09.01.2008, 11:59 Uhr | dpa/ T-Online
Ferdinand Piëch (Foto: dpa) Der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat eine Mitwisserschaft in der Volkswagen-Affäre um Untreue und Lustreisen auf Firmenkosten bestritten. Piëch sagte als Zeuge vor dem Landgericht Braunschweig, er habe von Unregelmäßigkeiten nichts gewusst. "Wäre es mir zu Ohren gekommen, hätte ich es vehement verfolgt und abgestellt." Piëch sagte, er habe zu seiner Zeit als Vorstandschef "zu keinem Zeitpunkt" Kenntnis von einem Missbrauch von "Vertrauensspesen" durch Betriebsräte gehabt. Er habe zudem nichts von Sonderbonuszahlungen an den angeklagten Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert gewusst.
Chronologie -Die VW-Affäre
Zeuge - VW-Vorstand wusste schon 2004 Bescheid
Keine konkreten Zusagen an Volkerts
Es könne zwar sein, dass ihn Volkert darauf angesprochen habe, dass er besser bezahlt werden wolle. Konkrete Zusagen an Volkert habe er aber zu keinem Zeitpunkt gemacht, sagte Piëch. Dies sei auch nicht in seinen Zuständigkeitsbereich gefallen. Für die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat sei der damalige Personalvorstand Peter Hartz zuständig gewesen.
Piëch hat sich mit dem Konto "1860" nicht beschäftigt
Hartz hatte bei seiner Zeugenaussage Piëch entlastet und eigene Schuld eingestanden. Volkert ist wegen Anstiftung zur Untreue angeklagt. Er soll Hartz dazu angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von rund zwei Millionen Euro zu zahlen. Piëch sagte außerdem, er habe keinerlei Anlass gehabt, sich mit dem Konto "1860" zu beschäftigen. Dieses sei eines von 6.000 oder 7.000 Konten bei VW gewesen. Über das Konto "1860" wurden ohne Kontrolle von dem angeklagten Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer etwa Lustreisen auf Firmenkosten ohne jede Kontrolle bezahlt.
Unbekannter Informant sorgt für Wirbel
Für Wirbel hatte Ende November allerdings die Staatsanwaltschaft gesorgt. Sie führte aus, nach Aussagen eines unbekannten Informanten könnte Piëch doch von Unregelmäßigkeiten bei VW gewusst haben. Der Informant habe gesagt, der ehemalige VW-Finanzvorstand Bruno Adelt könnte Piëch auf die ominöse Kostenstelle "1860" angesprochen haben - wegen der "Belastungen" dieses Sonderkontos. Über dieses Konto hatte Gebauer unter anderem Bordellbesuche auf Firmenkosten abgerechnet. Adelt jedoch wies mittlerweile bei seiner Vernehmung vor dem Landgericht im Dezember die Vorwürfe gegen Piëch zurück. Er habe Piëch nicht auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen. Er habe selbst keine Kenntnis über mögliche Unregelmäßigkeiten gehabt, sagte Adelt. Auch Volkswagen hatte die Vorwürfe gegen Piëch scharf zurückgewiesen.
Hat eine Überprüfung der Kostenstelle statt gefunden?
Nach den Angaben des Informanten soll Piëch den damaligen Leiter seines Sekretariats, den heutigen Audi-Chef Rupert Stadler, damit beauftragt haben, die Kostenstelle zu überprüfen. Es sei zwar nicht bekannt, wie das Ergebnis ausgefallen sei, hatte Oberstaatsanwalt Ralf Tacke gesagt. Es sei allerdings "lebensnah", wenn Piëch über ein Ergebnis der Überprüfung informiert worden wäre.
Zusätzliche Zeugen wurden vorgeladen
Um die Sache zu klären, wurden neben Adelt auch Stadler sowie ein weiterer Ex-VW-Manager als zusätzliche Zeugen benannt. Stadlers Aussage ist für die nächste Woche geplant. Am selben Tag soll auch Piëchs Nachfolger als VW-Chef, Bernd Pischetsrieder, aussagen. Ob weitere Zeugen geladen werden, will das Gericht erst noch entscheiden. Noch also sind nicht alle Fragen in der VW-Affäre beantwortet.
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Quelle: t-online.de
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