Hauptverwaltung von ThyssenKrupp in Duisburg (Foto: dpa)Der Stahl- und Industriekonzern ThyssenKrupp hat seine dramatische Talfahrt gestoppt und nach drei verlustreichen Quartalen in Folge einen überraschend hohen Gewinn erzielt. Vor Steuern verdiente das Unternehmen zum Beginn des neuen Geschäftsjahres 2009/2010 (September 2010) 313 Millionen Euro. Das war ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie der im DAX notierte Konzern in Düsseldorf mitteilte. Analysten hatten lediglich mit einem Vorsteuergewinn von rund 100 Millionen Euro gerechnet. Die Börse reagierte euphorisch. Die ThyssenKrupp-Aktie legte zum Handelsauftakt um mehr als vier Prozent zu.
Video - ETF-Rohstoffe Video - VW Großes Ranking -Die wertvollsten Konzerne weltweit Ranking - Umsatzstärkste Unternehmen Deutschlands
ThyssenKrupp setzt höhere Preise durch
Der Konzern führte den selbst nicht in dieser Höhe erwarteten Gewinn auf höhere Preise in einigen Sparten, die massiven Sparanstrengungen sowie positive Sondereffekte zurück. So verbesserte sich das Vorsteuerergebnis durch den Verkauf der Industrieservice-Sparte und der US-Gerüstbautochter Safway um 76 Millionen Euro. Bereinigt um diese Einmaleffekte lag der Vorsteuergewinn bei 237 Millionen Euro und damit fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis. In den vergangenen drei Quartalen hatte ThyssenKrupp wegen der Wirtschaftskrise jeweils einen riesigen Verlust hinnehmen müssen, der sich im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. September) auf fast 2,4 Milliarden Euro summierte. Es war der erste Verlust seit der Fusion der Traditionsunternehmen Thyssen und Krupp 1999.
Drei von acht Sparten im Minus
Lediglich drei der acht Geschäftsfelder wiesen im ersten Geschäftsquartal einen Verlust aus. Das war neben der nord- und südamerikanischen Stahlsparte sowie dem Schiffbau immer noch der Edelstahlsektor. Vor allem das europäische Stahlsegment zeigte sich den Angaben zufolge in deutlich stabilerer Verfassung. Während auch die Edelstahlsparte in den kommenden Quartalen wieder profitabel arbeiten soll, wird sich der Verlust in Amerika in der zweiten Jahreshälfte deutlich erhöhen. Dann werden die mit Milliarden-Aufwand gebauten Stahlwerke in Brasilien und den USA hochgefahren. Sie sollen nach früheren Angaben in drei bis fünf Jahren Gewinne abwerfen. Aus dem Schiffbau will ThyssenKrupp hingegen weitgehend aussteigen.
Auftragsflaute zum Jahresende
Das Geschäft selbst belebte sich von Oktober bis Dezember noch nicht. So sank der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro und lag damit auch unter dem Wert des Vorquartals. Der Auftragseingang ging sogar um 28 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro zurück. Während es im frühzyklischen Flachstahl-Geschäft wieder deutliche Zuwächse gab - hier spielt die Erholung im Automobil-Sektor eine Rolle - sanken die Bestellungen für Aufzüge und Rolltreppe, im Anlagenbau und bei den Werften. Im Vergleich zu den Vorquartalen zeichne sich aber insgesamt eine Stabilisierung ab, hieß es im Quartalsbericht.
ThyssenKrupp bekräftigt seine Prognose
Der Konzern bekräftigte sein Ziel, auch das Gesamtjahr wieder mit einem Gewinn abzuschließen. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Steuern rechnet ThyssenKrupp unverändert mit einem Gewinn in "niedriger" dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Der Gewinn des ersten Quartals stärke seine Zuversicht, sagte Konzernchef Ekkehard Schulz. Er bleibe aber vorsichtig, weil die Erholung der Wirtschaft noch fragil sei. Der Umsatz soll sich stabilisieren, als Ziel hat der Konzern den Wert des vergangenen Geschäftsjahres von 40,6 Milliarden Euro ausgegeben.
Bald wieder Vorkrisen-Niveau
"Mittelfristig" strebt ThyssenKrupp die Rückkehr auf den Vorkrisen-Wachstumskurs an. Dann soll der Umsatz auf 50 bis 60 Milliarden Euro, das Vorsteuerergebnis auf mehr als vier Milliarden Euro steigen. Zuletzt hatte Schulz dafür das Jahr 2014/15 angegeben.
Analysten-Erwartungen übertroffen
Cheuvreux-Analyst Alexander Haissl sah seine eigenen sowie die Markterwartungen ebenfalls deutlich übertroffen. Vor allem im US-Geschäft habe der Stahlkonzern die Verluste deutlich eingedämmt, hob Haissl hervor. Die Nettoverschuldung war nach dem ersten Quartal ebenfalls niedriger als von ihm prognostiziert. Er bleibe aber bei seiner "Underperform"-Einstufung mit Kursziel 20,50 Euro, da er vor allem mit Blick auf das zweite Halbjahr 2010 von sehr herausfordernden Marktbedingungen für den Stahlsektor ausgehe.
Konservativer Ausblick
Commerzbank-Analyst Dirk Nettling bestätigte in einem ersten Kommentar, dass der Vorsteuergewinn die Erwartungen deutlich übertroffen habe. Der bestätigte Ausblick für das laufende Geschäftsjahr wirke vor diesem Hintergrund etwas konservativ. Nettling bewertet das Papier mit "Buy" und dem Ziel 31 Euro.