Volkswagen kauft den insolventen Autobauer Karmann (Foto: dpa)Guter Tag für VW: Volkswagen übernimmt den insolventen Autozulieferer Karmann, wie Europas größter Autobauer mitteilte. VW stellt damit eine Automobilfertigung am traditionsreichen Karmann-Standort in Osnabrück sicher. Eine neue VW-Tochtergesellschaft soll ab 2011 die Fahrzeugproduktion aufnehmen und bis 2014 mehr als 1000 Arbeitsplätze aufbauen. Auch bei der Übernahme von Porsche ist VW weiter vorangekommen. Der Aufsichtsrat stimmte dem Übernahmekonzept zu. Ferner kündigte VW Großinvestitionen über 26 Milliarden Euro an.
VW erwirbt von Karmann Maschinen, Anlagen und Grundstücke und will in Osnabrück ein neues Fahrzeug bauen. Dabei könnte es sich um ein Cabrio handeln. Die Karmann-Mitarbeiter verfügten über langjährige Erfahrung in der Produktion von Kleinserienmodellen, hieß es. Die neue Volkswagen-Osnabrück GmbH soll Werkzeugbau, Presswerk, Lackiererei, Montage und weitere Bereichen umfassen. Die Tochtergesellschaft soll in den kommenden Wochen gegründet werden.
Abschießende Verhandlungen mit Karmann-Eigentümern
Über den Preis für den Kauf der Karmann-Teile wurde nichts bekannt. Dem Vernehmen nach bewegten sich aber beide Seiten aufeinander zu. Zuletzt hieß es, VW wolle für die Karmann-Teile rund 35 Millionen Euro zahlen, während die Gesellschafter rund 60 Millionen Euro forderten. Nach VW-Angaben sollen nun die abschließenden Verhandlungen mit den Karmann-Gesellschaftern und dem Insolvenzverwalter geführt werden. Für den Karmann-Bereich Dachsysteme zeichne sich noch keine Lösung ab. Die IG Metall werde in den nächsten Tagen Gespräche mit einem der möglichen Investoren über ein Fortführungskonzept für diesen Bereich sprechen.
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Nur noch 800 Mitarbeiter bei Karmann
Karmann hatte im April Insolvenz angemeldet. Der Zulieferer beschäftigt noch 800 Mitarbeiter. Im Juni rollte bei Karmann das letzte komplette Auto vom Band. Das Unternehmen baute in der Vergangenheit für große Autokonzerne Fahrzeuge in Kleinserie. Berühmt wurde Karmann in den Nachkriegsjahrzehnten unter anderem durch das Kultauto Karmann Ghia und die Produktion des VW-Käfer Cabrio.
Porsche bald zehnte Marke von VW
VW ist derweil der endgültigen Übernahme von Porsche näher gekommen. Nach der Entscheidung des Aufsichtsrats will VW noch in diesem Jahr für rund vier Milliarden Euro mit knapp 50 Prozent beim Sportwagengeschäft von Porsche einsteigen. Dazu plant VW eine Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2010. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember sollen die Aktionäre zustimmen. Im Laufe des Jahres 2011 sollen Volkswagen und Porsche miteinander verschmelzen. Porsche wird als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert.
VW investiert Milliarden
Unterdessen kündigte der Autobauer ein riesiges Investitionsprogramm an: Volkswagen will in den kommenden drei Jahren rund 25,8 Milliarden Euro investieren. Die Automobilindustrie stehe vor großen wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn. VW werde die Milliarden in umweltfreundliche Modelle, innovative Technologien und neue Werke investieren.
Viel Geld für neue Produkte
Auf Sachinvestitionen sollen 19,9 Milliarden Euro entfallen, die Hälfte davon in Deutschland, wie VW mitteilte. Von dieser Summe will VW demnach 13,3 Milliarden Euro aufwenden, um seine Produktpalette zu modernisieren und zu erweitern. 6,6 Milliarden Euro sollen demnach in neue Produkte investiert werden. Die zur Gesamtsumme fehlenden 5,9 Milliarden Euro sollen in den Entwicklungsetat fließen. Neue Werke baut VW in Nordamerika, in Russland und in Indien, wie der Konzern erklärte. Zusätzliche 4,4 Milliarden Euro investieren die Gesellschaften, die VW mit chinesischen Unternehmen gegründet hat; dieses Geld sei also nicht in der oben genannten Summe enthalten.