18.08.2009, 11:04 Uhr | dpa-tmn / t-online.de/business
Viele Beschäftigte spüren seit Beginn der Krise stärkeren Druck im Job. (Foto: Imago)
Das Arbeitsklima in deutschen Unternehmen wird frostiger, viele Vorgesetzte ziehen angesichts der Wirtschaftskrise derzeit die Zügel an. Laut einer aktuellen Umfrage fühlen sich mehr als zwei Drittel der Beschäftigten verstärkt unter Druck gesetzt. Wir zeigen, welche Auswirkungen das haben kann und wie Chefs die Situation verbessern können.
Bei einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins "Capital" gaben 68 Prozent der Befragten an, dass Vorgesetzte mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage, die Konkurrenz oder anstehende Umstrukturierungen verstärkt Druck ausübten. Entsprechend haben 40 Prozent der Mitarbeiter Angst, Fehler zu machen. Jeder zweite Beschäftigte glaubt der von Capital.de in Hamburg veröffentlichten Umfrage zufolge sogar, ohnehin keinen Einfluss auf eine mögliche Entlassung zu haben.
Die Folge sei ein enormer Vertrauensverlust: 45 Prozent der Befragten gaben an, ihrem Vorgesetzten nicht mehr über den Weg zu trauen. Annähernd jeder Dritte geht davon aus, dass sein Chef ihm ebensowenig traut. Laut der Umfrage ist die Mehrheit der Arbeitnehmer daher deutlich weniger loyal, leistungsbereit und engagiert. Die Vertrauensbasis zwischen Chef und Team sei dahin, lautet das Urteil von Marcus Schmitz von der IGS Organisationsberatung in Köln, der die Studie konzipiert und ausgewertet hat. Dabei hatten 498 Manager und Fachkräfte online zur aktuellen Führungspraxis Auskunft gegeben.
"Viele Mitarbeiter empfinden ihren Vorgesetzten als Agenten des Kapitals. Sie projizieren alle beruflichen Ängste auf ihn und unterstellen ihm eine Gestaltungs- und Entscheidungsmacht, die der faktisch oftmals nicht hat", erklärte Managementberater und Autor Reinhard Sprenger laut capital.de das frustrierende Bild des Arbeitsalltags in deutschen Firmen.
Doch Chefs und Führungskräfte können selbst den Hebel umlegen. "Den Mitarbeitern vor allem reinen Wein einschenken und ungeschminkt sagen, wie die Lage ist", rät Sprenger im Gespräch mit capital.de. Für den Experten ein positives Beispiel: Oswald Grübel, der neue Chef der Schweizer Großbank UBS. Der deutsche Banker habe kurz nach seinem Amtsantritt in einer E-Mail an alle Mitarbeiter dargestellt, wie es aus seiner Sicht um das Unternehmen stehe, welche Jobs zur Disposition stünden und wo er den Konzern künftig sehe.
"Solche Klarheit schafft Vertrauen", so Sprenger laut capital.de. Deshalb sei es so wichtig, im Führungszirkel darüber nachzudenken, welche Zukunft ein Unternehmen nach der Krise hat. Und das auch zu kommunizieren. Damit signalisiere der Vorstand vor allem eines: "Wir haben noch viel gemeinsam vor."
dpa-tmn / t-online.de/business
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