28.04.2010, 08:13 Uhr | FTD, Gregor Kessler
Im Ranking der wertvollsten Marken der Welt dominieren ganz klar IT-Unternehmen. (Foto: Archiv, Montage: t-online.de)
Im Ranking der weltweit wertvollsten Marken verdrängen Technologiefirmen zunehmend die klassischen Industrievertreter von der Spitze. Erstmals werden die ersten vier Plätze in der Brandz-Top-100-Liste zu den wertvollsten Marken von Computer- und Softwarekonzernen belegt.
Die Markenikone Coca-Cola fiel in dem Ranking, das am Mittwoch vorgestellt wird und der FTD exklusiv vorliegt, um zwei Plätze auf Rang fünf zurück. Das größte absolute Wachstum weisen mit jeweils etwa 20 Milliarden Euro IBM und Apple auf, die damit auf Platz zwei und drei kletterten. An der Spitze rangiert wie schon in den vergangenen vier Jahren mit 114 Milliarden US-Dollar der Internetkonzern Google , auf Platz vier der Softwarekonzern Microsoft.
Die Brandz Top 100 werden seit 2006 von Millward Brown veröffentlicht. Das US-Marktforschungsunternehmen befragt über eine Million Verbraucher in 31 Ländern und wertet die Finanzdaten Tausender Unternehmen aus.
Deutsche Marken unter den Top 100 | ||
Unternehmen | Wert in | aktueller Rang |
SAP | 24,3 | 21 |
BMW | 21,8 | 25 |
Mercedes | 13,7 | 53 |
T-Mobile | 13,0 | 55 |
Porsche | 12,0 | 65 |
Siemens | 9,3 | 77 |
Aldi | 8,7 | 83 |
Der Gesamtwert der 100 führenden Marken wuchs demnach im vergangenen Jahr mit vier Prozent auf nun 2040 Milliarden US-Dollar. Damit erholen sich die Markenwerte langsam wieder vom Krisenschock: Im 2009er-Ranking war das Wachstum von zuvor 21 Prozent auf nur noch zwei Prozent geschrumpft. Einen stärkeren Anstieg verhinderte dieses Mal vor allem die Automobilindustrie, die wie im vergangenen Jahr zu den Branchenverlierern gehört.
Bernd Büchner, Deutschlandchef von Millward Brown, erklärte das gute Abschneiden der Technologiemarken mit ihrer Aufstellung: "Diese Marken haben die Wirtschaftskrise gut überstanden, weil sie sowohl im Geschäfts- als auch im Privatleben vieler Menschen tief verwurzelt sind."
Besonders erfolgreich ist dies Apple gelungen. In den vergangenen Jahren hat kaum ein Unternehmen in der Brandz-Liste einen rasanteren Wertzuwachs absolviert. 2006 rangierte der Computer- und Handyhersteller noch mit einem Wert von knapp 16 Milliarden US-Dollar auf Platz 29, 2010 beträgt sein Markenwert schon gut 83 Milliarden US-Dollar.
Nachdem das Ranking bislang von Marken aus Industrieländern dominiert wurde, drängen nun auch Namen aus den Wachstumsmärkten nach vorn. So waren die Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China 2006 mit lediglich einer Marke in den Top 100 vertreten. 2010 sind es schon 13. Erstmals ist dieses Jahr eine indische Marke vertreten: Die Bank ICICI landete als Neueinsteiger auf Rang 45.
Überraschende Entwicklungen zeigen sich beim Blick auf die einzelnen Branchen. So legen ausgerechnet die Banken wieder zu: Im vergangenen Jahr waren sie zusammen mit den Autobauern noch die großen Verlierer, in diesem Jahr schnitten sie mit einem Plus von zwölf Prozent als relative Gewinner ab. Mit einem Markenwert von 43,9 Milliarden US-Dollar schrammte etwa die chinesische ICBC-Bank nur knapp an den Top Ten vorbei. Auch die Bierbranche, in den vergangenen Jahren zumeist mit Klagen über sinkende Nachfrage und politische Gängelungen aufgefallen, präsentiert sich im Brandz-Ranking als Gewinner. Um zehn Prozent legte der Wert der Biermarken zu - der zweitbeste Branchenwert. Allein die beiden wertvollsten Biermarken, Bud Light und Budweiser aus dem Sortiment des Marktführers AB-Inbev, steigerten ihren Wert jeweils zweistellig.
Wie schon 2009 bleiben die Automobilhersteller die Branche mit den größten Wertverlusten. Nachdem es bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Marken nicht mehr unter die Top 100 geschafft hatten, verlor die Branche in diesem Jahr erneut 15 Prozent an Markenwert.
Laut Bernd Büchner muss das keine Katastrophe sein, wie ein Blick auf die prestigeträchtigere Technologiebranche zeige: Der koreanische Handy-, Computer- und TV-Hersteller Samsung ist 2010 mit einem Sprung um 33 Rangplätze in die Top 100 zurückgekehrt. "Eine starke Marke kann auch wieder zurückkommen", sagt Büchner. Jedenfalls, wenn sie lange genug überlebt.
Anmerkung der Redaktion: Als einzige von sieben deutschen Marken, die es in die Rangliste schafften, konnte sich der Mobilfunkanbieter T-Mobile verbessern: Das Unternehmen gewann acht Ränge und landete auf Platz 55.
FTD, Gregor Kessler
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