Michael Dell gerät ins Visier der US-Börsenaufsicht (Foto: dpa)Der Ärger des Computerherstellers Dell mit der US-Börsenaufsicht weitet sich aus. Neben dem Unternehmen ist nun auch dessen Chef Michael Dell persönlich ins Visier der SEC geraten. Die Behörde bemängelt eine fehlerhafte Buchführung. Es geht um Geschäfte mit dem Chip-Konzern Intel. Wettbewerbshüter beklagen schon seit Jahren die engen Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen. Sie sehen den kleineren Intel-Rivalen Advanced Micro Devices (AMD) benachteiligt. Dell nannte keine Details zu den SEC-Ermittlungen.
Nach Informationen der "New York Times" nimmt die SEC Anstoß daran, wie Dell Rabatte und Zahlungen von Intel verbucht hat. Allerdings handele es sich nicht um strafrechtliche Ermittlungen. Das "Wall Street Journal" interpretierte die kryptischen Worte der Konzernmitteilung so, dass Konzernchef Michael Dell seinerseits in Verdacht geraten sein könnte, irreführende Aussagen gemacht zu haben.
100 Millionen Dollar für Vergleich
Der Konzern aus dem texanischen Round Rock machte jedoch Hoffnung auf eine baldige Einigung in einem Verfahren, dass seinen Anfang schon vor fünf Jahren nahm. Vorsorglich legte Dell für einen Vergleich 100 Millionen Dollar zurück - die vom Gewinn des ersten Quartals abgehen. "Wir sind hoffnungsvoll, dass die Gespräche über einen Vergleich zu einer umfassenden Lösung in der nahen Zukunft führen", erklärte Verwaltungsratsmitglied Sam Nunn. Er stellte sich im Namen des gesamten Gremiums ausdrücklich hinter Konzernchef Michael Dell. Dieser werde das Unternehmen weiterhin führen, sagte er. "Er hat unser volles Vertrauen und unsere volle Unterstützung."
Dell bekennt sich nicht schuldig
Die Börsenaufsicht ist wegen ihrer drakonischen Strafen gefürchtet. Bei einer Einigung mit der SEC will Dell aber keinerlei Schuld einräumen. Seine Geschäftszahlen für Februar bis April hatte der Konzern erst vor drei Wochen vorgelegt. Der Gewinn reduziert sich nun nachträglich auf 341 Millionen Dollar.
Geschönte Bilanzen
Die SEC hatte bereits 2005 Ermittlungen gegen den Konzern aufgenommen. Dell hatte dann 2007 die Abschlüsse für mehr als vier Jahre nachträglich korrigieren müssen, weil sich herausgestellt hatte, dass Führungskräfte die Bilanzen geschönt hatten. Die Untersuchungen der SEC liefen trotzdem weiter.
Intel bezahlte Computerhersteller
Die enge Verbandelung mit Intel, dem drittgrößten Computerhersteller der Welt, scheint Dell immer mehr zum Verhängnis zu werden. Die EU-Kommission hatte Intel vor einem Jahr ein Rekord-Bußgeld von rund einer Milliarde Euro aufgebrummt, wegen illegaler Zahlungen und Rabatte. Intel, so die Wettbewerbshüter, hatte Computerhersteller dafür bezahlt, dass diese die Prozessoren des Rivalen AMD nicht oder nur verzögert in ihre Rechner einbauten. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes nannte damals auch Dell als Hersteller, der die Hand aufhielt.
US-Behörden klagen gegen Intel
Auch die US-Behörden haben sich zwischenzeitlich des Falls angenommen. Die Wettbewerbsbehörde FTC und die New Yorker Staatsanwaltschaft haben Klage gegen Intel erhoben. In vier von fünf Computern weltweit steckt ein Intel-Prozessor, Dell hat lange ausschließlich Chips des Marktführers verbaut.