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Taft: "Flüssiges Haarnetz" wird Kultprodukt

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"Hamburg, 8.30 Uhr, Regen. Perfekter Halt"

03.11.2010, 10:37 Uhr | FTD, Daniela Schröder

Das Haarspray "Taft" gibt es seit 1955. (Foto: henkel.de)

Das Haarspray "Taft" gibt es seit 1955. (Foto: henkel.de)

In den 30er-Jahren kamen hochtoupierte Haare in Mode. Doch die Damen litten unter den damals erhältlichen klebrigen Festigern - bis Schwarzkopf das Haarspray erfand. Und sogar die deutsche Sprache damit beeinflusste.

In den 30er-Jahren trägt die modische Frau hochtoupierte Haare. Allein mit Lockenstab und Glätteisen sind diese Frisuren aber nicht hinzukriegen. Also werden die Köpfe der Damen mit Haarfixativ eingenebelt, einer Flüssigkeit, die hauptsächlich aus Schellack besteht - einem Laussekret, gelöst in Alkohol. Die Friseure müssen den Festiger dazu in Pumpfläschchen füllen und mit einem Gummiballzerstäuber umständlich versprühen. Das stört ihre Kundinnen gewaltig, denn der Sprühkopf verteilt den Glanzlack viel zu grob: Das Haar verklebt, die Frisur wird hart wie ein Brett.

Schlechtes Sprühsystem

Der Hersteller des Festigers ist die Firma des Chemikers Hans Schwarzkopf, der 1898 eine Drogerie in Berlin gegründet hat. Der Kosmetikpionier entwickelt nicht nur Deutschlands erstes Shampoo, sondern auch eine Lotion, mit der sich Dauerwellen ohne Hitze formen lassen. Für Haarprobleme fanden seine Forscher bisher immer eine Lösung, nur der Glanzlack für die modischen Hochfrisuren macht ihnen Ärger. Und das liegt nach Meinung der Schwarzkopf-Experten nicht am Festiger, sondern am schlechten Sprühsystem.

Kaputtes Ventil führt zur modernen Aerosoldose

Etwa zur gleichen Zeit soll Robert Abplanalp, ein Mechaniker in den USA, ein leckes Ventil an einer Sprühdose reparieren. Die Behälter, deren Inhalt sich mithilfe eines komprimierten Gases per Knopfdruck verteilen lässt, verlieren das Treibgas allmählich; und sie sind zu schwer.

Abplanalp fängt an zu tüfteln. Einige Monate später hat der ehemalige Ingenieurstudent zwar nicht das kaputte Ventil seines Kunden repariert, aber dafür ein Sprühventil entwickelt, das die Dose zuverlässig dicht hält und die Flüssigkeit fein verteilt. Auch über die Dose selbst hat Abplanalp sich Gedanken gemacht und das dicke Metall durch leichtes Aluminium ersetzt. 1953 erhält er das Patent auf sein Sprühsystem, sofort startet die Massenproduktion der modernen Aerosoldose.

Start für das "flüssige Haarnetz"

In Deutschland sind die praktischen Alubehälter noch völlig unbekannt. Als die Schwarzkopf-Inhaber aber von Abplanalps Idee hören, erkennen sie sogleich die Chance, mit der neuen Dose den kräftig wachsenden Kosmetikmarkt zu erobern. In den Schwarzkopf-Labors entsteht daraufhin eine neue Festigermixtur und darauf abgestimmt ein nicht entflammbares Treibmittel aus Fluorkohlenwasserstoffen. Die schwierigste Aufgabe hat die Marketingabteilung - wie soll das neue Produkt heißen? Weil die Frauen ihre Frisuren mittlerweile mit dünnen Netzen in Form halten, nennen sie das erste Haarspray in Deutschland "flüssiges Haarnetz".

Dann wird "getaftet"

Die Produktbezeichnung steht also fest, jetzt fehlt nur noch ein einprägsamer Markenname. "Charme" lautet ein Vorschlag der Schwarzkopf-Mitarbeiter. Der Begriff taugt nicht als Markenname, weil sich das Wort nicht als Marke schützen lässt. Zudem sagt es nicht, wie die neue Erfindung wirkt. An Glanz und Halt sollen die Frauen denken, wie bei Kleidern aus Taftstoff. Dieser Einfall kommt gut an. Taft - das klingt nicht nur so, wie Frisuren aussehen sollen, der Begriff imitiert auch das typische Sprühgeräusch der leichten Dosen: "pffft". Im Mai 1955 geht Taft in Serie. Und sich die Haare zu "taften" wird Teil der deutschen Sprache.


FTD, Daniela Schröder  

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