22.04.2010, 12:59 Uhr | dpa
BP-Azubi in Köln: Einmalzahlung und Chancen auf Übernahme (Foto: ddp)
Nach zwei Tage langen Verhandlungen haben Arbeitgeber und Gewerkschaft für die 550.000 Mitarbeiter der chemischen Industrie ein Tarifpaket mit Einmalzahlungen geschnürt. Pauschal werden 550 Euro ausgezahlt - je nach Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Betriebe, die die Wirtschaftskrise nahezu unbeschadet überstanden oder sich bereits erholt haben, sollen ihren Beschäftigten zusätzlich einen Bonus gewähren. Höhere Löhne und Gehälter wird es in der viertgrößten deutschen Industriebranche vorerst nicht geben.
Betriebsbedingte Kündigungen sollen weiterhin die absolute Ausnahme bleiben. Wie die Arbeitgebervertreter und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Würzburg mitteilten, hat der Tarifvertrag eine relativ kurze Laufzeit von elf Monaten. Je nach Bezirk läuft er zwischen Ende Februar und Ende April 2011 aus. Dann soll erneut verhandelt werden, auch über dauerhaft mehr Geld.
Die Chemieindustrie will darüber hinaus von 2011 bis 2013 bundesweit 9000 neue Ausbildungsplätze pro Jahr anbieten und Übernahmen von Azubis finanziell unterstützen. Die Ausgelernten müssen allerdings IG-BCE-Mitglied sein. Die Arbeitgeber wollen einen sogenannten Nachwuchssicherungsfonds in Höhe von 25 Millionen Euro einrichten. Bis zu 1000 Ausgelernte, die nach ihrer Ausbildung eigentlich nicht übernommen worden wären, sollen so den Unternehmen erhalten bleiben. Übernommene Azubis sollen ein Jahr lang monatlich 1000 Euro bekommen.
"Das Krisenbündnis Chemie steht", sagte der Verhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC), Hans-Carsten Hansen. "Die Einmalzahlung beträgt pauschal 550 Euro, kann aber in den Betrieben flexibel bis auf 300 Euro herunterverhandelt werden" - etwa bei wirtschaftlicher Schieflage, erklärte er. Dann muss aber der Betriebsrat zustimmen. Schichtarbeiter erhalten mehr Geld: zwischen 611 und 715 Euro. Auszubildende können mit 150 Euro rechnen. Das Geld soll bis Ende Juni auf den Konten der Beschäftigten sein.
Mitarbeiter von Unternehmen, denen die Wirtschaftsflaute nicht mehr zu schaffen macht, sollen zusätzlich einen Bonus von 200 Euro erhalten. Bei Schichtarbeitern können es bis zu 260 Euro sein. "Wir haben mehr Geld im Portemonnaie der Arbeitnehmer", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann. Die Verhandlungen seien schwierig gewesen, weil die Arbeitgeber Entgeltsteigerungen kategorisch abgelehnt hatten, und das auch durchgesetzt haben. Dennoch zeigte sich Hausmann zufrieden mit der Einigung. "Wir sind zu einem sehr, sehr vorzeigbaren Ergebnis gelangt."
Bundesweit sind 1900 Betriebe von dem Abschluss betroffen. Die Tarifparteien hatten seit Dienstag über einen neuen Tarifvertrag für die stark exportorientierte Branche verhandelt. In der ersten Runde auf Bundesebene war wegen der Wirtschaftskrise, die Teile der chemischen Industrie hart getroffen hat, härter als üblich verhandelt worden. Beim Tarifabschluss 2008 hatten sich die Parteien auf 4,4 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 13 Monaten plus eine Einmahlzahlung sowie eine weitere Erhöhung 2009 um 3,3 Prozent geeinigt.
Quelle: dpa , t-online.de
Realist schrieb:
am 22. April 2010 um 10:52:15
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Chemietarif
Es zeigt sich immer deutlicher: Der einfache Mitarbeiter ist ein notwendiges Übel, auf das man halt nicht ganz verzichten
kann.
Bei Unternehmen mit Mrd. Gewinn ist der Faktor Lohn doch eher gering, kann aber lt. Firmenleitung kaum bezahlt werden. Leider singt die Gewerkschaft offensichtlich das gleiche Lied, denn das war genau die "0 Runde", welche im Vorfeld ausgeschlossen wurde.
Diese Einmalzahlung beträgt für MA mit noch 25 Dienstjahren ca. 3 € / Mon.
Mit 1% Tariferhöhung wären´s viel mehr.
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Klaus schrieb:
am 22. April 2010 um 10:06:52
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Jahresendprämie ?
In der Ex-DDR gab es die sogenannte Jahresendprämie. War das Betriebs-ergebnis gut, dann gab es viel, wenn ganz schlecht,
dann auch ganz wenig oder gar nicht. Heute gibt es Lohnerhöhungen je nach Tariflaufzeit um x,xx Prozent. Wenn dann das Firmenergebnis schlecht ist, muß trotzdem der vereinbarte Lohn gezahlt werden - und wenn Insolvenz kommt, gibt es das große Heulen. Ich denke: Gaaanz, ganz moderate Lohnerhöhungen und lieber jährliche Einmalzahlungen entsprechend des Betriebsergebnisses.
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Dr. Proctor schrieb:
am 22. April 2010 um 10:03:04
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Wieder ein Schlag in Gesicht!
Wieder werden ein paar Brosamen in die Menge geworfen!
Wann endlich wird man für seine Leistung in Deutschland
bezahlt?
Nach der Trickserei mit der Kurzarbeit, geht es den Chemiefirmen wieder blendend.
Und wo sind die ganzen Millarden, die ind den Jahrzenten zuvor erwirtschaftet wurden?
Haben sich wohl in Luft aufgelöst!
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