13.01.2012, 15:05 Uhr | dpad, dpa
Somalias Piraten werden immer dreister. Erst vor kurzem griffen Piraten sogar das Flaggschiff der EU-Operation "Atalanta" an. Trotz des Militäreinsatzes der internationalen Gemeinschaft bleibt die Piraterie ein lohnendes Geschäft und ist mittlerweile sogar zum Wachstumsmotor in dem Land geworden. Das zeigt eine aktuelle Studie der britischen "Denkfabrik" Chatham House.
"Die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen der Piraterie sind weit verbreitet", so die Autoren der Studie. Ein konsequentes militärisches Durchgreifen, mit dem Piraten gestoppt werden sollten, könnte die Entwicklung vor Ort durchaus "ernsthaft beeinträchtigen".
Das klingt angesichts der zahlreichen Opfer der Piraten wie blanker Zynismus. Doch in der Tat sorgt die Freibeuterei zumindest in einigen Regionen für Wohlstand, wie für die Studie ausgewertete Satellitenbilder zeigen. So sind in den Städten neue Gebäude entstanden und alte renoviert wurden. Zudem gibt es mehr Autos. Die Piraten scheinen vor allem in den regionalen Hauptstädten Garowe und Bosasso zu investieren und nicht an den Küsten, von denen aus sie tätig seien, schreibt die Autorin Anja Shortland.
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Das durch Bürgerkrieg geplagte Somalia zählt mit einem Bruttoinlandsprodukt von nur 300 Dollar pro Kopf zu den ärmsten Ländern der Welt. Dem gegenüber stehen die fetten Profite, die durch die Piraterie winken. Nach groben Schätzungen betrugen die Einnahmen durch Lösegelder im Jahr 2009 70 Millionen US-Dollar. Das ist fast doppelt so hoch wie der Wert der Viehexporte, die 2009 auf gerade mal 43 Millionen Dollar kamen.
Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung sei es daher unwahrscheinlich, dass die politische Elite in der Region sich entschlossen für ein Ende der Piraterie einsetze. Einen Ansatzpunkt im Kampf gegen die Piraten bietet nach Ansicht der Autoren die ungleiche Verteilung der Einnahmen.
Eine Möglichkeit könnte dem Bericht zufolge sein, auf die Menschen in den Dörfern zuzugehen, die den Piraten zwar Unterschlupf gewährten, daraus aber wenige Vorteile gezogen hätten. In diesen Dörfern finde man eventuell mehr Offenheit gegenüber Lösungen, die den Menschen dort Vorteile brächten.
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Quelle: t-online.de , dpa , dapd
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