08.05.2008, 17:34 Uhr | dpa / T-Online
Norbert Hansen - geht von der Transnet zur Bahn (Foto: imago) Der langjährige Chef der Bahn-Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, ist zurückgetreten. Grund: Er wechselt kurz vor dem geplanten Börsengang ins Management der Deutschen Bahn AG. Der 55-Jährige sagte, er habe seine Bereitschaft erklärt, Arbeitsdirektor zu werden. Die Bahn äußerte sich auf Anfrage nicht. Kritik kam aus der SPD. Der Aufsichtsrat des bislang bundeseigenen Konzerns kommt am Donnerstag nächster Woche zusammen, um den geplanten Börsengang in die Wege zu leiten.
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Gefragt von Bahn und Politik
"Ich bin vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG und aus Kreisen der Politik gefragt worden, ob ich als Arbeitsdirektor zur Verfügung stehen würde", sagte Hansen. Dazu sei er bereit. Der Transnet-Vorstand habe seine Entscheidung begrüßt und werde die Ernennung durch den Aufsichtsrat der Bahn unterstützen. An diesem Freitag sollen die Spitzengremien der Gewerkschaft über die Nachfolge Hansens beraten. Hansen war seit 1999 Vorsitzender der größten der drei Bahn-Gewerkschaften.
Zuständigkeit des Arbeitsdirektors noch unklar
Unklar war vorerst, ob Hansen bei einem Wechsel für den Bahn-Mutterkonzern oder für die noch zu bildende neue Gesellschaft für den Personen- und Güterverkehr tätig werden soll. Diese soll zu 24,9 Prozent an private Investoren verkauft werden, wie die große Koalition beschlossen hatte. Personalvorstand im Konzern ist derzeit Margret Suckale.
Bahn verzichtet auf Entlassungen
Erst kürzlich hatten Hansen und der Chef der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, vom Bahnvorstand die Zusage erhalten, dass es in Zusammenhang mit der Privatisierung bis Ende 2023 keine Entlassungen geben wird. Hansen ist bisher auch stellvertretender Vorsitzender des Bahn-Aufsichtsrats, der von Evonik-Chef Werner Müller geleitet wird.
Kritik am Seitenwechsel des Gewerkschafters
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles rügte in der "Berliner Zeitung": "Dieser einmalige Vorgang wirft einen Schatten auf die gesamte Bahnreform." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen warf Hansen in der "Leipziger Volkszeitung" eine "gewisse Schamlosigkeit" vor, die dessen Rolle in der Debatte um die Bahnprivatisierung "in einem ganz bestimmten Licht" erscheinen lasse. Hansen selbst sagte dagegen der "Frankfurter Rundschau": "Die Unterstellung, ich hätte als Gewerkschaftschef aus persönlichen Motiven die Bahnreform unterstützt, ist aberwitzig."
Wird Hansen der Peter Hartz der Bahn?
Der Chef der Partei "Die Linke", Gregor Gysi sagte: "Was Hartz bei VW war, wird Hansen jetzt bei der Bahn." Dagegen zeigte sich Klaus-Dieter Hommel von der Konkurrenz-Gewerkschaft GDBA zuversichtlich, dass Hansen sich selbst treu bleiben werde: "Natürlich unterliegt ein Arbeitsdirektor als Repräsentant der DB AG gewissen Sachzwängen, wir gehen aber davon aus, dass das Herz von Norbert Hansen auch künftig für die Arbeitnehmer schlägt."
Gewerkschafter werden selten Manager
Direkte Wechsel führender Gewerkschafter in Chefetagen der deutschen Wirtschaft sind selten. Im Jahr 2001 war der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Herbert Mai, als Arbeitsdirektor zum größten deutschen Flughafenkonzern Fraport in Frankfurt gegangen.
Wechsel auch bei der GDL
Mit Hansens Wechsel bekommt innerhalb kurzer Zeit schon die zweite deutsche Bahn-Gewerkschaft einen neuen Vorsitzenden. Bei der kleinsten, aber mittlerweile fast bekanntesten Arbeitnehmervertretung der Bahn, der Lokführergewerkschaft GDL, war der Vorsitzende Manfred Schell am Dienstag in den Ruhestand gegangen. Nachfolger wurde sein Vize Claus Weselsky.
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Quelle: t-online.de
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