Bald seltener Anblick: Glühbirnen (Quelle: ddp)Die Gegner eines europaweiten Glühbirnen-Verbots haben eine schwere Niederlage erlitten. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments lehnte den Antrag des CDU-Europaabgeordneten Hartmut Nassauer ab, gegen die im Dezember beschlossene Abschaffung herkömmlicher Glühbirnen Widerspruch einzulegen. Nur 14 Abgeordnete unterstützten eine Rücknahme des Verbots, 44 stimmten dagegen. Damit dürften wie geplant im September die ersten Glühbirnen vom Markt verschwinden.
Die EU-Kommission und die 27 Mitgliedstaaten hatten im Dezember 2008 beschlossen, als Beitrag zum Klimaschutz herkömmliche Glühbirnen allmählich durch Energiespar- und Halogenlampen zu ersetzen. Am 1. September sollen zunächst 100-Watt-Birnen vom Markt verschwinden, ein Jahr später dann Glühbirnen mit einer Leistung von 75 Watt, am 1. September 2011 60-Watt-Birnen. Ab 1. September 2012 soll es auf dem europäischen Markt gar keine herkömmlichen Glühbirnen mehr geben. Dadurch lassen sich nach Berechnungen der EU-Kommission jährlich 15 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) einsparen.
CSU-Europaabgeordneter sieht Bevormundung
Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber kritisierte die Unterstützung des Umweltausschusses für diesen Fahrplan scharf. "Die Bürger in unserem Land sollen frei wählen dürfen, ob sie eine herkömmliche Glühbirne oder eine Energiesparlampe kaufen", erklärte Ferber. Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms dagegen betonte: "Die Senkung der CO2-Emissionen, reduzierter Stromverbrauch und niedrigere Stromrechnungen sind vernünftige Argumente" für ein Glühbirnen-Verbot.
Bürger werden "erheblich tangiert"
Selbst unter den 14 Abgeordneten, die sich für eine Rücknahme des Verbots aussprachen, haben einige inhaltlich kein Problem damit. So erklärte der CDU-Europaabgeordnete Nassauer, es gehe ihm weniger um das Glühbirnen-Verbot an sich als vielmehr um das Verfahren. Das Parlament müsse an einer Entscheidung, "die die Bürgerinnen und Bürger erheblich tangiert", beteiligt werden. "Das Verbot einer ganzen Produktsparte ist keine technische Einzelheit, deren Regelung man der Kommission überlassen kann", sagte Nassauer.
EU-Parlament forderte mehr Energie-Effizienz
Allerdings hat das EU-Parlament die Kommission erst im vergangenen Jahr dazu aufgerufen, strengere Standards für den Energieverbrauch verschiedener Produkte vorzulegen. Gefordert wurde in dem Bericht ausdrücklich auch eine "Rücknahme der Glühlampen mit der geringsten Effizienz".
Informationskampagne gefordert
Die CDU-Europaabgeordnete Ruth Hieronymi bedauerte, dass ungeachtet dieses Parlamentsvotums für den Bürger der Eindruck entstanden sei, es handele sich um ein Diktat der Europäischen Kommission. "Das ist nicht der Fall", sagte Hiernonymi. Auch der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese forderte eine "Informationskampagne von Seiten der Bundesregierung". Er verwies darauf, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich auf einem EU-Gipfel 2007 für die Abschaffung herkömmlicher Glühbirnen stark gemacht hatte.
Halogenlampen als Alternative
Auf die Bedenken in der Bevölkerung müsse aber eingegangen werden. So sei die von Energiesparlampen ausgehende elektromagnetische Strahlung "um den Faktor 100 kleiner als die elektromagnetische Strahlung, die durch andere, in jedem Haushalt vorhandene Geräte wie Radiowecker und Fernseher hervorgerufen wird", sagte der Mediziner Liese. Wer diesbezüglich sehr empfindlich sei, könne zudem auf Halogenlampen zurückgreifen.
12-Volt-Systeme sparen Strom
Laut einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Stiftung Warentest lässt sich mit vielen Halogenlampen aber kein Strom sparen. Dies gelte vor allem für 230-Volt-Halogenlampen. Dagegen kämen 12-Volt-Halogenlampen für Niedervoltsysteme mit 70 bis 80 Prozent des Stromverbrauchs normaler Glühbirnen aus.