15.02.2010, 12:36 Uhr | dpa-tmn / t-online.de/business
Teilnehmer von Team-Events wie Canyoning sind nicht automatisch unfallversichert. (Foto: Imago)
Auf dem Abenteuerpfad mit dem Chef: "Teambuilding"-Maßnahmen sollen die Kollegen zusammenschweißen und können ein Riesenspaß für alle werden - oder auch fatale Folgen haben. Denn bei Extremsport-Events während eines Team-Meetings sind die Teilnehmer nicht gesetzlich unfallversichert. Das entschied das Hessische Landessozialgericht (Az.: L 3 U 249/08).
In dem Fall hatte die Abteilungsleiterin eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens ihre Mitarbeiter zu einer "betrieblichen Motivationsveranstaltung" eingeladen. Zum Programm gehörte eine Canyoning-Tour. Dabei durchquerten die Teilnehmer kletternd, springend, schwimmend und tauchend eine Schlucht, wie die Deutsche Anwaltauskunft mitteilt. Mehrere Mitarbeiter verletzten sich dabei zum Teil schwer.
Die Berufsgenossenschaft lehnte den Antrag der ebenfalls verletzten Abteilungsleiterin auf Entschädigung ab. Sportliche Aktivitäten gehörten nicht zu ihren arbeitsvertraglichen Pflichten. Die Frau argumentierte, dass ihr Arbeitgeber die Teilnahme an einem solchen Sportprogramm erwarte. Die Richter sahen es aber wie die Berufsgenossenschaft. Nur weil das Unternehmen die Veranstaltung organisiert und finanziert habe, sei die Teilnahme nicht automatisch versichert.
Die Veranstaltung sei ungeeignet gewesen, die Verbundenheit zwischen Kollegen untereinander und den Vorgesetzten zu fördern. An der Canyoning-Tour hätten außerdem nicht alle teilnehmen können, weil diese besondere Anforderungen an die Fitness gestellt habe. Es sei deshalb keine Gemeinschaftsveranstaltung gewesen.
Im Übrigen stärken auch weniger abenteuerliche Unternehmungen das Gemeinschaftsgefühl der Kollegen. Hoch im Kurs stehen Experten zufolge bei Unternehmen zum Beispiel Kochkurse. Vor allem kochen à la Haute Cuisine ist demnach angesagt. Wenn es nach dem Kochen allen gemeinsam am Tisch schmeckt, wird so ein Kochabend allen positiv in Erinnerung bleiben.
Wichtig für erfolgreiches Teambuilding ist es, den Alltag wirklich hinter sich zu lassen, erläutert Sozialpädagoge Ronny Bauer auf monster.de. "Wer als Chef so ein Treffen beispielsweise noch zu einem längeren Vortrag über die geplante Neustruktur der Firma nutzt, überfährt nur die Mitarbeiter, die sich damit unwohl fühlen." Ebenso könnten erzwungene Team-Aktivitäten Konflikte eher noch verstärken, anstatt das Team näher zusammenzubringen.
Damit die Mitarbeiter beim Teamevent positive Erfahrungen machen können, sollten die Teilnehmer also wenigstens einigermaßen miteinander auskommen. Chefs sollten das im Vorfeld bedenken. Bei tiefgreifenden Problemen unter den Mitarbeitern ist ein Teamevent nicht unbedingt die richtige Lösung. Dann sollte zunächst das Problem gelöst werden, etwa durch Gespräche mit den Betroffenen. Auch sollten Arbeitgeber vorab klären, welche Aktivitäten für ihr Team die richtigen sind. Wildwasser-Rafting oder Bungi-Jumping sind nicht jedermanns Sache.
dpa-tmn / t-online.de/business
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