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USA: Börsenstar Madoff prellt Anleger um 50 Milliarden Dollar

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US-Börsenstar prellt Anleger um 50 Milliarden Dollar

05.02.2009, 12:37 Uhr | Konrad Lischka, Spiegel Online

Bernard Madoff - Geständiger Milliardenbetrüger (Quelle: dpa) Bernard Madoff - Geständiger Milliardenbetrüger (Quelle: dpa)Bernard Madoff ist eine Wall-Street-Legende: Er hat die US-Technologiebörse NASDAQ mit aufgebaut und Anlegermilliarden verwaltet. Nun soll er gestanden haben, alles sei "ein gigantisches Schneeballsystem" gewesen. Unter den Opfern des 50-Milliarden-Schwindels sollen auch Top-Banken sein. Nein, er wolle nicht im Büro darüber sprechen, sagte Bernard Madoff diese Woche zwei leitenden Angestellten seiner Firma. Der 70-jährige Börsenprofi, Ex-Chef der Technologiebörse NASDAQ, Mitglied im Aufsichtsrat der Regulierungsbehörde für Börsenhändler NASD, wollte nicht im Büro seiner New Yorker Wertpapierfirma mit laut Eigenwerbung 700 Millionen Dollar Kapital erklären, warum er so angespannt wirkte.

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"Ein gigantisches Schneeballsystem"

Madoff verweigerte auch die Antworten auf Fragen, warum er die Unterlagen seiner Anlageberatung wegschließt, warum er dieses Geschäft im Alleingang von einer isolierten Büroetage aus führt und warum er in diesem Jahr völlig überraschend Bonuszahlungen unbedingt zwei Monate eher als üblich ausschütten wollte. Madoff lud die zwei leitenden Angestellten in seine Wohnung nach Manhattan ein. Dort machte er reinen Tisch: "Ich bin erledigt, ich habe gar nichts mehr, es war alles eine große Lüge, im Grunde genommen ein gigantisches Schneeballsystem."

"Wall Street Journal": Madoffs Söhne informierten das FBI

So steht es in der Klageschrift der US-Börsenaufsicht SEC und der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gegen Madoff. Der Vorwurf: Madoff soll Anleger um rund 50 Milliarden Dollar betrogen haben. Die Einlagen neuer Investoren sollen angebliche Gewinnausschüttungen für die Altanleger finanziert haben. Auf 16 Seiten erzählen diese Klageschriften in einer knappen, nüchternen Sprache die Geschichte des womöglich größten Anlagebetrugs eines einzelnen Täters in der US-Geschichte. Und sie erzählen auch von einem persönlichen Drama. Denn die beiden leitenden Angestellten, auf deren Aussagen sich die Anklage im Wesentlichen stützt, sind laut Informationen des " Wall Street Journal" die beiden Söhne Madoffs.

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Madoffs Plan: Das letzte Geld Freunden geben, dann stellen

Wenn die Darstellung der Klageschriften sich als zutreffend herausstellt, hat Bernard Madoff nicht nur jahrelang Anleger, sondern auch seine Söhne Andrew und Mark betrogen: Ihnen habe er am Mittwochabend in seiner Wohnung eröffnet, dass von den Anlegermilliarden nur 200 oder 300 Millionen übrig seien. Die Söhne gingen bis dahin laut eigenen Aussagen von Anlagen im Wert von bis zu 15 Milliarden Dollar aus. Ihr Vater soll ihnen erklärt haben, er wolle sich den Behörden stellen, zuvor aber das verbliebene Geld an Mitarbeiter, Angehörige und Freunde ausschütten.

"Es gibt dafür keine harmlose Erklärung"

Nach diesem Geständnis haben laut "Wall Street Journal" Madoffs Söhne Andrew und Mark ihren Anwalt verständigt, der die Behörden einschaltete. Am Donnerstag suchten FBI-Agenten Madoff auf. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft versichert FBI-Ermittler Theodore Cacioppi eidesstattlich, Madoff habe den Beamten gesagt: "Es gibt dafür keine harmlose Erklärung." Er habe Geld von institutionellen Anlegern verloren, er habe Anleger mit Mitteln ausbezahlt, die es "nicht gab", es sei alles seine Schuld, er sei pleite und erwarte nun, ins Gefängnis zu gehen.

