Härtere Zeiten für Thomas CookSparkurs bei Thomas Cook: Der in finanziellen Problemen steckende britische Reisekonzern will vorerst keine Dividende mehr zahlen. Solange die Bilanz nicht besser aussehe, erhalten die Aktionäre keine direkten Ausschüttungen mehr, wie das Unternehmen in Peterborough mitteilte. Die versprochene Zwischendividende von 3,75 Pence (4,31124 Eurocent) je Aktie soll aber noch am 7. Oktober überwiesen werden. Die in den vergangenen Monaten schon kräftig gebeutelte Aktie reagierte positiv auf die Nachricht.
Sorgen bereitet dem Management des TUI-Konkurrenten das Jahresende, an dem die Barmittel bei Reisekonzernen besonders niedrig sind. Um Engpässe zu diesem Zeitpunkt zu vermeiden, gebe es derzeit intensive Gespräche mit den Banken. Mit einer Lösung sei in Kürze zu rechnen.
Der Mittelzufluss sei im Sommer unter anderem wegen geringerer Investitionen stark gewesen, betonte das hoch verschuldete Unternehmen in seiner Interimsmitteilung. Bei den bereits angekündigten Spartenverkäufen, die bis zu 200 Millionen Pfund in die leeren Kassen spülen sollen, gebe es Fortschritte. Bis Ende Dezember sollen so bereits 40 Millionen Pfund zusammenkommen.
Ergebnis wohl wie erwartet
Für das an diesem Freitag zu Ende gehende Geschäftsjahr kündigte Thomas Cook ein Ergebnis im "Rahmen der Markterwartungen" an. Im Juli hatte das Unternehmen seine Prognose gesenkt. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn soll von zuletzt 362 Millionen auf 320 Millionen Pfund sinken. Nach dem Kurseinbruch musste der langjährige Chef, Manny Fontenla-Novoa, Anfang August gehen.
Im Juli und August sei das Geschäft im Rahmen der Erwartungen gelaufen. Unerwartet große Probleme gab es dann aber im September. Vor allem französische Reisende hätten sich angesichts der Revolutionen in den von ihnen besonders geschätzten Urlaubsländern des Nahen Ostens und in Nordafrika weiter zurückgehalten. Auch die britischen Kunden sparen immer noch beim Urlaub, weshalb der Konzern bereits einen Umbau eingeleitet hat.
Condor schlägt sich wacker
Für die Wintersaison senkt Thomas Cook seine Kapazitäten für britische und französische Kunden. Dagegen stockt das Unternehmen Angebote für Reisende aus Zentraleuropa, wozu auch das Deutschland-Geschäft mit Neckermann und Bucher gehört, auf. Die Buchungen liegen aber bislang noch unter den Erwartungen. Die erzielten Preise allerdings legen auch dank einer gestiegenen Nachfrage nach Fernreisen zu. Gut läuft das Geschäft der zum Konzern gehörenden deutschen Fluggesellschaft Condor. Die Buchungszahlen liegen 26 Prozent über dem Vorjahreswert.
Die Börse applaudiert
Die Thomas-Cook-Aktie, die in diesem Jahr mehr als drei Viertel ihres Wertes verlor, reagierte zumindest am Donnerstag positiv und legte in London bis zum Nachmittag rund acht Prozent auf fast 40 britische Pence zu.
Die WestLB hat das Kursziel für Thomas Cook nach aktuellen Buchungsstatistiken von 77,00 auf 44,00 Pence gesenkt, aber die Einstufung auf "Add" belassen. Die Buchungszahlen des Touristikkonzerns für die Wintersaison seien erwartungsgemäß schwach ausgefallen und dürften somit nicht als Kurstreiber fungieren, schrieb Analyst Raimon Kaufeld. Wegen der angegriffenen Finanzlage von Thomas Cook sowie der generell gesunkenen Bewertungsmultiplikatoren für Reiseveranstalter habe er das Ziel reduziert. Allerdings sei die Aktie auf dem gegenwärtig niedrigen Niveau attraktiv bewertet, begründete der Experte sein unverändert positives Votum.