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Strompreise: Stromversorger nutzen fehlenden Wettbewerb aus

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Strompreistreiber nutzen fehlenden Wettbewerb

03.03.2009, 13:33 Uhr | Spiegel Online

Strom - Wer in der falschen Gegend wohnt, zahlt deutlich mehr (Quelle: imago) Strom - Wer in der falschen Gegend wohnt, zahlt deutlich mehr (Quelle: imago)Deutschlands Strommarkt ist tief gespalten: Wo Wettbewerb herrscht, sinken die Preise - zum Teil sogar deutlich. In Regionen mit wenigen Anbietern gibt es dagegen kräftige Steigerungen. Spiegel Online zeigt den großen Energiepreis-Atlas. #

E.ON, RWE und Vattenfall - Die größten Energiekonzerne Europas
Video - Der intelligente Stromzähler

In manchen Regionen fast kein Wettbewerb

Theoretisch ist alles in Ordnung: Der deutsche Energiemarkt ist liberalisiert, jeder kann sich seinen Stromanbieter frei wählen, der Wettbewerb drückt die Preise. Praktisch sieht das ganz anders aus: In manchen Regionen Deutschlands findet Wettbewerb so gut wie nicht statt. Nur wenige Anbieter buhlen um die Gunst der Kunden, vielerorts sind die Strompreise im vergangenen Jahr explodiert. Dies geht aus dem jährlichen Energiemarktreport des Verbraucherportals Verivox hervor, der Spiegel Online vorliegt.

 

Strom ist im Osten deutlich teurer

Wichtigste Erkenntnis: Es gibt nicht den deutschen Strommarkt. Vielmehr ist das Land energiepolitisch gespalten. Besonders teuer ist Strom in Franken und in Ostdeutschland, vornehmlich in Sachsen. Hier muss ein Durchschnittshaushalt bei seinem Grundversorger mehr als 800 Euro im Jahr bezahlen (Stichtag 1. Januar 2009, Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden). Grundversorger sind die etablierten lokalen Unternehmen wie beispielsweise Stadtwerke. Besonders günstig sind dagegen manche Regionen Bayerns - hier sind weniger als 650 Euro fällig. Das heißt: Abhängig von der Region gibt es Preisdifferenzen von mehr als 23 Prozent (siehe Grafiken).

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Hohe Aufschläge besonders auf teuren Strom

Der mangelnde Wettbewerb macht sich auch bei den Preissteigerungsraten bemerkbar. Ausgerechnet in jenen Gebieten, in denen Strom ohnehin teuer ist, haben die Unternehmen im vergangenen Jahr kräftig aufgeschlagen. Den stärksten Preissprung gab es im sachsen-anhaltinischen Weißenfels - hier verlangten die örtlichen Stadtwerke zum 1. Januar 2009 satte 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Deutliche Preissprünge gab es im vergangenen Jahr auch in der Region Nürnberg/Mittelfranken im Netzgebiet des Unternehmens N-Ergie. Bundesweit sind die Strompreise in der Grundversorgung laut Verivox um rund vier Prozent gestiegen.

Preise der Wettbewerber gesunken

Dabei ginge es auch anders. Das beweisen die Anbieter, die den Grundversorgern Konkurrenz machen: Die Preise der Wettbewerber sind im vergangenen Jahr gesunken - bundesweit um immerhin 0,9 Prozent. Ein Durchschnittshaushalt muss nun 635 Euro im Jahr zahlen, wenn er das beste verfügbare Angebot wählt (ohne Vorauskasse). Im bayerischen Wendelstein sind sogar nur 504 Euro fällig.

Tarife mit Vorkasse am günstigsten - aber Vorsicht geboten

Betrachtet man ausschließlich solche Unternehmen, die Vorauskasse verlangen, sind die Preise sogar um mehr als neun Prozent zurückgegangen. Verbraucherschützer sehen solche Angebote allerdings kritisch: Interessenten sollten in jedem Fall Informationen über die Bonität der Firmen einholen, bevor sie einen Vertrag abschließen. Immerhin: Je teurer der heimische Grundversorger ist, desto eher lohnt sich ein Anbieterwechsel (siehe Grafiken). In manchen Regionen können Verbraucher so bis zu 295 Euro im Jahr sparen, wenn sie sich einen günstigeren Stromlieferanten - ohne Vorauskasse - suchen. Bei Unternehmen mit Vorauskasse sind sogar bis zu 418 Euro Ersparnis möglich.

Gasversorger erhöhten Preise drastisch

Noch drastischer als beim Strom sind im vergangenen Jahr die Preissteigerungen beim Gas ausgefallen. In Folge der Ölpreisexplosion erhöhten die lokalen Versorger ihre Tarife durchschnittlich um fast 21 Prozent. Auch die Wettbewerber haben ihre Preise angehoben, allerdings nur um 14,4 Prozent. Das heißt: Teurer wurde Gas in jedem Fall - ein Anbieterwechsel lohnt sich aber auch hier.

Nur zwei bundesweite Gasanbieter

Allerdings gibt es bei Gas immer noch weniger Anbieter als bei Strom. Insgesamt liefern 103 Firmen Gas auch außerhalb ihres eigenen Netzgebiets, zwei davon bundesweit. "In einigen Gebieten", heißt es in dem Verivox-Bericht, "war auch Anfang 2008 kein Wettbewerbsangebot bei Gas vorhanden." Und dies trotz des angeblich "bundesweiten" Markteintritts des Unternehmens E wie einfach. Mittlerweile sind in allen Regionen Deutschlands mindestens zwei Wettbewerber aktiv. Der höchste Konkurrenzdruck herrscht in Schleswig-Holstein (siehe Grafiken).

Größte Anbieterauswahl in Baden-Württemberg

Bei Strom gibt es insgesamt 226 Anbieter, die außerhalb des eigenen Netzgebiets agieren, 34 davon bundesweit. Besonders intensiv ist der Wettbewerb in Baden-Württemberg: Hier gibt es ganze Landstriche mit mehr als 60 Anbietern.

Viele kleine Anbieter gehören den großen Stromkonzernen

Allerdings sind bundesweit nur 13 Stromlieferanten komplett unabhängig von der etablierten Energiewirtschaft. Das heißt: Die meisten Firmen stehen direkt oder indirekt in Beziehung zur Großindustrie oder zu den alteingesessenen Stadtwerken. Zahlreiche vermeintlich kleine Anbieter sind beispielsweise Tochterunternehmen der vier großen Stromkonzerne: Yello Strom gehört zu EnBW, E wie einfach ist Teil des E.ON-Konzerns, eprimo wird von RWE betrieben und Vattenfall easy ist eine Tochter des gleichnamigen schwedischen Staatskonzerns. Neuerdings gehört auch das Unternehmen Nuon, das vor allem in Berlin und Hamburg aktiv ist, zu Vattenfall.

Jetzt auch als Öko-Variante

Immerhin bieten immer mehr Gasfirmen Ökoprodukte an. Sie mischen ihrem Erdgas einen Anteil von fünf bis 20 Prozent Biogas bei. Auf dem Strommarkt sind Ökoangebote seit langem verfügbar. Laut Verivox werden sie in jüngster Zeit immer günstiger und damit attraktiver. Von allen wechselwilligen Verbrauchern entscheiden sich rund 26 Prozent für Ökostrom.

Mehr Themen:
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Quelle: Spiegel Online

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