Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Wirtschaft >

Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko

...

Gründer brauchen Mut zum Risiko

05.05.2010, 14:22 Uhr | Tobias Schormann, dpa

Ex-Banker Thomas Brauße ist heute Würstchenbudenbesitzer. (Foto: Boris Roessler/dpa/tmn)

Ex-Banker Thomas Brauße ist heute Würstchenbudenbesitzer. (Foto: Boris Roessler/dpa/tmn)

Vom Investment-Banker zum Würstchenverkäufer - mit diesem Schritt hat Thomas Brauße es geschafft, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. In Sichtweite vom Bürohochhaus, wo er früher mit Millionen jonglierte, grillt er heute Currywürste in einem umgebauten Linienbus.

Beispiele für andere Arbeitslose

Nachdem er in der Finanzkrise den Job als Broker verlor, machte er sich selbstständig und eröffnete die "Worschtbörse" am Messeturm in Frankfurt. Ein Beispiel, das Vorbild für andere Arbeitslose sein kann. So ein Schritt will aber gut überlegt sein. Denn längst nicht jeder ehemalige Angestellte ist zum Geschäftsmann geboren.

Existenzängste nach Kündigung

Als sein Arbeitgeber Ende 2008 die Niederlassung in Frankfurt dichtmachte, war das für Brauße ein Schock. "Die Kündigung kam kurz vor Weihnachten, das war eine heftige Sache", erzählt der 44-Jährige. Nach zwölf Jahren in einem Job, in dem er zuletzt ein sechsstelliges Jahresgehalt verdiente, plagten ihn plötzlich Existenzängste. Heute sieht er die Entlassung als Glücksfall: "Ich bin zufriedener als früher, weil ich mich mehr mit meinem Job identifizieren kann."

Selbstständigkeit aus der Not heraus nicht empfehlenswert

Das Motto "Wenn mich meine Firma nicht mehr will, gründe ich eben selbst eine", ist aber nicht jedem Arbeitslosem zu empfehlen. Sich nur aus Not selbstständig zu machen und nach einer Entlassung spontan ein eigenes Geschäftsmodell aus dem Boden zu stampfen, ist wenig erfolgversprechend."

Ist ein Markt dafür vorhanden?"

Firmengründer bräuchten als Erstes eine gute Geschäftsidee, sagt Jürgen Mehnert von der Handelskammer Hamburg. Seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, garantiere noch keinen Geschäftserfolg. Wer ein Restaurant aufmacht, nur weil er gerne kocht, ziehe damit noch lange keine Gäste an. Um davon leben zu können, müsse ein Produkt her, das einen Kundennutzen hat, erläutert Mehnert. "Man muss sich fragen: Ist ein Markt dafür vorhanden?"

Imbissbude kommt gut an

Ex-BankerBrauße hatte sich schon früher darüber geärgert, dass zwischen all den Hochhäusern rund um seine alte Arbeitsstätte in Frankfurt eine bodenständige Imbissbude fehlte. Er scheint tatsächlich eine Marktlücke gefunden zu haben: Mit seinem Imbiss habe er nach einem dreiviertel Jahr schon so viel eingenommen, wie er für das ganze erste Jahr eingeplant hatte, erzählt er.

Gründer müssen sich von Konkurrenz abheben

Zwar könne nicht jeder eine völlig neue Idee aus dem Hut zaubern, meint Mehnert. Wer aber einen Blumenladen oder Copyshop eröffnet, wie es ihn bereits zigfach im Ort gibt, scheitert wahrscheinlich schnell. "Wenn er sich nicht abhebt von den anderen, wird er es schwerhaben." Gründer sollten daher eine Konkurrenzanalyse machen und sich fragen: Wie kann ich mich von anderen absetzen? Was kann ich besser machen?

