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Teuerste Goldmünze der Welt gibt noch immer Rätsel auf

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Teuerste Goldmünze der Welt gibt noch immer Rätsel auf

11.09.2011, 10:14 Uhr | Financial Times Deutschland

Die US-Goldmünze mit ihrem Nennwert von 20 Dollar und ihrem Marktwert von 7,6 Millionen Dollar ist die teuerste Münze der Welt. Ausgestellt ist sie in der Lobby der New Yorker Niederlassung der US-Notenbank Fed. Dort liegt die Münze in der Vitrine 18E hinter Panzerglas, abgesichert durch eine Alarmanlage und bewacht von bewaffnetem Sicherheitspersonal.

Das Besondere an der vom Bildhauer Augustus Saint-Gaudens im Jahre 1907 entworfenen Münze, auf deren Vorderseite Liberty, eine Anspielung an die griechische Göttin der Freiheit, und auf deren Rückseite ein Weißkopfseeadler vor dem Hintergrund einer aufgehenden Sonne zu sehen sind, ist der Prägejahrgang 1933.

"Der 1933er Double Eagle ist eine der faszinierendsten Münzen, die es je gab", sagt Jay Brahin. "Es ist ein absoluter Sonderfall. Die Münzen hätten nicht geprägt werden sollen, aber sie wurden hergestellt. Dann hätten sie nicht im Umlauf kommen sollen, aber genau das geschah in einigen Fällen. Eine der ungeklärten Geheimnisse ist, warum die Regierung so scharf auf die Münzen ist", sagt der Anlageberater aus Philadelphia, dem Ort der Prägung im Jahr 1933, und selbst seit Kindertagen passionierter Münzsammler.

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Am 4. März 1933 wurde Franklin Roosevelt mitten in der Weltwirtschaftskrise als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Tausende Banken waren bereits bankrott gegangen. Viele Amerikaner hatten panisch Spareinlagen abgezogen und auch das Gold aus den Tresoren der Banken geholt. Vor dem Hintergrund der sinkenden Goldvorräte zeichnete sich die Zahlungsunfähigkeit der USA ab. In dieser Lage verfügte Roosevelt mit dem Erlass 6.102 vom 5. April, dass Amerikaner nicht länger Gold horten dürfen und ihre Goldmünzen gegen Papiergeld umtauschen mussten.

Münzen kamen nicht mehr in Umlauf

Bis Mai 1933 hatte die Münzprägeanstalt in Philadelphia bereits 445.500 Goldmünzen gefertigt. Als nun der Erlass seine Wirkung entfaltete, wurden diese Münzen nicht mehr in den Umlauf gegeben. Mit einem Gewicht von rund 15 Tonnen Gold wanderten die Münzen des Prägejahrs in 1780 Leinenbeuteln säuberlich verpackt und versiegelt in den Tresor ‘F1' der Münzanstalt in Philadelphia, wo sie hinter drei Stahltüren verwahrt wurden.

Lediglich zwei Münzen gingen an die staatliche Münzsammlung der Smithsonian Institution in der Hauptstadt Washington. Diese beiden Münzen existieren. Da sie aber nie in Umlauf gingen, gelten sie aus Sicht der staatlichen Münzprägestätte nicht als gesetzliche Zahlungsmittel, sondern als Sammlermünzen, sagt David N. Redden, Auktionator bei Sotheby's, der die einzige Double Eagle 1933 je versteigert hat.

Redden erinnert sich an die Auktion in New York am 30. Juli 2002 um 6 Uhr abends. Die Münze lag in einem kugelsicheren Tresor vor dem Auktionator. Der Raum war voller Menschen, aufgrund des Andrangs hatte man alle Stühle hinaus geräumt. Der Direktor der staatlichen Münze war anwesend. Redden eröffnete die Auktion beim Ausrufungspreis von 2,5 Mio. Dollar. Sechs Minuten später war die Auktion beim Zuschlag von 6,6 Millionen Dollar und 15 Prozent Aufgeld an einen anonymen Käufer vorüber. Das war mehr als das Doppelte, das bisher je für eine Münze bezahlt worden war.

Nach der Auktion wurde es spannend

Das eigentlich Kuriose begann aber unmittelbar nach Ende der Auktion. Henrietta Holsman Fore, Direktorin der staatlichen Münze, erklärte die Münze in einer Zeremonie zum gesetzlichen Zahlungsmittel. "Damit die Münze Zahlungsmittel wird, muss jemand 20 Dollar zahlen", erinnert sich Auktionator Redden. "Also stieg ich vom Podium herab und gab ihr 20 Dollar".

Der Käufer, nach Angaben des Auktionators, ein Amerikaner der nur an dieser einen Münze interessiert war, nahm sie nie nach Hause, sondern gab sie als Leihgabe der amerikanischen numismatischen Gesellschaft, die sie wiederum als Dauerleihgabe der New Yorker Fed überließ - wo sie seither ausgestellt ist.

Spannend ist auch der Weg dieses Double Eagle 1933 aus der Prägeanstalt in den Auktionssaal. Im Januar 1934 hatte der US-Kongress das Gesetz zu den Goldreserven beschlossen. Der US-Präsident hatte praktisch freie Hand, das von der Notenbank gehaltenen Gold zu verstaatlichen und den Preis je Unze anzuheben. Das wiederum entsprach einer De-facto-Abwertung des Dollars, ein erwünschter Schritt zur Belebung der Wirtschaft.

Bei der staatlichen Münzprägeanstalt wurde in der Folge die Vorgabe ausgegeben, alle Goldmünzen des Landes in Barren zu verschmelzen. Die Barren sollten in dem neu errichteten Tresor in Fort Knox aufbewahrt werden. Das Unterfangen hatte solche Ausmaße, dass die Münzprägeanstalt in Philadelphia erst Anfang 1937 ihre Münzen im Wert von 50 Millionen Dollar zum Einschmelzen lieferte, darunter die Double Eagles des Jahrgangs 1933.

In diesen Jahren bot Israel Witt, ein Gold- und Juwelenhändler aus Philadelphia, mehrere Double Eagles aus dem Prägejahr 1933 einigen der prominentesten Goldhändlern und - Sammlern in den USA an. Das geht aus Unterlagen hervor, die der amerikanische Geheimdienst seither veröffentlicht hat.

Eine Münze auf Reisen

Switt verkaufte eine davon - jene, die nun in der New Yorker Fed Niederlassung ausgestellt ist, an einen Händler aus Texas, der wiederum sie dem ägyptischen König Farouk für 1575 Dollar verkaufte. Ein Vertreter des Königs in den Vereinigten Staaten beantragte für die Münze eine Exportgenehmigung und - der Finanzminister gab am 29. Februar 1944 grünes Licht, ohne dass der Geheimdienst der USA davon wusste. Über mehrere Stationen landete diese Münze schließlich 2002 wieder in New York, wo sie von Sotheby's versteigert wurde.

"Die Regierung ist wie verrückt, all diese Münzen zu bekommen und zu vernichten", sagt Robert W. Hoge, Kurator für nordamerikanische Münzen und Noten bei der amerikanischen numismatischen Gesellschaft. "Sie sind berühmt, weil die Regierung seit den 1940er-Jahren hinter ihnen her ist", sagt Hoge weiter.

Fachleute vermuten allerdings, dass es noch weitere 1933er Double Eagles gibt, die nicht eingeschmolzen wurden. "Es ist nicht unmöglich, dass es noch weitere Exemplare gibt. Ich habe sie nicht gesehen. Aber es würde mich nicht überraschen", sagt Hoge.


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Quelle: Financial Times Deutschland

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