18.08.2009, 11:04 Uhr | FTD, Annette Berger
In der Krise akzeptieren Beschäftigte auch das Einfrieren der Gehälter, um ihre Firma zu retten. (Foto: Imago)Wer in der Wirtschaftskrise seinen Job behält, gehört zu den Gewinnern. Deshalb bringen viele Menschen Opfer, damit der Betrieb überlebt - sie verzichten auf Weihnachtsgeld, Urlaub oder Lohnerhöhungen. FTD.de gibt einen Einblick.
Aus Sicht der Gewerkschaften sind finanzielle Opfer von Mitarbeitern zwar nicht tabu - sie sollten sich aber in engen Grenzen halten. "Ungeregelten Verzicht halten wir nicht für hilfreich", sagt ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auf keinen Fall sollten Mitarbeiter Opfer bringen - und Aktionäre dennoch unverändert ihre Dividenden bekommen. Trotzdem: Verzicht für das Wohl der Firma ist in, sowohl im Ausland als auch hierzulande. FTD.de nennt einige Beispiele.
Der Konzern ist eine Ausnahme unter den großen amerikanischen Autobauern. Denn anders als General Motors und Chrysler versucht Ford derzeit, ohne Hilfe vom amerikanischen Steuerzahler über die Runden zu kommen. Ford-Mitarbeiter beteiligen sich jetzt an der Rettung des Unternehmens - sie verzichten auf Geld.
Zu der Vereinbarung zwischen dem Konzern und der größten US-Autobauer-Gewerkschaft UAW gehört unter anderem, dass die Löhne eingefroren und ein Teil der Sozialleistungen gekürzt wird. Zudem darf Ford Reuters-Informationen zufolge seine Zahlungen in den Krankenversicherungsfonds für Ruheständler künftig zur Hälfte mit Aktien bestreiten, wodurch der zweitgrößte US-Autobauer bei Bedarf seine Finanzdecke schonen kann.
Ford-Konkurrent General Motors ringt ums Überleben und buhlt um Hilfen des amerikanischen und auch des kanadischen Steuerzahlers. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, seine Kosten zu senken und sich zu sanieren. Am vergangenen Wochenende rang GM der kanadischen Autobauer-Gewerkschaft CAW Zugeständnisse ab: Unter dem vorläufigen Plan würden Löhne eingefroren und Urlaubstage gestrichen, teilte CAW mit. Außerdem sollen die Arbeitnehmer höhere Abgaben für ihren Renten- und Sozialplan beisteuern. Jetzt warten Beobachter darauf, ob GM sich auch mit der größten US-Autogewerkschaft UAW einigen kann. Als Hauptstreitpunkt gelten hier die Krankenversicherungsausgaben für pensionierte Arbeiter.
Deutschlandweit liegt die Kurzarbeit im Trend. Nachdem beispielsweise Autohersteller und deren Zulieferer mit massenhafter Kurzarbeit Schlagzeilen machten, bemühen jetzt auch Dienstleister dieses Mittel, um Personalabbau zu vermeiden.
So bereiten sich beispielsweise deutsche Reisekonzerne angesichts rückläufiger Buchungszahlen auf Kurzarbeit vor. Der Branchenprimus TUI will seine Kosten durch eine Kürzung der Arbeitszeiten senken und darüber mit dem Betriebsrat verhandeln, sagte ein Firmensprecher Ende vergangener Woche. Bis Ende April würden zunächst die Überstundenkonten auf null zurückgefahren. Danach könnte es Kurzarbeit geben.
Auch die DER-Geschäftsreisetochter FCM Travel Solutions schickte ab 9. März rund 270 Mitarbeiter in ihren Reisebüros auf Kurzarbeit. Durch die geringere Nachfrage sei der Arbeitsaufwand in den Niederlassungen gesunken, sagte eine Sprecherin.
Der Kurzarbeit war es zu verdanken, dass der deutsche Arbeitsmarkt im Februar trotz der Krise nicht abstürzte. Die Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass die Unternehmen allein für Februar 620.000 bis 670.000 Kurzarbeitsanträge stellten. Die die Zahl der Erwerbslosen stiegt im Februar saisonbereinigt um 40.000 auf 3,3 Millionen. Ohne Kurzarbeit gäbe es derzeit Schätzungen zufolge wohl deutlich mehr Arbeitslose.
Kurzarbeitsanträge bedeuten aber nicht, dass die Betriebe dieses Instrument auch gleich nutzen. So wurden im Dezember 290.000 Kurzarbeitsanzeigen gemacht, letztlich wurden daraus aber nur rund 200.000 Kurzarbeiter. Die Unternehmen können für ihre Mitarbeiter bis zu 18 Monate reduzierte Arbeitszeit mit Förderung beantragen.
Für die Beschäftigten bedeutet Kurzarbeit weniger Lohn: Arbeitnehmer mit Kindern bekommen etwa 67 Prozent des normalen Nettogehalts, alle übrigen 60 Prozent. In manchen Betrieben wird diese Summe durch separate Vereinbarungen aufgestockt, heißt es bei der IG Metall.
Auf Geld für die Rettung des Unternehmens zu verzichten, lohnte sich also nicht für alle Mitarbeiter. Seit gut zwei Jahren gilt bei dem Unternehmen der Sanierungstarifvertrag, sagte ein Sprecher der Modekette FTD.de. Seitdem bekommen die Beschäftigten weder Weihnachts- oder Urlaubsgeld noch Lohnerhöhungen. Bei manchen Mitarbeitern summierten sich diese Einbußen auf ein Monatsgehalt.
Wem jetzt betriebsbedingt gekündigt wurde, der bekomme eine Abfindung, im Schnitt zweieinhalb Monatsgehälter. Bei jungen Kollegen, die noch nicht lange im Betrieb arbeiteten, fielen die Abfindungen allerdings deutlich geringer aus. Und auch für diejenigen, die ihren Job behalten, gilt: Am reduzierten Gehalt wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.
FTD, Annette Berger
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