferern, die im Nordosten Japans sitzen, Kontakt auf. "80 Prozent davon könnten wieder liefern", sagte Alexander Heintzel, Pressesprecher von Honda Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass uns am Ende aber etwa 16.600 Autos und 2000 Motorräder für Europa fehlen werden", so Heintzel.
Wie gravierend die Lieferengpässe in den einzelnen Branchen tatsächlich sind, ist aber derzeit schwer einzuschätzen. "Für eine globale Aussage ist es zu früh", sagte Rainer Bechtold, Pressesprecher des deutschen Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). In manchen Produktbereichen könne es zu Engpässen kommen, räumte auch er ein. Ob und wie massiv diese sind, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen.
Viele Unternehmen suchen bereits nach Alternativen zu japanischen Zulieferern. "In einigen Bereichen - wie bei der Halbleiterproduktion oder bei Autoteilen - dürfte es weniger schwer sein, japanische Bauteile durch andere zu ersetzen", sagte der Kieler Ökonom Görg. Doch dort, wo es speziellere Teile sind, sei ein längerfristiger Ausfall japanischer Produzenten schwer zu kompensieren.
Immerhin gab es am Wochenende ein Hoffnungszeichen: Die Autohersteller Nissan, Toyota und Honda kündigten an, ab Mitte der Woche die in Japan ausgesetzte Produktion wieder anlaufen zu lassen.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Elly schrieb:
am 22. März 2011 um 06:31:50
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Globalisierungsfallen
Neue Machtstrukturen führen zu Elendsterror durch Monopole.
Seltene Erden, elektronische Steuerbauteile, fehlende
Schuhe und Bekleidung in Europa, nicht funktionierendes Zusammenspiel der Weltwirtschaften.
Anlegen von Staatsreserven oder autarke Produktion das ist die entschedende Frage in unserer Zeit, welche die Weltdiktatoren vergessen haben, denn die denken nur an sich!
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Elly schrieb:
am 22. März 2011 um 06:25:18
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Der Globalisierungsfluch
Das Leid der Japaner wird durch die wirtschaftliche Globalisierung zu unserem.
Wer in Gebieten produzieren läßt,
wo Naturgewalten bei Katastrophen die Weltwirtschaft lahmlegen denen ist nicht mehr zu helfen. Die weltweite Verteilung von Produktionen und die Wahrung einer angemessenen Autarkie und Konkurrenz der verzahnten Volkswirtschaften wird durch solche Ereignisse offenbart. Fortschritt sichern heißt Katastrophenelend und Monopolterror vermeiden. Die neue Macht: Elendterror durch Monopole!
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siggi schrieb:
am 21. März 2011 um 13:38:51
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Diktatoren
Unsere Manager machen aus angeblichen Kostengründen und Werttbewerbs-
strategien,Geschäfte mit dem Ausland. Nun wenn es dann so
sein muss,ist
aber auch zu bedenken,dass geht nicht lange gut,denn man kann nicht im Luxus leben,ohne das dieses von Menschen dieser Erde beobachtet wird.
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