US-Börsenaufsicht nimmt neue Internet-Blase ins Visier
29.12.2010, 17:03 Uhr | Financial Times Deutschland
Facebook wird immer beliebter (Foto: imago) Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) untersucht den Handel mit Aktien nicht gelisteter Unternehmen wie den Onlinediensten Facebook und Twitter. Laut Medienberichten hat die SEC von etlichen Marktteilnehmern Informationen angefordert, unter anderem dazu, wie die Anteilsscheine der Firmen bewertet werden.
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Internet-Blase schon vor dem Börsengang
Damit stoßen die Aufseher in ein bisher kaum reguliertes Feld vor. Die Nachfrage nach den Papieren an kleinen, privaten Börsen hat über das vergangene Jahr stark zugelegt, da viele Akteure Anteile an den schnell wachsenden Firmen haben wollen. Fonds werden aufgelegt, die es einzelnen und institutionellen Investoren erleichtern sollen, in diese Unternehmen zu investieren.
Kursexplosion bei Twitter und Facebook
Der implizierte Marktwert einiger Unternehmen ist in der Folge sprunghaft angestiegen: So wird Facebook gemessen an den an diesem Sekundärmarkt gezahlten Preisen mittlerweile mit mehr als 41 Milliarden Dollar bewertet, Twitter mit rund 3,7 Milliarden Dollar. Seit Ende Juni hat der Marktwert von Facebook damit laut der Wertpapierfirma Nyppex um mehr als 50 Prozent zugelegt, der von Twitter hat sich sogar mehr als verdoppelt.
Keine Klarheit über die Geschäftszahlen
Kritiker sprechen bereits von einer Blase - unter anderem mit Blick auf die Tatsache, dass Technologieunternehmen in privater Hand keine Finanzinformationen veröffentlichen. Genau dieser Punkt hat offenbar auch die SEC auf den Plan gerufen. Sie will den Berichten zufolge wissen, auf welcher Basis Käufer und Verkäufer die Unternehmen bewerten und die Preise für die Aktien festlegen.
Investmentfonds umgehen Transparenz-Regel
Außerdem prüfen die Aufseher die Rolle von Investmentfonds. Eine SEC-Vorschrift legt fest, dass private Unternehmen bestimmte Informationen etwa zu Umsätzen und Konzernergebnis veröffentlichen müssen, wenn sie mehr als 500 Anteilseigner haben. Die Vorgabe war ein Grund dafür, dass der Suchmaschinenbetreiber Google 2003 an die Börse ging. Die SEC untersucht nun, ob diese Regel mithilfe der Investmentfonds umgangen wird.
Kein Kommentar von Twitter und Facebook
Sprecher der Behörde sowie von Facebook und Twitter wollten sich nicht äußern. Einige private Unternehmen haben bereits auf die wachsende Bedeutung des Handels am Sekundärmarkt reagiert. Facebook etwa hat seinen aktiven Mitarbeitern untersagt, Aktien zu verkaufen.
Fonds begrüßt die Untersuchung
"Das ist ein rasch wachsender Markt, und diese Arten von Untersuchungen sind gut", sagte Frank Mazzola, Gründer von Felix Investments, der "Financial Times". Das Unternehmen hat Fonds aufgelegt, die Aktien an Netzwerken wie Facebook kaufen. "Investoren und Unternehmen müssen geschützt werden."
Die Sekundärbörsen boomen
Angetrieben wird der Sekundärmarkt vom Wachstum privater Börsen wie Secondmarket und Sharespost. Sie bringen Verkäufer und Käufer zusammen. Das Handelsvolumen an diesen Börsen nimmt rasant zu, auch wenn es im Vergleich zu dem der großen öffentlichen Märkte noch immer gering ist. Secondmarket hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr Transaktionen im Wert von 400 Millionen Dollar abgewickelt. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 100 Millionen Dollar.