Businessplan erstellen

Der nächste Schritt ist ein umfassender Businessplan. Dabei muss das Projekt durchgerechnet und realistisch eingeschätzt werden, wann die eigene Firma Gewinn abwirft. "Planen Sie eine angemessene Anlaufzeit ein", rät Mehnert. Ein Webdesigner etwa müsse damit rechnen, dass einige Monate vergehen, bis er den ersten Auftrag in der Tasche hat. "Und dann dauert es noch einmal einige Wochen, bis das erste Geld da ist."

Fördermittel beantragen

Außerdem sollten Arbeitslose sich rechtzeitig um Fördermittel kümmern, wenn sie sich selbstständig machen. Für die erste Zeit könnten sie den sogenannten Gründungszuschuss beantragen, erklärt Mehnert. Und für nötige Investitionen, etwa für das Einrichten eines Friseursalons, gebe es Förderkredite der KfW-Bank.

Mut zum Risiko und Standvermögen erforderlich

Ob Arbeitslose als Gründer taugen, ist auch eine Typfrage: Dazu bräuchten sie Mut zum Risiko und Stehvermögen, erläutert der Businesstrainer Michael Fridrich aus Aachen. Auch dürften sie sich nicht vor der Kundenakquise scheuen. "Wer sagt: 'Verkaufen ist nicht so mein Ding', ist nicht dafür geeignet." Kaufmännisches Denken sei ebenfalls nötig, ergänzt Mehnert: "Ein Hobbykoch versteht nicht unbedingt etwas vom Wareneinkauf." Das Entscheidende sei aber die Einstellung, meint Fridrich. "Man muss brennen."

"Man arbeitet selbst, und das ständig"

Denn in den ersten Jahren seien Wochenarbeitszeiten von 60 bis 70 Stunden für Selbstständige keine Ausnahme, so die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Thomas Brauße kann das bestätigten: "Selbstständig sein heißt eben: Man arbeitet selbst, und das ständig." Seine Bilanz ist dennoch positiv: "Ich bereue den Schritt auf keinen Fall."

Antrag für Gründungszuschuss stellen

Gründer können einen Zuschuss für neun Monate in Höhe des Arbeitslosengeldes plus monatlich 300 Euro erhalten. Die 300 Euro können für weitere sechs Monate gewährt werden, erläutert die Bundesagentur für Arbeit. Vorher muss eine fachkundige Stelle die Gründungsidee als tragfähig einstufen. Das können Handels- oder Handwerkskammern, aber auch Fachverbände und Kreditinstitute sein.

Mehr Gründer in der Krise

In der Krise haben sich mehr Menschen in Deutschland selbstständig gemacht als früher. So wurden 2009 nach Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) 410.000 Firmen gegründet - das waren rund drei Prozent mehr als im Vorjahr. Viele wählten diesen Schritt aber nur als Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Das bestätigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Demnach kommt in Deutschland auf 2,7 Gründer mit klassischen Unternehmerzielen wie Gewinnstreben ein Gründer, der sich aus Not selbstständig macht. Notgründungen werden laut dem IfM aber häufiger als andere Gründungen schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Und infolge der Krise gibt es derzeit ohnehin mehr Unternehmensinsolvenzen als früher.


Tobias Schormann, dpa  

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (0)

zum Forum

Thema: "Vom Arbeitslosen zum Chef: Gründer brauchen Mut zum Risiko"

Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr
Downloads & Shops


Shopping

Einkaufswelt
Riesiger Fernsehgenuss
Knüller knallhart bei euronics.de

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de

Einkaufswelt
Premium-Freizeitmode
BRAX - Premium-Mode vom Passformspezialisten

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de



Aus anderen Bereichen

DFB weist Hertha in 2. Instanz in Schranken
Fans stürmen den Rasen beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC.

Bizarre Kriegsvergleiche ziehen nicht. mehr

Schauspielerin schockt mit Armen des Grauens
Meg Ryan und die Arme des Grauens (Quelle: Splash)

Wer übertreibt hier mit Fitnesswahn? mehr

Whistleblower gefeu- ert: Firma muss zahlen
Altenpflegerin Brigitte Heinisch (Quelle: dpa)

Altenpflegerin erhält 5- stellige Abfindung. mehr


Anzeigen

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige