ThyssenKrupp trennt sich offenbar von den Emdener Nordseewerken (Foto: imago)Die Werften-Holding ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) stellt nach Angaben der IG Metall Küste am Standort Emden den Schiffbau ein und verkauft die Nordseewerke an den Windanlagenhersteller Siag Schaaf. Der geplante Verkauf des Unternehmensbereichs HDW-Gaarden (Überwasserschiffbau) in Kiel an die Bremerhavener Rönner-Gruppe sei dagegen vom Tisch; die Suche nach Partnern gehe aber weiter, geht aus einer Gewerkschaftsmitteilung hervor. Auch auf Arbeitgeberseite habe es Kritik an dem Übernahmekonzept von Rönner gegeben, berichtete der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Heino Bade nach der Sitzung des Gremiums. Der Bezirkssekretär ist Schiffbauexperte der Gewerkschaft.
VW, Daimler und Lidl - Deutschlands große Unternehmen Spielen Sie die DAX-Konzerne gegeneinander aus - DAX_Quartett Video - Lichtblick für die Stahlbranche
Gewerkschaft protestiert gegen Pläne
Auf den Werften arbeiten mehr als 5200 Beschäftigte. Sie hatten mehrfach gegen eine Zerschlagung der Betriebe protestiert. Die IG Metall Küste befürchtet, dass sich TKMS auf den Bau von U-Booten und Marineschiffen ausrichtet und in der Kapazitätsauslastung abhängig von Regierungsaufträgen wird. TKMS werde ein reiner Rüstungskonzern, kritisierte die Bezirksleiterin, Jutta Blankau.
Erfolgloser Widerstand der Beschäftigten
"Das ist ein schwerer Schlag für den Schiffbau in Norddeutschland", sagte Blankau zur Emden-Entscheidung. Die Tochter von ThyssenKrupp habe sich über den Widerstand der Beschäftigten und die Einwände der niedersächsischen Landesregierung einfach hinweggesetzt. Auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten den Verkauf geschlossen abgelehnt, berichtete Bade. Der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Berlien habe sein Doppelstimmrecht genutzt.
HDW-Mitarbeiter zittern
Bei der Howaldtswerke Deutsche Werft AG in Kiel geht die Zitterpartie für die Mitarbeiter der Gesellschaft Gaarden trotz des abgesagten Verkaufs weiter. Die Geschäftsleitung wolle 180 Entlassungen gegen den Willen von Betriebsrat und IG Metall durchsetzen. Diese Zahl an Mitarbeitern hätte zu Rönner wechseln sollen. Zu Blohm + Voss in Hamburg mit seinem Yachtbau und Reparaturbetrieb wurden keinen weiteren Angaben gemacht.
Hohe Verluste erwartet
Dem Bericht zufolge rechnet TKMS intern mit Einmalaufwendungen von nahezu 200 Millionen Euro. Einschließlich weiterer Restrukturierungskosten und Einmalkosten, die unter anderem die Kündigung von U-Bootaufträgen in Griechenland betreffen, erwartet der Werftenverbund im zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2008/09 (30. September) dem Vernehmen nach einen Verlust von 500 Millionen Euro. Darin seien operative Verluste von rund 100 Millionen Euro enthalten. Im Geschäftsjahr 2009/10 soll sich die Ertragslage zwar deutlich verbessern, wegen der fortgesetzten Unterauslastung wird intern jedoch immer noch mit einem Fehlbetrag in zweistelliger Millionenhöhe gerechnet. In zwei Jahren, also 2010/11, solle TKMS dann ein zumindest ausgeglichenes Ergebnis schaffen.