Angeblich 10,5 Prozent Durchschnittsrendite im Jahr

Unklar ist bislang, wie lange der Betrug schon andauert. Auch in den Anklageschriften gibt es dazu keinen Hinweis. Das "Wall Street Journal" zitiert aus Unterlagen eines von Madoff verwalteten Hedgefonds, der seit Ende 1990 eine jährliche Durchschnittsrendite von 10,5 Prozent erwirtschaftet haben soll. Die Probleme bei Madoffs Anlagefirma begannen laut den Aussagen von Mitarbeitern in den Klageschriften nach der Finanzkrise. Anfang Dezember habe Madoff einem leitenden Angestellten mitgeteilt, viele Anleger würden ihre Anlagen abziehen, sieben Milliarden Dollar seien fällig und er habe Probleme, diese Mittel flüssig zu machen. Aber einige Börsenexperten zweifelten offensichtlich schon vor Jahren an den von Madoff erwirtschafteten Gewinnmitteilungen. Das "Wall Street Journal" zitiert aus Briefen des Börsenhändlers Harry Markopolos, der die US-Börsenaufsicht SEC immer wieder, erstmals 1999, gedrängt haben soll, Madoffs Geschäfte zu prüfen.

Drei angestellte Wirtschaftsprüfer kontrollieren Milliarden

Die New Yorker Anlageberatung Aksia erklärt in einem Brief an Investoren, sie habe schon im Dezember 2006 vor Anlagen bei Madoff gewarnt. Grund dafür: Man habe festgestellt, dass die mit der Prüfung der Bücher beauftragte Firma "Friehling & Horowitzhad" lediglich drei Angestellte hatte: Einen 78-Jährigen Angestellten in Florida, eine Sekretärin und einen Buchhalter mit einem 20-Quadratmeter großen Büro in New York. Ob daraufhin ermittelt wurde, wollte die SEC auf Anfragen des "Wall Street Journal" nicht beantworten. Sanktionen gegen Madoff wegen unzulässiger Geschäftspraktiken sind jedenfalls nicht bekannt. Und so etwas schien bis vor wenigen Tagen auch undenkbar. Monica Gagnier, eine Redakteurin des US-Wirtschaftsmagazins "Businessweek", die schon in den achtziger Jahren von der US-Technologiebörse NASDAQ berichtete und oft Kontakt zu Madoff und seinem Bruder hatte, erinnert sich im "Businessweek"-Blog so: "Die beiden haben immer Maßnahmen für mehr Transparenz und Haftung durchgesetzt."

Opfer: Stiftungen, Fonds, reiche Privatleute

Auch hätten sich die Madoff-Brüder als Händler an der Börse Cincinnati immer wieder für mehr Transparenz und elektronische Kontrollsysteme für den "ineffizienten und oft zwielichtigen außerbörslichen Wertpapierhandel" plädiert. Madoffs Anwalt Dan Horwitz wollte sich Medien gegenüber nicht im Detail zu den Betrugsvorwürfen äußern. Dem "Wall Street Journal" erklärte er lediglich: "Er ist eine integre Persönlichkeit. Er hat vor, sich durch diese unglücklichen Ereignisse durchzukämpfen."

Zu Madoffs Kunden gehörten Fonds, Stiftungen und vermögende Privatpersonen. Einige der bislang bekannten Opfer: die Großbanken BNP Paribas (Frankreich), Nomura Holdings (Tokio) und Neue Privat Bank (Schweiz) sollen Quellen des " Wall Street Journal" zufolge betroffen sein. Investment-Gruppen, die in Hedgefonds anlegen, zum Beispiel die Fairfield Greenwich Group und Fix Asset Management ( laut Bloomberg) Privatpersonen wie Lawrence Velvel, Vorsitzender der Massachusetts School of Law, der laut der Nachrichtenagentur AP "Millionen verloren haben könnte".

Eine kleine US-Stiftung, die "Robert I. Lappin Charitable Foundation" hat bereits unter Verweis auf die erwarteten Verluste durch Madoff-Anlagen den Stopp aller Unterstützungszahlungen erklärt. Die Investoren vertrauten Madoff ihr Geld aber nicht nur wegen seines Namens an. Ein Anleger aus Los Angeles erklärte der " New York Times", warum viele seiner Verwandten fast ihr gesamtes Vermögen bei Madoff angelegt hatten: "Sie begannen mit kleinen Summen, investierten 5, 15 oder 30 Jahre lang und erhielten jedes Jahr eine große Ausschüttung, und konnten immer ihr Geld abziehen." Bis jetzt.


Quelle: Spiegel Online

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