06.08.2010, 09:30 Uhr | Spiegel-Online, Julia Kimmerle
Unternehmer Klaus Krinner und der Solarpark in Straßkirchen (Foto: Krinner, Montage: toi)
Klaus Krinner ist Landwirt, Christbaumständer-Erfinder und machte als Unternehmer ein Vermögen. Jetzt hat der 71-Jährige die größte Solaranlage Deutschlands errichtet - sie erstreckt sich über die Fläche von 190 Fußballfeldern.
Hinter den Maisfeldern glänzt es. "Fast wie ein See", sagt Klaus Krinner. Mit dem Geländewagen nimmt er Kurs auf den Silberstreif, der in der Sonne glitzert. Der Silberstreif ist kein See, sondern ein gigantischer Solarpark. Er liegt im niederbayerischen Straßkirchen, mit einer installierten Leistung von 54 Megawatt ist er die größte Photovoltaikanlage Deutschlands und die zweitgrößte der Welt. Insgesamt erstreckt sich der Solarpark über 135 Hektar - so viel wie 190 Fußballfelder.
Krinner ist Bauer, Erfinder, Unternehmer - und Solarfachmann. Er hat den Solarpark der Superlative auf die Beine gestellt und ist der ungekrönte "Sonnenkönig von Bayern". Auch wenn er das nicht gern hört. Wenn Krinner erklären soll, warum ein bayerischer Landwirt ins Solargeschäft eingestiegen ist, dann muss er etwas ausholen. In seinem Büro am Firmensitz der Krinner GmbH in Straßkirchen hängt eine große Luftaufnahme des Parks.
Vor 40 Jahren baute Krinner in der Gegend Erdbeeren an. Er war ein Landwirt, der den Hof der Eltern führte und schon früh erkannte, dass die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft wohl nicht mehr mit Getreide zu tun haben würde. Die Idee mit den Erdbeerfeldern war neu und einträglich. Kilometerlang standen die Autos vor seiner Einfahrt, erzählt er, so begehrt waren seine Früchte. Bis Billig-Erdbeeren aus dem Ausland dieses Geschäft immer unattraktiver machten.
Doch da hatte der heute 71-Jährige schon die nächste Idee: ein Christbaumständer, der funktioniert. "Der alte, des war ein Glump", sagt er. Ein treffender Ausdruck für etwas, das einfach nichts taugt. Nach vier Monaten Nachdenken kam ihm der Einfall zur "Rundum-Ein-Seil-Technik". Krinner ließ sich die Erfindung patentieren. Bis heute wurden über 13 Millionen Stück der Ständer verkauft, die wie große grüne Hundenäpfe aussehen und per Pedal zu bedienen sind.
Obwohl der Tüftler mittlerweile ein weltweit arbeitendes Unternehmen leitet und mit seinen Erfindungen Millionen umsetzt, sieht er sich als Landwirt. In seinem Firmenwagen liegt immer ein Paar Gummistiefel im Kofferraum. Krinners Motto: Immer nur in einfache Dinge investieren, die "gehen" und die "die Leut brauchen".
Insgesamt hat seine Firma mehr als hundert Patente angemeldet. Seine letzte Erfindung sind Schraubfundamente - überdimensionale Gewindedübel, manche mehrere Meter lang, aus Eisen oder Plastik, mit denen man von der Kinderschaukel bis zur Überlandleitung alles in kürzester Zeit im Boden befestigen kann.
Hinter der Lagerhalle der Firma liegt ein sportplatzgroßes Testgelände, mit Carports, Gartenzäunen, Werbeschildern, Fahnenstangen, Straßenlaternen und Autobahnschildern. Mit seinen Bodendübeln befestigt. Bis Krinner mit dieser Idee Erfolg hatte, dauerte es ein paar Jahre. Der Durchbruch kam Anfang des neuen Jahrtausends, als die rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Weg brachte. Denn seither boomt die Solarbranche - und mit den Schraubfundamenten lassen sich Solarpaneele in kurzer Zeit aufbauen.
Mittlerweile ist die Krinner GmbH in über 40 Ländern vertreten. Solaranlagen werden auf Schraubfundamenten aus Straßkirchen befestigt, Holzhäuser in Sibirien und Pilgerpfade samt Tempel in Korea. Die Firma mit gerade mal 50 Mitarbeitern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 70 Millionen Euro, doppelt so viel wie im Jahr davor.
Da lag es nahe, dass Krinner eines Tages auch selbst ein Solarprojekt vorantreiben wollte. Mit Klein-Klein allerdings hat sich der Allrounder noch nie zufriedengegeben. So entstand die Idee zum Straßkirchener Mega-Sonnenpark. Etwa 160 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, finanziert von einem Joint Venture und jetzt im Besitz des Hamburger Emissionshauses Nordcapital.
Krinner selbst gehört der Park nicht, aber er hat ihn ermöglicht. Weil die Anlage auf seinem Grund steht. Und weil er Anwohnerprotesten von vorneherein entgegenwirkte: Er konnte den Nachbarn versichern, dass auch sie etwas davon haben - denn bevor der Investor Anteile des "Solarfonds" an Anleger verkaufen konnte, musste er seinen Firmensitz nach Straßkirchen verlegen. Die Gewerbesteuer, das war Krinner wichtig, sollte an seine Heimatgemeinde gehen. Der Landwirt selbst verdient durch die Verpachtung des Landes 200.000 Euro im Jahr.
Spiegel-Online, Julia Kimmerle
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