
18.11.2011, 10:47 Uhr | Finacial Times Deutschland
WTI gehört zu den Leitsorten beim Rohöl. Im nächsten Jahr wird sich die Liefersituation in den USA deutlich verbessern - die Preisdifferenz zum Nordseeöl Brent schrumpft erstmals seit Monaten.
Die große Preisdifferenz der vergangenen Monate zwischen der US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) und der Nordseesorte Brent gehört bald der Vergangenheit an. Der Grund: Ein Teil des WTI-Öls wird ab 2012 statt zum größten Umschlagplatz im Landesinneren der USA ab 2012 in umgekehrte Richtung zum Golf von Mexiko transportiert werden - und damit näher zu den Abnehmern, weil die Fließrichtung einer Pipeline gedreht wird.
Die Aussicht auf eine verbesserte Liefersituation des US-Öls ließ die Differenz am Donnerstag auf weniger als 8 Dollar je Fass (159 Liter) schrumpfen. Im Oktober hatte sie mit 28 Dollar noch einen Rekord erreicht. Jahrelang üblich waren 1 bis 2 Dollar.
Seit die Preise der beiden Sorten auseinanderlaufen, gehören Spekulationen auf eine baldige Verengung der Preisdifferenzen zu den heißesten und populärsten Wetten im Rohstoffmarkt. Der Hauptgrund für den großen Unterschied ist, dass der Preis von WTI stark durch die Situation im wichtigen Umschlagplatz Cushing bestimmt, einem 8000-Einwohner-Dorf im US-Bundesstaat Oklahoma.
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Dort enden viele Pipelines, in den dortigen Öltanks lagert ein großer Teil der amerikanischen Ölvorräte. Die Lager sind aber übervoll, was den Preis stark gedrückt hat. Gebraucht wird das Öl aber am Meer, wo es in die Boomregion Asien verschifft werden kann. Entgegen der meisten Prognosen änderte sich jedoch weder an der ungleichen Ölverteilung noch an der Preisdifferenz viel.
Am Mittwoch hatte die kanadische Firma Enbridge angekündigt, die Fließrichtung einer Pipeline zu drehen: Sie soll nun Öl von Cushing Richtung Golf von Mexiko pumpen. In der Folge sank der Preisabschlag von WTI zu Brent erstmals seit März - und zwar um 4 Dollar binnen nur zehn Minuten.
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Ein weiterer Grund für die großen Preisunterschiede war bislang die gestiegene Nachfrage nach Brent. China und Indien kaufen ihr Öl am Persischen Golf, dessen Preis richtet sich nach dem des Nordseeöls. Rotterdam ist näher am Kunden als Oklahoma. Wenn rasant entwickelnde Länder wie Indien und China mehr Öl kaufen, schlägt sich das auf den Preis von Brent nieder und nicht auf den von WTI. Ohnehin bestimmen China und Indien den Ölpreis immer stärker mit: Dort steigt die Nachfrage, während sie in den Industriestaaten sinkt. Allein der chinesische Bedarf hat sich innerhalb der vergangenen Dekade verdoppelt. Die Volksrepublik ist derzeit der zweitgrößte Ölverbraucher hinter den USA.
Früher betrug der durchschnittliche Preisunterschied zwischen WTI und Brent etwa 1 Dollar, selten wurden es mehr als 5 oder 6 Dollar. Wegen seines niedrigeren Schwefelgehalts war das leichtere und süße US-Öl sogar meist teurer als Brent.
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Wenn die Behörden nun zustimmen, könnte die Seaway-Pipeline von ConocoPhillips, die zu 50 Prozent Enbridge gehört, vom zweiten Quartal 2012 an täglich 150.000 Barrel Öl Richtung Meer leiten. Nach Informationen von Analysten soll zudem die tägliche Transportkapazität innerhalb eines Jahres auf 400.000 Barrel erhöht werden. "Wir haben stets darauf hingewiesen, dass der hohe Preisunterschied nicht fundamentaler, sondern vor allem psychologischer Natur und damit nicht nachhaltig ist", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank.
Spätestens im Jahr 2013 dürfte die Preisdifferenz zwischen WTI und Brent daher komplett verschwinden, erwarten Commerzbank-Analysten. Experten bei Barclays sehen zwar Potenzial in der Seaway-Pipeline, geben aber zu bedenken, dass die Eröffnung anderer Schlüsselpipelines in letzter Zeit verschoben oder abgesagt wurde. Deswegen warnte Barclays vor zu viel Euphorie. Die Verzögerungen bei anderen Pipelines könnten dazu führen, dass die Möglichkeit, Öl von Cushing wegzutransportieren, sich trotz der Seaway-Pipeline verschlechtere.
Dass der Preisunterschied zwischen den Ölsorten derzeit zurückgeht, ist auch Folge der Schuldenkrise in Europa und ihrer Auswirkungen auf das weltweite Wachstum. "Die Sorge bezieht sich auf Sparmaßnahmen in ganz Europa, deren Durchführung die Nachfrage nach Brent senken könnte", sagte laut Reuters David Morrison, Marktstratege bei GFT Global.
Quelle: Financial Times Deutschland
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