Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook will Öger Tours kaufen (Foto: imago)Europas zweitgrößter ReisekonzernThomas Cook will einem Pressebericht zufolge den Konkurrenten Öger Tours übernehmen. Die Unternehmen verhandelten bereits über Details, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf mehrere beteiligte Personen. Ein Abschluss sei von beiden Parteien für das erste Quartal 2010 geplant. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hätten im Auftrag von Thomas Cook bereits die Öger-Bücher geprüft. Strittig ist laut "FTD" aber noch der Preis.
Thomas Cook macht Strategie wahr
Mit einer Übernahme würde Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa seine Ankündigung wahr machen, die Konzentration der Anbieter auch in Deutschland voranzutreiben. Erst Anfang der Woche hatte er gesagt, bei Zukäufen liege der Fokus zwar auf China und Russland; da Deutschland der größte Markt in Europa ist, sei es jedoch "sehr, sehr wichtig", auch hier zu investieren.
Zuletzt ein Umsatz von 770 Millionen Euro
Auf der anderen Seite hatte Öger-Tours-Chef Vural Öger schon mehrfach versucht, das vor 40 Jahren von ihm gegründete Unternehmen zu verkaufen. Er hatte aber letztlich immer einen zu hohen Kaufpreis verlangt. Zwar ist der Hamburger Reiseveranstalter mit 3100 Beschäftigten und einem Umsatz von zuletzt rund 770 Millionen Euro die Nummer sechs unter den deutschen Veranstaltern. Allerdings waren die Gewinne zuletzt laut Zeitung rückläufig, so dass Öger nach den üblichen Methoden der Kaufpreisermittlung selbst nur ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag zufließen würde. Der 67-jährige Öger argumentiere daher stark mit dem Wert seiner Marke und etwaigen Synergieeffekten, um einen höheren Preis herauszuschlagen, heißt es der Zeitung zufolge in der Branche.
Verkauf an russischen Oligarchen gescheitert
Erst vor einem Jahr hatte Öger versucht, sein Unternehmen an den russischen Oligarchen Alexander Lebedew zu verkaufen. Obwohl es bereits einen notariellen Vertrag gab, ließ der Russe nach Angaben des Firmengründers zweimal eine Zahlungsfrist verstreichen. Zuvor hatte Lebedew sich beschwert, dass deutsche Banken ihm im Zuge der Finanzkrise keine Kredite mehr gewähren würden. Der Investor sollte damals für rund 120 Millionen Euro 76 Prozent an dem Hamburger Unternehmen sowie eine Option auf die übrigen Anteile erhalten, schreibt die "FTD" unter Berufung auf russische Quellen.