Die Vermögen in Deutschland sind zunehmend ungleich verteilt (Foto: dpa)Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtet, haben etwa zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung kein oder nur ein geringes Vermögen. Besonders betroffen seien Bürger aus den neuen Bundesländern, die nun massiv von Altersarmut bedroht sind. Dagegen besitzt ein Bruchteil der Deutschen den größten Teil des Gesamtvermögens.
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Jeder Vierte hat gar kein Vermögen
Wie die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegebene Studie ergab, besitzt ein Prozent der Deutschen rund ein Viertel des gesamten Privatvermögens. Die reichsten zehn Prozent verfügen über rund 61 Prozent - nach 58 Prozent im Jahr 2002. Die weniger wohlhabenden 70 Prozent der deutschen Erwachsenen verfügen dagegen nur knapp über neun Prozent des Gesamtvermögens. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27 Prozent) besitzt gar kein Privatvermögen oder ist sogar verschuldet.
6,6 Billionen Euro in deutscher Hand
Der Untersuchung zufolge besaßen die Deutschen 2007 netto insgesamt 6,6 Billionen Euro. Jeder Erwachsene hatte damit im Durchschnitt 88.000 Euro. Damit stieg das durchschnittliche Nettovermögen im Vergleich zu 2002 zwar um zehn Prozent. Allerdings liegt der Median - die Schwelle zur Trennung des reicheren vom ärmeren Teil der Bevölkerung - weiterhin bei rund 15.000 Euro. Die gestiegenen Privatvermögen gehen also ausschließlich auf das Konto der reicheren Deutschen.
Unternehmer haben mit am meisten
Nach Berufsgruppen analysiert hatten Selbständige und Unternehmer 2007 das höchste Nettovermögen, gefolgt von Beamten. Zwar hätten zahlreiche Geldanlagen, etwa Aktien, infolge der Finanzmarktkrise an Wert verloren. Insbesondere finanzstarke Anleger seien aber oft nicht gezwungen, in der gegenwärtigen Baisse zu verkaufen und damit Verluste zu realisieren. Am unteren Ende der Skala rangieren Arbeiter und Angestellte sowie Arbeitslose und Nicht-Erwerbstätige.
Ungleichheit Ost-West steigt weiter
Die DIW-Forscher entdeckten zudem, dass die Entwicklung auch im Ost-West-Vergleich weiter auseinander driftet. In Westdeutschland stieg das Nettovermögen seit 2002 um gut elf Prozent. Im Osten sank es im gleichen Zeitraum um knapp zehn, inflationsbereinigt sogar um 17 Prozent. Nach Ansicht der Forscher sind die im Osten vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit sowie der Preisverfall vieler Immobilien in ostdeutschen Regionen die Gründe dafür.
Deutschland droht Altersarmut
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse warnten die Forscher vor Altersarmut. Durch Hartz-Reformen und höhere Arbeitslosigkeit müssten immer mehr Menschen ihr Vermögen aufbrauchen, bevor sie staatliche Hilfe bekommen. Da aber wegen des sinkenden Rentenniveaus der Rückgriff auf Vermögen im Alter an Bedeutung gewinne, sei diese Bevölkerungs-Gruppe von Altersarmut bedroht.
11.000 Haushalte wurden befragt
Die DIW-Studie stützt sich auf Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Hierbei handelt es sich um eine Langzeitstudie über die Entwicklung der Vermögensverhältnisse in rund 11.000 deutschen Haushalten und die sozialen Strukturen in Deutschland.