12.03.2010, 19:07 Uhr | Financial Times Deutschland
Baustelle auf der A 1: Probleme mit dem Asphalt (Foto: ddp)
Die A1 zwischen Hamburg und Bremen wurde gerade erst aufwändig von einer Bilfinger-Berger-Tochter fertiggestellt - und ist schon eine Schlaglochpiste. Eigentlich sollte der Ausbau zum Public-Private-Partnership-Vorzeigeprojekt werden, nun droht ein Desaster.
Auf acht Kilometern Länge löst sich die vier Zentimeter dicke oberste Asphaltschicht teils in Korngröße, teils in großen Stücken ab. Dabei sollte der Ausbau der A 1 eigentlich ein Aushängeschild für die private Finanzierung öffentlicher Bauten werden. Die 650 Millionen Euro teure A-1-Erweiterung ist in Deutschland das bisher größte Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft (PPP).
Das Baukonsortium A 1 Mobil, eine Tochter des Konzerns Bilfinger Berger und der mittelständischen Papenburger Baufirma Bunte, gab sich am Mittwoch ratlos. "Das Phänomen ist in dieser Form noch nicht beobachtet worden", sagte der technische Geschäftsführer Lutz Hoffmann.
Der Ärger über die Behinderung auf einer der am stärksten befahrenen Straßen Deutschlands schadet dem Ansehen von Bilfinger Berger weiter. Erst am Montag hatte Vorstandschef Herbert Bodner zwei Expertenteams mit Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung beauftragt. Der Konzern steht nach Pfuschvorwürfen im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahnen in Köln und Düsseldorf seit Wochen in den Schlagzeilen.
Ohnehin strapaziert der Ausbau von vier auf sechs Fahrspuren über eine Länge von 73 Kilometern die Nerven der Autofahrer. Ein Bilfinger-Sprecher spielte die neuen Probleme am Mittwoch herunter: "Es wird keine Verzögerungen bei der Fertigstellung geben." Dagegen übte der ADAC Kritik: "Alle Welt hatte sich schon über einen glatteren Verkehrsfluss gefreut", sagte Stefan Möller vom ADAC Weser-Ems. Die schadhaften Autobahnstücke waren erst vor gut zwei Monaten für den Verkehr freigegeben worden.
Nach Angaben von Hoffmann werden die Schlaglöcher zunächst "punktuell repariert" und im Spätherbst einer Totalsanierung unterzogen. Dies könne innerhalb weniger Tage geschehen, da nur die obere Schicht beschädigt sei. Die Höhe des Schadens lasse sich noch nicht abschätzen.
Bei PPP-Projekten planen, bauen und betreiben die Firmen im Rahmen sogenannter A-Modelle Autobahnstrecken für 30 Jahre. Im Gegenzug erhalten sie das Aufkommen aus der Lkw-Maut. Laut Haushaltsplan des Bundes kann A1 Mobil 2010 mit Einnahmen von 23,2 Mio. Euro rechnen. Die Pannenbaustelle heizt die Diskussion über die umstrittenen Finanzierungsmodelle erneut an. "Die Einsicht wächst, dass PPP nicht die Lösung ist", sagte der Autor und Attac-Berater Werner Rügemer. Die enorme Verschuldung der öffentlichen Hand habe aber zur Folge, dass Privatfinanzierungen zunähmen. Derzeit befinden sich zwei weitere A-Modelle - die A8 zwischen Ulm und Augsburg und die A 9 in Thüringen - im Vergabeverfahren, sechs weitere sind geplant.
Financial Times Deutschland
RLangdon schrieb:
am 12. März 2010 um 10:40:55
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Zerbröselnde Autobahn
Mich würde es nicht wundern, wenn gute und teure Baustoffe gegen Billigware getauscht wurde. Köln zeigt ja in etwa, wie das funktioniert.
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skraffi schrieb:
am 12. März 2010 um 09:41:03
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zu siggi
Ich denke, dass die Unternehmen schon für sich planen, um Submissionen zu gewinnen. Aber die Einkäufer der Projekte müssen f ü r
die Firma denken und den größtmöglichen legalen Gewinnn anstreben. Da kann man keiner Firma etwas vor-
werfen. Schließlich werden nur nur bei Submissonssiegen und Prüfung zugelassen.
Die Beaufsichtigung, klar -- das sollte schon geändert werden.
Alkohol? Arbeitet "Siggi" am Bau und trinkt selber? Das gibt es fast nirgend wo noch!
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SLK60 schrieb:
am 12. März 2010 um 09:36:06
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Schlaglöcher
Walfisch 1886, Einspruch : Die Haushaltsordnung fur Bund und Länder sieht zweifelsfrei die Vergabe an das w i r t s c ha f t
l i c h s t e, nicht das billigste Gebot vor. Es umfasst u.a. auch alle Folgekosten und Gewählleistungen. Der Zuschlag muß vom Sachbearbeiter natürlich wasserdicht begründet werden und mit dieser Fleißarbeit ist manches Vergabereferat wohl überlastet....
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