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Stress: Immer im Dienst? Besser nicht!

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Immer im Dienst? Besser nicht!

30.03.2010, 15:29 Uhr | Vivien Leue, dpa / t-online.de/business

Immer im Dienst? Experten empfehlen, öfter mal abzuschalten.  (Foto: Imago)

Immer im Dienst? Experten empfehlen, öfter mal abzuschalten. (Foto: Imago)

Bei vielen Berufstätigen piept es auch am Feierabend und am Wochenende. Denn ob per Diensthandy oder Firmenlaptop - viele Chefs finden es selbstverständlich, dass ihre Mitarbeiter jederzeit und überall erreichbar sind. Doch die dauernde Verfügbarkeit durch die moderne Technik kann krank machen, warnen Experten. Und erklären, ob Beschäftigte für die Firma wirklich rund um die Uhr zur Stelle sein müssen.

Handy wird zur elektronischen Fußfessel

So kann der Kunde aus Übersee auch spätabends noch Bestellungen absprechen oder der Chef am Wochenende die neue Präsentation per E-Mail abfragen. Das Diensthandy wird dadurch für manchen regelrecht zur elektronischen Fußfessel. Um den Feierabend zu retten, hilft daher nur eins: Öfters mal abschalten.

Technischer Fortschritt wird Fluch

"Die technischen Systeme verführen dazu, alles ungeplant zu machen, gerade weil jeder sofort zu erreichen ist", sagt der Arbeits- und Ingenieurpsychologe Hartmut Wandke von der Freien Universität Berlin. Dadurch könne viel zusätzlicher Stress entstehen. Planungen und Strukturen bringen stattdessen Ruhe in unseren Arbeitsalltag. Fehlen sie, steigt der Stresspegel. Auf Dauer kann das krank machen, der technische Fortschritt zum Fluch werden.

Mitarbeiter im Stand-by-Modus

Ähnlich sieht das die Arbeitswissenschaftlerin Annette Hoppe von der Technischen Universität in Cottbus. "Wir benutzen die technischen Hilfsmittel nicht, um uns Freiräume zu schaffen, sondern packen uns die gewonnene Zeit wieder mit neuer Arbeit voll", warnt die Expertin. Denn das schicke Diensthandy und der Laptop vom Arbeitgeber sind natürlich nicht zum eigenen Vergnügen gedacht. Sie sollen es dem Mitarbeiter ja gerade ermöglichen, nach Dienstende weiterzuarbeiten. Selbst wenn das Diensthandy nicht klingelt, gibt es keine Ruhe. Denn eine Rufbereitschaft ist eben keine Freizeit. Wer ständig erreichbar sein muss, fährt nur in den Stand-by-Modus, statt abzuschalten. Der klassische Feierabend fällt damit weg.

Fehler machen Stress

Hinzu kommt, dass Mitarbeiter nach Dienstschluss bei Problemen mit der Technik auf sich gestellt sind. Wie sehr das nerven kann, haben Hoppe und ihr Team in einem Versuch nachgewiesen. Hatten die Testpersonen bei der Arbeit am PC technische Fehler, reagierte ein Großteil nachweislich genervt. Rund 17 Prozent gaben allerdings an, keinen Stress erlebt zu haben - obwohl die Messungen andere Werte zeigten. Technik stresst also, auch wenn der Benutzer es nicht merkt.

So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich

Hoppe und ihre Kollegen trainieren Firmen und Mitarbeiter im Umgang mit Technik. Ihr Motto lautet: "So viel wie nötig, nicht so viel wie möglich." Vor dem Einkauf und Einsatz neuer Technik sollte sich jeder fragen: Welche Technik brauche ich? Wie lange und wozu? "Wir müssen wieder lernen, Technik als unseren Dienstleister zu verstehen und zu nutzen", rät die Arbeitswissenschaftlerin. Das heißt: Das Handy auch mal ausschalten.

Dem Chef notfalls die Zähne zeigen

Aber dürfen Arbeitnehmer das einfach tun? Oder müssen sie stets erreichbar sein, wenn der Chef das will? "Im Urlaub ist die Antwort ganz klar: Nein, ich muss nicht erreichbar sein", erklärt Arbeitsrechtler Martin Hensche aus Berlin. "Wer trotzdem Handy und Laptop mitnimmt, zeigt nicht genug Zähne", so Hensche. Es sei zwar mitunter schwer, dem Chef Grenzen aufzuzeigen - vor allem, wenn er selbst stets erreichbar ist. Dennoch rät der Fachmann, sich dieser "modernen Form der Sklaverei" zu entziehen und die Arbeit nicht mit in den Urlaub zu nehmen.

Geschäftliches nach Dienstende dokumentieren

Anders verhält es sich am Feierabend oder am Wochenende. "Wenn ich da in Rufbereitschaft, also erreichbar sein soll, dann ist das okay", betont Hensche. Er rät, Telefonate und andere geschäftliche Arbeiten nach Dienstende fein säuberlich zu dokumentieren - und als Überstunden geltend zu machen. Oft werden diese pauschal vergütet, manche Arbeitgeber wehren sich aber auch gegen eine Bezahlung von Überstunden. "Wenn man sich aber nicht beizeiten gegen übermäßige Arbeit wehrt, ist es im Nachhinein schwierig, die Überstunden geltend zu machen", warnt der Arbeitsrechtler. Arbeitnehmer sollten daher frühzeitig mit dem Arbeitgeber darüber reden und ihm die Auflistung der Überstunden vorlegen.

Nicht-Erreichbarkeit ankündigen

Wer dauerhaft mehr arbeitet, als im Arbeitsvertrag festgelegt, sollte nachverhandeln, empfiehlt Hensche. Sinnvoll sei auch, im Voraus Bescheid zu geben, dass man an einem Abend oder Wochenende nicht zu erreichen ist. Denn dann kann der Mitarbeiter das Handy auch getrost abschalten, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Viel hängt deshalb von der Planung ab. Und die Praxis zeigt: Einige geschäftliche Telefonate oder E-Mails am Abend wären auch am nächsten Tag noch möglich gewesen oder hätten bei einer besseren Organisation während der Dienstzeiten erledigt werden können.

Technik zur Unterstützung nützen

Annette Hoppe und Hartmut Wandke plädieren deshalb dafür, die technischen Geräte wieder so einzusetzen, dass sie einen unterstützen und nicht geißeln. "Die Technik kann mir auch vieles erleichtern", sagt Wandke. So lohne es sich etwa, im Büro oder Team einen gemeinsamen öffentlichen Kalender in einem Programm wie Outlook einzurichten. In den können Mitarbeiter für alle sichtbar eintragen, zu welchen Zeiten sie erreichbar sind - und wann eben nicht.


Vivien Leue, dpa / t-online.de/business  

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