Ölpreis unter Druck (Foto: Reuters) Die Schonzeit für Öl-Spekulanten ist vorbei: Der neue Chef der Aufsicht über die amerikanischen Warenterminbörse will Zockern im Energiemarkt das Handwerk legen. Zudem setzten die gestiegenen Lagerbestände in den USA den Markt unter Druck. Angesichts der doppelten Belastungsfaktoren setzte der Ölpreis seine jüngste Talfahrt fort: Mit einem Preis von 61 Dollar markierte der Preis für das schwarze Gold gerade ein neues Sechswochen-Tief.
Ölpreis rutscht gen Süden
Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (siehe WTI in Dollar) zur Auslieferung im August kostete am Nachmittag nur noch 61 Dollar. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank ebenfalls - auf nun 61,46 Dollar.
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Der Verbrauch in den USA sinkt
Jüngste Lagerdaten des American Petroleum Institute (API) hatten die Ölpreise deutlich belastet. Den Daten zufolge erhöhten sich indes die Bestände an Ölprodukten. Dies lässt nicht auf eine Erholung der Ölnachfrage schließen, hieß es am Markt. Am Nachmittag veröffentlichte das US-Energieministerium neue Daten: Die Bestände an Benzin stiegen um 1,9 Millionen Barrel auf 213,1 Millionen Barrel. Die Destillate-Bestände (Heizöl, Diesel) legten um 3,7 Millionen Barrel auf 158,7 Millionen Barrel zu. Die Lagerbestände an Rohöl seien allerdings um 2,9 Millionen Barrel auf 347,3 Millionen Barrel gefallen.
Neuer Behörden-Chef macht Ernst
Druck gab es auch von anderer Seite: Die Aufsichtsbehörde für die Warenterminbörsen in den USA - die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) - will künftig verstärkt gegen übermäßige Spekulation an den Rohstoffmärkten vorgehen. Vor allem wolle sie sich den Energie-Markt vornehmen, erläuterten die Analysten der Commerzbank. Denn der neue Chef der Kommission, Gary Gensler, gehe im Gegensatz zu seinem Vorgänger davon aus, dass der Preisanstieg bei Rohöl auf 150 Dollar im Sommer vorigen Jahres auf das Konto der Finanzmärkte und nicht auf die Angebots- und Nachfragesituation zurückzuführen war.
Analysten sehen Zocker am Werk
In der CFTC würden derzeit Schritte diskutiert, mit denen die Spekulation eingedämmt werden soll. Dazu zählten insbesondere die Veröffentlichung der außerbörslichen Geschäfte und eine strengere Limitierung der Positionsgrößen. Auch die Commerzbank führt den jüngsten Preisanstieg auf über 70 Dollar hauptsächlich auf die Reaktion der Anleger zurück. Ein etwaiges Eingreifen der CFTC könne durchaus zu einem starken Preisrückgang führen - denn die meisten Anleger seien positiv zum Ölpreis gestimmt und daher "long" positioniert.