TUI enttäuscht im ersten Quartal (Foto: ddp)Dem weltgrößten Reisekonzern TUI hat der Teilverkauf der Containerreederei Hapag-Lloyd in einem enttäuschenden ersten Quartal die Bilanz gerettet. Im operativen Geschäft verfehlte der Konzern hingegen deutlich die Erwartungen. Der Umsatz und der unbereinigte operative Gewinn gingen spürbar stärker zurück als von Experten erwartet. Für das Gesamtjahr kündigte der Vorstand zwar ein deutlich verbessertes Konzernergebnis an. Dabei setzen die TUI-Manager allerdings erneut weniger auf das operative Geschäft als auf den Milliardenerlös aus dem Hapag-Lloyd-Verkauf. #
Im ersten Quartal belief sich der den TUI-Aktionären zustehende Überschuss dank des mehrheitlichen Verkaufs von Hapag-Lloyd auf 553 Millionen Euro nach einem Verlust von 167 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt jedoch mit 583 Millionen Euro gerechnet. Der saisonbedingte Konzernverlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (EBITA) fiel mit 399 Millionen Euro allerdings um ein Drittel höher aus als im Vorjahr. Experten hatten im Schnitt ein Minus von 319 Millionen Euro erwartet. Der Umsatz, der fast vollständig aus dem Reisegeschäft stammt, schrumpfte um gut 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.
Delle im Tourismus
TUI begründete die Entwicklung mit dem fehlenden Ostergeschäft und politischen Unruhen in Thailand, auf Madagaskar und den französischen Antillen, die die Buchungen in Skandinavien und Frankreich belastetet hätten. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern von den frühen Osterferien profitiert, die in diesem Jahr ins zweite Jahresviertel fielen. Zudem belastete der Umbau der Veranstaltertochter TUI Travel das Ergebnis nun erneut mit 75 Millionen Euro. TUI Travel gehört zu 51 Prozent dem deutschen TUI-Konzern.
Optimismus im Reisegeschäft
In der Touristik sieht sich TUI trotz weiterhin rückläufiger Buchungszahlen auf Kurs. "Wir erwarten ein sehr gutes Sommergeschäft", sagte Finanzvorstand Feuerhake. So registriert das Unternehmen für den Sommer derzeit zwar 15 Prozent weniger Urlauber und 13 Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Allerdings wurden die Kapazitäten zuvor um 14 Prozent gekürzt. Preise und Auslastung lägen auf einem "hohen Niveau", hieß es. Von der Schweinegrippe erwartet der Vorstand keine massiven Belastungen. TUI Travel soll in diesem Jahr sogar ein leicht verbessertes Ergebnis abliefern.
Weniger Umsatz bei Hapag-Lloyd
Hart erwischte die Wirtschaftskrise die Container-Reederei Hapag-Lloyd. Die ehemalige TUI-Tochter, die nach ihrem Verkauf Ende März nur noch zu 43,33 Prozent zum Konzern gehört, verbuchte einen Umsatzrückgang von fast 23 Prozent. Rechnet man Sondereffekte wie den Verkaufserlös heraus, verbuchte die Sparte einen EBITA-Verlust von 222 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte hier noch ein Gewinn gestanden.
Düstere Zeiten im Welthandel
Die Aktie des MDAX-Konzerns reagierte mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. Zwischenzeitlich gab der Titel um acht Prozent auf 7,41Euro nach. Der Vorstand habe die Prognose für das Gesamtjahr zwar im Prinzip bestätigt, sagte ein Börsianer. Bei näherer Betrachtung jedoch erwiesen sich die Aussagen zur Containerschifffahrt als "schrecklich". In dieser Sparte rechnet der Vorstand 2009 wegen der Wirtschaftskrise hingegen mit einem "deutlichen Ergebnisrückgang". Ab dem zweiten Quartal dürfte Hapag-Lloyd deshalb auch das TUI-Ergebnis belasten.
TUI will jetzt sparen
Vorerst hat die Container-Reederei dem TUI-Konzern allerdings Luft bei den Finanzen verschafft: Die Nettoverschuldung des Konzerns sank seit dem Jahreswechsel von 4,1 auf 2,6 Milliarden Euro. Sie wäre noch stärker gesunken, hätte der Konzern seiner ehemaligen Tochter nicht mit einer 1,4 Milliarden Euro starken Kreditlinie unter die Arme greifen müssen. Jetzt will der Vorstand das Geld erst einmal zusammenhalten: TUI sei derzeit sehr vorsichtig, Geld für strategische Zwecke zu investieren, sagte Feuerhake. Zuvor war spekuliert worden, der Konzern wolle seiner Tochter TUI Travel das Zentraleuropageschäft abkaufen.