Boeing 737-300 von TUIfly - Auf der Suche nach einem Partner (Foto: dpa)Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat Interesse an der drittgrößten deutschen Fluggesellschaft TUIfly. "Wir halten die Airline für ein Erfolg versprechendes Projekt", sagte Wöhrl der Deutschen Presse-Agentur. Die TUIfly könnte aus seiner Sicht in ihrer jetzigen Größe und ohne Personalabbau an ihrem bisherigen Standort Hannover erhalten bleiben, sagte Wöhrl. Es gebe bisher jedoch keine konkreten Verhandlungen oder Gespräche mit der TUI. Ein Konzernsprecher in Hannover sagte: "Wir haben kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit Herrn Wöhrl."
Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, Wöhrl wolle die Airline von Europas größtem Reiseveranstalter kaufen. Über seine Beteiligungsgesellschaft INTRO Aviation GmbH wolle der frühere Modeunternehmer und Berufspilot die Mehrheit bei TUIfly übernehmen. Damit wolle er einen früheren Erfolg wiederholen. Wöhrl hatte 2003 für einen symbolischen Euro die defizitäre Deutsche BA gekauft und drei Jahre später für einen fast dreistelligen Millionenbetrag an Air Berlin weitergereicht. Danach verkaufte er auch den später erworbenen Charterflieger LTU an Air Berlin.
Diskussion über strategische Ausrichtung
Die TUIfly ist seit langem auf der Suche nach einem Partner. Alternativ wird bei der TUI geprüft, die Airline als eigenständige Tochter zu erhalten, die sich dann mit ihrem Angebot vorrangig auf die Transportbedürfnisse der Reiseveranstalter des Konzerns konzentrieren soll. In diesem Fall würde sie deutlich verkleinert. TUIfly-Chef Roland Keppler hatte am Vortag seinen Abschied aus dem Unternehmen bekannt gegeben. Er verlasse die TUI am 31. Januar. Ein Sprecher betonte jedoch, einen Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung der TUI gebe es nicht.
Airline zu groß und zu klein
Mit ihren rund 12 Millionen Passagieren und 45 Flugzeugen gilt die TUIfly bei Experten angesichts der Konsolidierung des Marktes als zu klein für eine eigenständige Airline und als zu groß für einen reinen Ferienflieger.
Hans Rudolf Wöhrl - Pilot und Airline-Sanierer (Foto: dpa)
TUIfly fliegt auf zwei Säulen
Wöhrl sieht dagegen die Größe nicht als problematisch an. "Wir sind der Meinung, dass die TUIfly, befreit von den Fesseln des Konzerns, durchaus in der Lage ist, ihre bisherige Größe zu erhalten", sagte er. Deshalb könnten aus seiner Sicht auch Standort und Mitarbeiterzahl unverändert bleiben. Er stütze diese Einschätzung auf eine lange Marktkenntnis und internes Know how. Auch die Erhaltung der beiden Säulen der Gesellschaft - TUIfly fliegt sowohl als Charterflieger als auch als Billigflieger - könne er sich gut vorstellen.
Erfolglose Fusionsverhandlungen
TUIfly war 2007 aus der Zusammenführung der Billigflugmarke des TUI-Konzerns HLX und der Ferienflugtochter Hapagfly entstanden. Die Gesellschaft hatte von Anfang an Probleme, ihre Sitzplatzkapazität an den Urlauber zu bringen. Zwischendurch lief es ganz gut, aber inzwischen leidet sie wie andere auch unter hohen Kerosinpreisen und Nachfragerückgängen. Zuletzt war trotz langer Verhandlungen eine Fusion mit dem Lufthansa-Ableger Germanwings und dem Ferienflieger Condor gescheitert. Danach gab es Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit Air Berlin, die jedoch offiziell nie bestätigt wurden.