Hälfte der Deutschen sind gestresster als vor zwei Jahren (Foto: imago)Die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren: Laut einer weltweiten Umfrage von Regus, einem Anbieter von Bürodienstleistungen, hat der Stress am Arbeitsplatz weltweit deutlich zugenommen. Hierzulande gaben rund 48 Prozent der Befragten an, noch gestresster zu sein als vor zwei Jahren. Mit diesem schon schlechten Ergebnis sind die Deutschen im internationalen Vergleich noch gut bedient. Deutlich mehr Stress müssen die Befragten in China und den USA ertragen.
Für die Untersuchung befragte Regus 11.000 Unternehmensvertreter aus 13 Ländern. Die Untersuchung war Teil einer internationalen Studie über globale Wirtschaftsindikatoren. Dabei untersuchten die Autoren auch, welche Faktoren zum Stress beitragen.
Gewinnmaximierung belastet Arbeitnehmer
Dass das Stress-Niveau hierzulande gestiegen ist. liegt vor allem an der Rezession. Die Studie zeigt, dass die zunehmende Gewinnfixierung von Unternehmen für 35 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland einen erheblichen Stress-Faktor darstellt. Weitere 33 Prozent der Befragten gaben an, dass der Druck, einen erstklassigen Kundenservice liefern zu müssen, für mehr Stress am Arbeitsplatz sorge.
Chinesen besonders gestresst
Im internationalen Vergleich hat der Stress in Deutschland immerhin weniger stark zugenommen als anderswo: China kämpft mit der größten Stress-Zunahme, dort sind 86 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Stress zugenommen habe. Damit liegt China um Längen vor den anderen Ländern. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Belgien und Mexiko mit jeweils rund 64 Prozent. In den USA liegt der Wert bei 58,2 Prozent. Deutschland befindet sich im internationalen Stress-Ranking an vorletzter Stelle vor den Niederlanden (47,3 Prozent).
Mitarbeiter in großen Unternehmen gestresster
Wie groß ein Unternehmen ist, spielt in Bezug auf den Stress am Arbeitsplatz ebenfalls eine wichtige Rolle. So ergab die Studie von Regus, dass das Stress-Niveau in größeren deutschen Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern stärker angestiegen ist als in kleineren Firmen. 63 Prozent der Arbeitnehmer in großen Unternehmen, aber nur 43 Prozent in kleineren und mittleren Unternehmen fühlen sich gestresster als vor zwei Jahren.
Produktivität leidet unter Stress
Zudem variieren die Ergebnisse je nach Branche: Unter Arbeitnehmern im Gesundheitswesen und in der Pharmaindustrie stieg das Stress-Niveau am stärksten (65 Prozent), im Einzelhandel am wenigsten (52 Prozent). Michael Barth, Deutschland-Geschäftsführer bei Regus, weist auf die negativen Folgen von Stress am Arbeitsplatz hin: "Gestresste Mitarbeiter sind ein Problem für Unternehmen: Ihre Produktivität nimmt ab, die Motivation sinkt und das Arbeitsklima leidet. Diese Faktoren wiederum beeinflussen den Unternehmenserfolg, so dass in Zeiten wie diesen Stress-Management enorm an Bedeutung gewinnt." In der Folge greifen etwa 800.000 Arbeitnehmer in Deutschland regelmäßig zu Aufputschmitteln, um ihre Leistung im Job zu verbessern, so eine Studie der DAK.