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Verkauf an Magna: Jubel bei Opel kommt verfrüht

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Der Jubel bei Opel kommt verfrüht

11.09.2009, 11:06 Uhr | Financial Times Deutschland

Opel und Magna - bis zum Happy End dauert es noch (Foto: Reuters) Opel und Magna - bis zum Happy End dauert es noch (Foto: Reuters)Das Magna-Konsortium erhält den Zuschlag für Opel, alle vier Standorte in Deutschland werden garantiert. Doch aufatmen können die Opelaner noch lange nicht - sie müssen mit schmerzlichen Einschnitten rechnen. Und Magna selbst warnt vor Euphorie.

Opelaner müssen um Jobs bangen

Die deutsche Seite atmet auf. Nach monatelangem Poker soll Wunschkandidat Magna den Zuschlag für Opel erhalten. Doch obwohl der österreichisch-kanadische Autozulieferer den Erhalt aller vier deutschen Standorte garantiert, müssen viele Opelaner weiter um ihren Job bangen. "Die Arbeitsplätze bei Opel sind nicht auf Dauer gerettet", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg.

Bochum trifft es besonders hart

Dass auch die von der Bundesregierung gewünschte Lösung schmerzhafte Einschnitte bringen wird, ist unbestritten. Das Konzept von Magna sieht vor, von den rund 50.000 Stellen bei Opel in Europa knapp 11.000 abzubauen. In Deutschland allein sind 25.000 Opel-Mitarbeiter beschäftigt. Von ihren Stellen könnten etwa 3000 gestrichen werden, zwei Drittel davon allein in Bochum.

GM will einsparen

Die Automobilindustrie leidet in Westeuropa unter Überkapazitäten. Opels Marktanteil schrumpfte in den letzten Jahren deutlich. Der Absatz erholte sich in den vergangenen Monaten - Grund war aber vor allem die Abwrackprämie. Der Chef von GM Europe, Carl-Peter Forster, kündigte am Donnerstag (10.09.09) Restrukturierungsmaßnahmen an. "Sie sind notwendig, um die Voraussetzungen für eine nachhaltig profitable Opel-Organisation zu schaffen", sagte er.

Belgische und britische Werke stehen auf der Kippe

Diese Einschnitte werden nun vorerst glimpflicher ausfallen. Hätte sich GM entschlossen, Opel selbst zu behalten, wäre die Lage weitaus kritischer geworden. Der GM-Plan sah vor, nicht nur das Werk im belgischen Antwerpen zu schließen, sondern auch in Eisenach und Bochum. Nun sollen die deutschen Standorte alle erhalten bleiben. Einige europäische Werke, etwa die Werke in Antwerpen und Luton, stehen jedoch auf der Kippe.

Merkel: "Neuanfang für Opel nicht einfach"

Die britischen Arbeitnehmer protestierten bereits gegen eine ungleiche Behandlung. Die Regierung in London erklärte, sie wolle bei den Gesprächen mit Magna das Beste herausholen. Bundeskanzlerin Angela Merkel versuchte zu schlichten: Die Bundesregierung werde faire Gespräche über eine Lastenverteilung führen. Sie räumte ein, dass der Neuanfang für Opel nicht einfach werde.

Kreditgarantie von 4,5 Milliarden Euro

Der deutsche Staat unterstützt das Angebot von Magna mit einer Kreditgarantie von 4,5 Milliarden Euro. Ein Drittel davon darf Opel bereits jetzt nutzen. Ein Angebot des Finanzinvestors RHJI wollte die deutsche Seite nicht unterstützen.

GM hat Angst vor neuer Konkurrenz

Dass General Motors mit seinem Votum für Magna lange zögerte, liegt an den Partnern des Autozulieferers: Neben der Sberbank ist der russische Autobauer Gaz mit im Bund, der an der Opel-Technologie interessiert ist. Das Unternehmen erklärte im Mai, es wolle in seinem russischen Stammwerk künftig 180.000 Opel pro Jahr bauen lassen. Bei GM hieß es, dass Gaz nur wenige Opel-Modelle in Russland bauen solle. GM fürchtet, sich einen neuen Konkurrenten heranzuziehen. Außerdem wollen sie den Zugang zur zukunftsträchtigen Kleinwagentechnik erhalten, die zum großen Teil im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum entstanden ist.

