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Minenkonzernen gelingt Revolution im Eisenerzhandel
31.03.2010, 10:31 Uhr | Financial Times Deutschland
Eisenerz-Verladestation von Rio Tinto (Reuters)Die Eisenerzkonzerne Vale und BHP Billiton haben bei japanischen Stahlherstellern Abschlüsse mit einer Laufzeit von nur drei Monaten statt der bislang üblichen Jahresverträge durchgesetzt. Sollte dies weltweit Schule machen, könnten die Rohstoffförderer künftig alle paar Monate die Preise ändern. Die von der Wirtschaftskrise schwer getroffene Stahlindustrie müsste die Verträge mit großen Kunden wie Autoindustrie und Maschinenbau ebenfalls umstellen.
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Neues Preissystem bei Eisenerz
Der weltgrößte Eisenerzkonzern Vale aus Brasilien einigte sich nach eigenen Angaben mit den japanischen Herstellern Nippon Steel und Posco auf Quartalsverträge. Diese sehen zudem eine Erhöhung der Eisenerzpreise um 90 Prozent vor. Der australische Rohstoffkonzern BHP Billiton erklärte, sich mit asiatischen Kunden ebenfalls auf kurzfristigere Verträge verständigt zu haben.
Minenkonzerne wollen mehr Geld
Seit 40 Jahren kungelten Minengesellschaften und Stahlkonzerne hinter verschlossenen Türen Preise für Eisenerz aus. Der erste Preis, auf den sich ein Minenbetreiber mit einem Kunden einigt, wird dabei zur Referenz, dem der Rest der Branche für ein Jahr folgt. Das ändert sich jetzt. Der Eisenerzmarkt steht damit vor großen Umwälzungen. Mit dem Wechsel wollen die Minenkonzerne von den höheren Preisen profitieren, die mittlerweile am Spotmarkt gezahlt werden.
Mehr Transparenz am Eisenerzmarkt
In London ging in der vergangenen Woche zudem die erste Handelsplattform für Eisenerz an den Start. Damit wird es erstmals transparente Preise und Derivate geben. Grundgedanke ist, Käufer und Verkäufer durch standardisierte Kontrakte anzuziehen - und dadurch einen liquiden Handel zu ermöglichen. Momentan ist die Preisbildung am Spotmarkt nur sporadisch möglich. Darum ist die Plattform Globalore für Vale und BHP so wichtig. Im bilateralen asiatischen Handel kostet eine Tonne rund 150 Dollar. Zum Vergleich: In den Kontrakten für das Jahr 2009/2010, das Ende März endet, liegt der Preis bei 60 Dollar.
Deutsche Stahlhersteller stemmen sich gegen die Neuerung
Die deutsche Stahlindustrie mit Konzernen wie ThyssenKrupp und Salzgitter gerät erheblich in Bedrängnis. "Wenn wir das System ändern, müssen wir auch über unser System nachdenken", sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher. Der Konzern ziehe Jahresverträge weiterhin vor, da ThyssenKrupp auch mit seinen Kunden langfristige Verträge habe. Der deutsche Branchenführer setzt etwa zwei Drittel seines Stahls über Mehrjahres- und Jahresverträge ab.
Langfristige Planung unmöglich
Die Aktien von ThyssenKrupp notierten zeitweise fast drei Prozent im Minus, Salzgitter-Papiere verloren 1,4 Prozent. Ein Börsianer sagte, das neue Preissystem verschlechtere die langfristige Planung für die Stahlhersteller. "Wie die das künftig managen wollen, ist mir schleierhaft." Die Stahlindustrie müsse die Vereinbarungen mit ihren Kunden flexibler gestalten, sagte Steubing-Analyst Michael Broeker. "Die müssen auch umstellen, damit sie nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben." Die Kurse der Rohstoffkonzerne legten hingegen zu. BHP Billiton verteuerten sich um einen Prozent, Vale um 1,8 Prozent. Die Minenbetreiber hätten offenbar gewonnen, sagte Salzgitter-Finanzchef Heinz Jörg Fuhrmann. Für die Stahlunternehmen sei die Regelung schlecht, da der Markt an Verlässlichkeit verliere. Auch China - der mit Abstand weltgrößte Stahlhersteller - lehnte eine Verkürzung der Vertragslaufzeiten für Eisenerz erneut ab.
Preiserhöhung schadet der Stahlindustrie
"Vierteljahresverträge hätten höhere Kosten, starke Preisschwankungen und eine geringere Planungssicherheit nicht nur für die Stahlindustrie, sondern wahrscheinlich für alle Stahl basierten Wertschöpfungsketten zur Folge", kritisierte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. Eine Preiserhöhung von 90 Prozent gefährde die Erholung auf den Stahlmärkten. "Die sich daraus ergebende zusätzliche Belastung für die Stahlunternehmen in Deutschland von jährlich rund 4,5 Milliarden Euro könnte die Stahlindustrie nicht tragen."
Quelle: Financial Times Deutschland