21.02.2011, 14:01 Uhr | t-online.de/business / sia
Wer im Job ständig überlastet ist, riskiert ernste psychische Probleme. (Foto: imago)
Ein Termin nach dem anderen, keine Zeit für Pausen, ständiger Erfolgsdruck: Der weitaus größte Teil der Beschäftigten in Deutschland fühlt sich im Job überlastet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Angewandte Psychologie (IfAP) in Köln. Wir erklären die Ursachen und zeigen, wie Sie gegensteuern können.
An der Untersuchung haben 4378 Personen teilgenommen. 81 Prozent der Befragten erklärten, durch ihre Arbeit überlastet zu sein - vor allem wegen der gleichzeitigen Anforderungen in Beruf und Familie. Doch den Stress am Arbeitsplatz nehmen offensichtlich viele Beschäftigte mit nach Hause: Mehr als drei Viertel (79 Prozent) haben das Gefühl, dass der Leistungsdruck in allen Lebensbereichen zunimmt.
Und die Auswirkungen des zunehmenden Drucks am Arbeitsplatz machen sich deutlich bemerkbar: Die Zahl psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern in Deutschland ist im vorigen Jahr so stark angestiegen wie noch nie. 2010 gab es 13,5 Prozent mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden, ergab der aktuelle DAK-Gesundheitsreport. Depressionen und andere Psycho-Störungen machten ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus. Diese Diagnosen spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998.
Ein Grund für die zunehmende Überlastung ist sicherlich, dass sich Arbeitszeit und Freizeit oftmals kaum mehr exakt voneinander trennen lassen. In vielen Unternehmen ist es inzwischen üblich, dass die Mitarbeiter per Diensthandy und Firmenlaptop jederzeit und überall erreichbar sind. Dadurch könne viel zusätzlicher Stress entstehen, sagt der Arbeits- und Ingenieurpsychologe Hartmut Wandke von der Freien Universität Berlin.
Und selbst wenn das Diensthandy nicht klingelt, gebe es keine Ruhe, stellt Arbeitswissenschaftlerin Annette Hoppe von der Technischen Universität in Cottbus fest. Wer für den Arbeitgeber ständig verfügbar sein muss, kommt kaum dazu, richtig zu entspannen - der klassische Feierabend fällt damit weg. Dagegen kann sich nur zur Wehr setzen, wer das Arbeitshandy tatsächlich abschaltet - und damit klare Grenzen zieht.
Wichtig ist zunächst, die eigene Überlastung so früh wie möglich wahrzunehmen. Oft tun Betroffene das aber erst, wenn sie wegen körperlicher Symptome oder psychischen Problemen einen Arzt aufsuchen müssen. "Bei den ersten Anzeichen von Erschöpfung kann man in der Regel noch selbst gegen steuern", erklärte Dr. Hans-Peter Unger, Psychiater und Psychotherapeut in Hamburg, gegenüber spiegel.de. Wer aber die ersten Zeichen wie Schlafstörungen oder Schmerzen ignoriere und weiterarbeite wie bisher, laufe Gefahr, in eine Erschöpfungsspirale zu geraten. Auf Dauer können laut Unger dann ernsthafte psychische Probleme bis hin zur Depression entstehen.
Hinweise auf eine Überbelastung der Mitarbeiter können Experten zufolge etwa ein verändertes Verhalten und reduzierte Leistungen sein. Manche Anzeichen kann der Chef selbst erkennen, wie etwa hohe krankheitsbedingte Ausfallzeiten. Auffällige Hinweise sind zudem Selbstgespräche, zwanghaftes Benehmen oder eine verzerrte Wahrnehmung. Ein weiteres Signal für ein psychisches Problem durch Überlastung kann außerdem der Rückzug des Betroffenen vom Team oder eine starke Gereiztheit sein.
Um die Situation zu verbessern, sollten Chefs daher möglichst früh mit den Betroffenen sprechen - möglichst unter vier Augen. "Je früher auffällige Veränderungen im Verhaltens- und Leistungsbereich angesprochen werden, umso eher ist es möglich, Hilfe zu leisten", heißt es im Leitfaden des BKK Bundesverbands und der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e.V.), "Psychisch krank im Job - Was tun?". Im Gespräch mit dem Betroffenen lassen sich meist schnell die Ursachen für den Stress klären - wie etwa Angst um den Job, mangelnde Anerkennung, Mobbing, zu viel Routinearbeiten oder anstrengende Nachtschichten.
Quelle: T-Online
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