25.01.2011, 12:24 Uhr | Spiegel Online
Ölkonzerne wollen den Ölschatz im hohen Norden heben - doch das könnte teuer werden (Foto: imago)Internationale Ölkonzerne hoffen auf ein Milliardengeschäft mit Bohrungen in der Arktis. Doch die Förderung der Rohstoffe könnte teurer sein als erwartet. Das legen nach "Spiegel Online"-Informationen erste Berechnungen von US-Geologen nahe. Und dieses Beispiel: Zwei komplette Enttäuschungen und ein abgebrochener Bohrversuch - es war eine miese Bilanz. Als der schottische Konzern Cairn Energy im vergangenen Oktober die vorläufigen Ergebnisse seiner Ölsuche vor Grönland veröffentlichte, sackte der Aktienkurs der Firma an einem Tag um sieben Prozent ab. Noch nicht einmal eine Spur von Erfolg fand sich in den Ergebnissen. Im Gegenteil: Man werde Kosten in Höhe von 180 Millionen Euro abschreiben müssen, teilte Cairn mit.
Video - Mit ETFs in den Rohstoffmarkt investieren
Heizöl-Preise - Wann sollte man Heizöl kaufen?
Quiz - Was wissen Sie über das schwarze Gold?
Kennen Sie sich aus? - Rohstoffe
Mit besonders großem Interesse verfolgten Beobachter in den vergangenen Monaten Cairns Bohrversuch vor Grönlands Westküste. War es doch das erste Mal seit langer Zeit, dass sich in dem rauen Gebiet wieder jemand auf Ölsuche machte. Umweltschützer hatten prompt mit einer spektakulären Aktion gegen die Probebohrungen Front gemacht. Doch möglicherweise werden in naher Zukunft nicht mehr Öko-Aktivisten die schärfsten Kritiker der arktischen Öl- und Gasförderung sein, sondern die Controller in den Konzernzentralen.
Nach früheren Berechnungen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass in dem Gebiet im Prinzip rund 7,5 Milliarden Barrel Öl zu finden sein müssten - das entspricht 1,2 Billionen Litern. Allerdings steht die Angabe unter Vorbehalt. Statistisch sind ein Fund in dieser Höhe und ein kompletter Fehlschlag gleich wahrscheinlich. Doch im Grundsatz sind die geologischen Verhältnisse interessant - immerhin gibt es auf der anderen Seite der Grönlandsee, vor Norwegens Westküste, attraktive Reservoirs. Sie verschaffen der Regierung in Oslo seit Jahrzehnten Milliardeneinnahmen. Grönland hofft deswegen zumindest mittelfristig auf einen ähnlichen Boom.
Die Zahlen sind das Ergebnis statistischer Untersuchungen, also mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Doch die Tendenz ist klar: Nur ein Bruchteil der in der Arktis vermuteten Öl- und Gasvorkommen lässt sich überhaupt zu wirtschaftlich sinnvollen Kosten fördern. Diese Erfahrung haben bereits kanadische Konzerne gemacht. Nach großen Explorationsprogrammen in den Siebzigern versiegelten sie selbst aussichtsreiche Probebohrungen wieder - weil die Ausbeutung schlicht zu teuer gewesen wäre.
Und trotzdem zieht es die Konzerne mit Macht in die Arktis. Das liegt auch daran, dass gerade große Firmen in anderen Teilen der Welt Probleme haben, an neue Felder zu kommen. Diese werden stattdessen von nationalen Ölfirmen ausgebeutet, zum Beispiel PDVSA in Venezuela. Gerade haben sich der britische Ölriese BP und der russische Konzern Rosneft für eine arktische Allianz zusammengeschlossen. Ein Gemeinschaftsunternehmen soll schon bald in der Karasee vor der Küste Sibiriens nach interessanten Lagerstätten suchen.
Rosneft kündigte in der vergangenen Woche an, die ersten Probebohrungen in dem 125.000 Quadratkilometer messenden Prinowosemelsk-Gebiet könnten in vier Jahren beginnen. Eine Zusammenarbeit zwischen Rosneft und BP sei auch in anderen Gebieten der russischen Arktis denkbar.
Das Problem ist handfest: Gebiete wie die Karasee sind sieben bis acht Monate lang im Jahr mit Eis bedeckt. In Nordost-Grönland sieht es ähnlich aus. Fördertechnik, die hier längerfristig bestehen kann, haben die Ölriesen oft noch gar nicht. Und wie man nach Ölunfällen aufräumt, weiß auch niemand. Know How dazu gibt es bislang bestenfalls in Norwegen. Der Technologiekonzern Sintef hat ein spezielles Laboratorium auf der Arktisinsel Spitzbergen. Rosneft und BP wollen nun ein Forschungszentrum in St. Petersburg eröffnen, wo es aber vor allem um Fördertechnologie gehen dürfte.
Und so wird das Rennen in der Arktis wohl vorerst weitergehen. Konzerne wie Shell oder Statoil haben sich zum Beispiel Lizenzen vor Grönlands Westküste gesichert. Auch sie dürften in den kommenden Jahren Probebohrungen starten. Und auch Cairn hat offenbar noch nicht genug: Anfang des Monats kündigte die Firma an, man habe für diesen Sommer die Bohrinsel "Leiv Eiriksson" und das Bohrschiff "Ocean Rig Corcovado" gechartert. Mit ihrer Hilfe wolle man vor Grönland bis zu vier weitere Bohrungen in den Meeresboden fräsen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Quelle: Spiegel Online
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.
