09.02.2010, 15:28 Uhr | dpa-tmn
Wenn der Stress im Büro überhand nimmt, sollten Sie Prioritäten setzen. (Foto: Imago)
Zu wenig Anerkennung, schlechtes Betriebsklima, Angst um die Arbeitsstelle: In vielen Unternehmen stehen die Mitarbeiter zunehmend unter Druck. Knapp vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland - 39 Prozent - leiden nach eigener Einschätzung unter Stress. Das zumindest ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts in Berlin.
Gut jeder Zweite (53 Prozent) gab demnach psychische Belastungen wie Stress als Ursache dafür an, dass er nicht optimal arbeiten könne. Im Auftrag der Berater des Fürstenberg Instituts in Hamburg wurden für die Untersuchung rund 1000 Arbeitnehmer befragt.
Ein wichtiger Grund, warum Beschäftigte am Arbeitsplatz unter ihren Möglichkeiten bleiben, ist fehlende Anerkennung. So erklärte gut jeder vierte Beschäftigte (27 Prozent) gemäß der Umfrage, dass er unter mangelnder Wertschätzung leidet. Und sechs von zehn Teilnehmern der Studie sagten, Probleme am Arbeitsplatz seien schuld daran, dass sie ihr Potenzial im Beruf nicht voll entfalten. Zu diesen Schwierigkeiten gehören zum Beispiel Streit mit Kollegen oder die Angst um den eigenen Job.
Insgesamt erklärten knapp zwei Drittel aller Beschäftigten (63 Prozent), sie schöpften bei der Arbeit mindestens ein Viertel ihrer Leistungskapazität nicht aus. Viele Befragte begründeten das mit körperlichen Beschwerden (54 Prozent) sowie familiären und privaten Sorgen (41 Prozent). Die Unternehmen in Deutschland kosten die geringeren Leistungen der Arbeitnehmer laut dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) etwa 262 Milliarden Euro im Jahr.
Hinweise auf eine Überbelastung der Mitarbeiter können Experten zufolge etwa ein verändertes Verhalten und reduzierte Leistungen sein. Manche Anzeichen kann der Chef selbst erkennen, wie etwa hohe krankheitsbedingte Ausfallzeiten. Auffällige Hinweise sind zudem Selbstgespräche, zwanghaftes Benehmen oder eine verzerrte Wahrnehmung. Ein Signal für eine psychische Erkrankung kann außerdem der Rückzug des Betroffenen vom Team oder starke Gereiztheit sein. Auch wenn ein Arbeitnehmer sehr langsam arbeitet oder häufig gar nicht im Job erscheint, kann das auf eine seelische Störung hindeuten.
Um die Situation zu verbessern, sollten Chefs daher möglichst früh mit den Betroffenen sprechen - möglichst unter vier Augen. "Je früher auffällige Veränderungen im Verhaltens- und Leistungsbereich angesprochen werden, umso eher ist es möglich, Hilfe zu leisten", heißt es im Leitfaden des BKK Bundesverbands und der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e.V.), "Psychisch krank im Job - Was tun?". Im Gespräch mit dem Betroffenen lassen sich meist schnell die Ursachen für den Stress klären - wie etwa Angst um den Job, Mobbing, zu viel Routinearbeiten oder anstrengende Nachtschichten.
dpa-tmn
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