Entwicklung bleibt in GM-Verbund

Dieses Problem scheint nun gelöst. Künftig bleibt Opel ein Teil des weltweiten Entwicklungsverbunds des US-Konzerns, teilte GM mit. Dadurch erhofft sich das Unternehmen wichtige Kosteneinsparungen. Zukunftsweisende Elektrofahrzeuge wie der Opel Ampera sollen künftig gemeinsam vermarktet werden. Die Entwicklung wurde ohnehin gemeinsam betrieben. GM-Chefunterhändler John Smith sagte, die Kooperation werde sich auf Plattform, Antriebe, Einkauf und Produktion erstrecken.

Kooperation nur auf bestimmte Märkte begrenzt

Die Zusammenarbeit soll jedoch Grenzen haben. Smith hob hervor, dass die USA, Kanada, Südkorea und China dem neuen Opel-Unternehmen verschlossen bleiben sollen. In Osteuropa kann Opel jedoch weiter präsent sein. Der Chefunterhändler sagte, er habe Vertrauen zu Magna. Sein Unternehmen sei seit Jahrzehnten ein wichtiger Kunde des Zulieferers.

Warum Magna selbst vor Euphorie warnt

Für Magna wiederum ist die Opel-Übernahme der größte Deal in der Firmengeschichte. Allerdings wurde noch am Donnerstag im Umfeld des Autozulieferers vor überzogener Euphorie gewarnt. Es seien noch offene Fragen zu klären, hieß es. Erst wenn der Vertrag mit General Motors (GM) unterzeichnet werde, sei der Durchbruch geschafft. Derzeit ist geplant, dass der Konzern nach der Opel-Übernahme ein neues Unternehmen gründet, an dem GM mit 35 Prozent beteiligt bleibt. Magna und die russische Sberbank werden mit 55 Prozent die Kontrolle über Opel übernehmen.

Zulieferer wird zum Autobauer

Im Zuge des Umbaus sollen bei Opel 10.600 Stellen gestrichen werden. Der Zukauf hätte für Magna weitreichende Folgen. Der Konzern hat sich bislang als unabhängiger Zulieferer positioniert. Nun muss Magna-Co-Chef Siegfried Wolf Bedenken zerstreuen, er würde künftig Opel bevorzugen: Schon heute würden die Aufträge für die einzelnen Hersteller sauber voneinander getrennt, sagte der Manager. Nach dem Einstieg werde es eine klare Trennung zwischen dem Zuliefer- und dem Autogeschäft geben.

Ab nach Russland

Zudem muss Magna ehrgeizige Wachstumspläne realisieren: Das Konsortium will mit Opel vor allem den russischen Markt erobern. Hier erhofft sich Magna kurzfristig einen Marktanteil von über 20 Prozent. Der Konzern, der mit 240 Fabriken und 70.000 Mitarbeitern nach Bosch und Denso der drittgrößte Autozulieferer weltweit ist, ist im Zuge der Krise jedoch selbst schwer in Bedrängnis geraten. Kritiker behaupten, Magna wolle mit der Übernahme von Opel vor allem das eigene Unternehmen sanieren.

"Hoch riskante Strategie"

Die Expansion nach Russland sei eine "hoch riskante Strategie", warnte Analyst Fadi Chamoun von UBS Investment Research. Im ersten Halbjahr waren die Erlöse um 45 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) eingebrochen. Der Verlust summierte sich auf 405 Millionen Dollar. Zudem hat die Krise Russland - einst einer der großen Wachstumsmärkte weltweit - arg gebeutelt.

Kreml bekommt Westtechnologie

Großer Gewinner im Magna-Konsortium ist die staatliche russische Sberbank, die direkt dem Kreml untersteht. Das Land braucht Westtechnologie, um die eigene Industrie zu sanieren: So will Magna mit dem schwer angeschlagenen Autokonzern Gaz kooperieren, der bei den Konsumenten wegen seiner veralteten Modelle nicht punkten kann. Da Magna Opel-Modelle in den russischen Gaz-Werken herstellen will, erhalten die Partner Zugriffe auf GM-Patente.


Quelle: t-online.de , Financial Times Deutschland

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