09.01.2012, 12:26 Uhr | AFP, dpa-tmn
Privat oder gesetzlich krankenversichern? Keine leichte Entscheidung. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Immer mehr Privatpatienten wollen offenbar in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. "Bei uns häufen sich die telefonischen Anfragen von Privatversicherten, die zur AOK kommen wollen", sagte Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/Hamburg dem "Spiegel". Dabei ist es gar nicht so einfach, den privaten Krankenversicherungen den Rücken zu kehren. Doch es besteht Hoffnung: "Es gibt Tricks, mit denen wir Privatpatienten helfen können", sagte ein Krankenkassenmanager dem "Spiegel".
Von der privaten Konkurrenz zur Barmer GEK wechselten demnach im vergangenen Jahr rund 27.600 Versicherte, neun Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zur Techniker Krankenkasse seien etwa 68.000 Privatpatienten gegangen, fast zwölf Prozent mehr als im Jahr 2010.
Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) hat einem Medienbericht widersprochen, wonach die privaten gegenüber den gesetzlichen Kassen ins Hintertreffen geraten seien. "Tatsache ist, dass jedes Jahr weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt", sagte PKV-Sprecher Stefan Reker den "Stuttgarter Nachrichten".
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Das Verlassen einer privaten Krankenversicherung hat der Gesetzgeber eigentlich nur in Ausnahmefällen, etwa bei Arbeitslosigkeit oder einem Absinken des Gehalts, vorgesehen. Anderen Wechselwilligen, die den teils starken Erhöhungen der Beiträge in der Privatversicherung entgehen wollen, helfen manche Kassen aber offenbar dabei, Schlupflöcher zu finden. "Es gibt Tricks, mit denen wir Privatpatienten helfen können", sagte ein Krankenkassenmanager dem "Spiegel". Die Voraussetzung sei jedoch immer, dass der Arbeitgeber einverstanden sei.
Dabei kann eine private Krankenversicherung (PKV) viele Vorteile haben. So kommt man in der Regel beim Arzt früher dran, muss teuren Zahnersatz nicht selbst bezahlen und wird im Krankenhaus vom Chefarzt behandelt. "Ich kann die Leistungskomponenten wählen, die mir wichtig sind", sagt Dirk Lullies vom Verband der Privaten Krankenversicherung in Berlin. Nur für das, was sich der Kunde aussuche, müsse er auch bezahlen. Wichtig sei außerdem: "In die bestehenden Verträge kann nicht eingegriffen werden." Anders sei dies bei der gesetzlichen Krankenversicherung, denn die gesetzlichen Grundlagen könnten sich ändern.
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"Die private Krankenversicherung ist in Einzelfällen kurzfristig billiger, langfristig rechnet sie sich jedoch kaum", hält Florian Lanz vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen dagegen. Ein Nachteil einer privaten Absicherung sei, dass Kinder und Ehepartner ebenfalls einen eigenen Vertrag abschließen müssten. In der gesetzlichen Versicherung seien sie über den Hauptverdiener beitragsfrei geschützt, sofern sie nicht arbeiten und damit eigene Beiträge zahlen.
Zwar biete eine private Kasse punktuell mehr Leistungen. Allerdings müsse jeder Kunde diese mit seiner Krankenversicherung auch vertraglich festlegen, sagt Lanz. Denn was nicht im Vertrag stehe, werde auch nicht bezahlt. Das könne viele Kuren und wichtige Hilfsmittel betreffen. Der Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung entwickle sich dagegen laufend weiter, und alle Kassen müssten immer das zahlen, was vorgeschrieben sei. Das sei für alle Menschen das Gleiche.
Dabei sei die Rückkehr in eine gesetzliche Versicherung überaus schwer: Nur in besonderen Fällen könnten Privatversicherte in die gesetzliche Krankenversicherung zurück. Wer älter als 55 Jahre sei, für den heiße es: "In der Regel kommen sie nicht zurück."
Für Sascha Straub, Leiter des Bereiches Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bayern in München, ist es schwierig, pauschale Empfehlungen für oder gegen eine bestimmte Versicherung auszusprechen: "Es ist immer eine individuelle Prüfung notwendig." Allein in einem ist er sich sicher: "Für Beamte lohnt sich die private Versicherung auf jeden Fall, weil sie nur die Hälfte zahlen müssen." Das gelte auch, wenn ein Beamter oder eine Beamtin einen Ehepartner und Kinder mitversichern müsste.
Ein Angestellter hingegen müsse sich die Vor- und Nachteile genau angucken. Gut an den Privaten seien die Wahlmöglichkeiten: "Man kann es individuell komplett anders vereinbaren als bei einer gesetzlichen Kasse." Für einen jungen, gut verdienenden und gesunden Mann, der sich sicher sei, dass er nie Kinder bekommen wolle, könne sich das lohnen. Allerdings solle jeder Interessent aufpassen, dass er nicht nur auf einen niedrigen Beitrag achte: "Diese Mager-Tarife sind nicht zu empfehlen", erklärt der Verbraucherschützer. Hierin seien zu wenige Leistungen enthalten.
Der Bund der Versicherten weist in einer Broschüre darauf hin, dass sich gesetzlich Versicherte bestimmte Leistungen wie eine Chefarztbehandlung im Krankenhaus auch durch eine private Zusatzversicherung verschaffen können. Unschlüssige, die sich über hohe Zahlungen in der gesetzlichen Kasse ärgerten, sollten sich bewusst sein, dass die Beiträge bei den Privaten mit dem Alter in der Regel steigen: "So mancher Rentner hat sich erstaunt die Augen gerieben, als er feststellen musste, dass die private Krankenversicherung für ihn fast unbezahlbar geworden ist", heißt es in der Broschüre. Wer wechsle, solle in jungen Jahren Geld sparen, um im Alter die Versicherung zahlen zu können.
Quelle: dpa-tmn , AFP , t-online.de
Privatversicherter schrieb:
am 13. Januar 2012 um 20:56:44
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@erwin
Ich bin auch in der PKV, aber: Ich habe nicht das "Glück", bereits Rentner zu sein. Ich bin 44 Jahre und deshalb graut mit,
was ich an Rente erhalten werde und auch an die PKV in Zukunft zahlen muss!!! Also nicht schlau daherreden, da meine Generation für eure Generation zahlt und dieses Geld nie wiedersehen wird! Also: Wie komme ich aus der PKV raus? Denn das wird in dem Artikel nicht erwähnt!
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Erwin schrieb:
am 13. Januar 2012 um 16:30:39
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PKV
hieer wettern doch nur die Neider die sich in der PKV nicht versichern können und auch noch nie drin waren. Ich bin seit über 50 Jahren
in der PKV, bin jetzt Rentner und immer gut damit gefahren, ich will garnicht wechseln.
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louveteau schrieb:
am 13. Januar 2012 um 13:59:09
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Privat versichert ist auch
der Beamte, der, wenn er keine Beihilfe hat, schlechter versichert ist als GKV -Patienten. Der Basistarif ist
solch eine Armseöigkeit, das würde ein GKV´ler gar nicht akzeptieren. Darunter sind auch welche, die sich mit Erstattungen der Versicherungen das Giro auffüllen und erst mal das Mahnverfahren auskosten. um dann Rechnungen anzufechten. Privatversicherte nur noch gegen Barzahlung oder EC-Karte und nur mit Unterschrift und nur mit Kostenübernahmeerklärung. Brauche die nicht.
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