
03.10.2011, 13:58 Uhr | Spiegel Online
Die deutschen Geldinstitute geraten in die Kritik: Verbraucherschützer werfen den Banken vor, ihre Kunden beim Kampf gegen Schulden falsch zu beraten. Wer einen teuren Dispokredit in einen günstigen Ratenkredit umwandeln will, bekommt oft eine Abfuhr - mit fadenscheinigen Argumenten.
Wer sein Konto dauerhaft überzieht, muss dafür hohe Gebühren zahlen: Rund zwölf Prozent Zinsen nehmen die meisten Banken für Dispositionskredite. Eigentlich soll der Dispo helfen, kleinere finanzielle Engpässe zu überbrücken. Doch laut einer aktuellen Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) geben die befragten Schuldnerberater an, dass über 90 Prozent der Ratsuchenden ihr Girokonto länger als zwölf Monate überziehen. Und nicht nur um Kleckerbeträge: Vier von zehn Betroffenen sind mit 3000 Euro und mehr im Minus.
Um nicht an horrenden Zinsen zu ersticken, könnten die Schuldner auf günstigere Ratenkredite umschulden - theoretisch. Praktisch funktioniert das aber selten: Die Verbraucherzentrale bemängelt, dass in 70 Prozent der untersuchten Fälle die Banken die Umschuldungswünsche ihrer Kunden ignorieren oder ablehnen.
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Als Begründung geben sie häufig ein zu niedriges Einkommen oder fehlende Kreditwürdigkeit an. "Das ist ein Ablenkungsmanöver, denn der Dispokredit wurde ja bereits eingeräumt", sagt Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Ein näherliegender Grund sei das Eigeninteresse der Bank, die am Dispokredit demnach doppelt so viel verdient wie am Ratenkredit.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Gelingt der Wechsel in einen Ratenkredit doch, stehen viele Schuldner noch schlechter da - in drei von vier Fällen, so die Verbraucherschützer. Der Grund: Die Banken verkaufen den Kunden bei der Umschuldung gern teure Zusatzverträge, vor allem Restschuldversicherungen, die die Kredite aufblähen. Besonders Banken, die bevorzugt Restschuldversicherungen verkaufen, seien oftmals zur Umschuldung bereit. Die Verbraucherzentrale fordert eine gesetzliche Pflicht für Banken, Kunden eine Umschuldung in einen zinsgünstigeren Ratenkredit anzubieten, wenn sie ihren Dispokredit länger als zwölf Monate voll ausschöpfen.
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In Deutschland sind zwischen drei und vier Millionen Haushalte verschuldet. Vielen von ihnen suchen Rat bei rund 1000 behördlich anerkannten Schuldnerberatungsstellen. 59 davon befragte die Verbraucherzentrale.
Den Zeitpunkt für die Untersuchung haben die Verbraucher gut gewählt: Am Mittwoch (21.09.) diskutieren die Abgeordneten auf einen Antrag der Grünen die Einführung eines Finanzmarktwächters - einer Interessenvertretung für Verbraucher auf den Finanzmärkten. Das ist laut einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bitter nötig: Sie hat ergeben, dass den Verbrauchern jährlich rund 20 Milliarden Euro Verluste durch falsche Finanzberatung entstehen.
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Quelle: Spiegel Online
Cossie schrieb:
am 20. September 2011 um 19:41:08
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Neunmalkluge
Diese Neunmalklugen,die immer so kluge Ratschläge bei der Hand haben,vergessen dabei,daß es nicht nur um den Dispo
geht,sondern ums Prinzip.Bei jeder Kleinigkeit wird der Bürger abgezockt.Dienstleistungen,die normalerweise frei sind,werden mit Gebühren belegt.Zinssenkungen werden nicht weitergegeben u.s.w.Anstelle sich bei den Bürgern in irgendeiner Form
für die Rettung erkenntlich zu zeigen,überlegen die,wo noch was rauszuholen ist.Solche Gauner müßte man mit dem Knüppel zum Teufel jagen.
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Lilo schrieb:
am 20. September 2011 um 19:29:49
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Bankster
@Bankster: das ist nicht das Verhalten von Banken bei "normalen" Kunden. Die Banken wollen verdienen, und so verhalten sie
sich nur, wenn sie keine Verdienstmöglichkeiten mehr sehen. D. h., so reagieren die nur, wenn man sich an keine Vereinbarungen hält, Kontopfändungen vorkommen und sonstige negative Dinge passieren. Der Einzug der EC-Karte sagt eigentlich alles. Ich würde mal über mein eigenes Verhalten nachdenken.
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Banker schrieb:
am 20. September 2011 um 19:21:16
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an die Frau Kollegin als Bankangestellte
Deine Aussage ist reine Theorie. Auch bei sehr guter Planung braucht man manchmal doch den Dispo.
Kurze Zeit nach der Inanspruchnahme war das Auto der Tochter kaputt und die Studentenbude musste eingerichtet werden. Der Dispo hat mir geholfen aber eine Umwandlung in einen Ratenkredit gab es nicht, obwohl ich selbst Banker bin. Liebe Kollegin sei mal ganz ehrlich. Es ist doch tatsächlich so wie im Artikel beschrieben. Obwohl ich kein Abzocker bin, muss ich mich doch den Vorstands-Vorgaben beugen.
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