Absatzkrise : VW will weitaus weniger Autos bauen als bislang geplant (Foto: dpa)VW-Chef Martin Winterkorn hat angesichts der dramatischen Absatzkrise auf dem Automarkt die weltweite Führungsmannschaft der Marke Volkswagen zu einem Treffen in Dresden zusammengerufen. Auch wenn es VW im Vergleich zu anderen Konkurrenten noch verhältnismäßig gut geht, rechnet auch Europas größter Autobauer 2009 mit einem Rückgang der Verkaufszahlen von um die zehn Prozent. Vor diesem Hintergrund will Winterkorn die Manager auf harte Zeiten einstimmen, zu Geschlossenheit aufrufen und Wege zur Milderung der Krise diskutieren. Neben einem konsequenten Sparkurs setzt der VW-Chef vor allem auf spritsparende Modelle und neue Kleinwagen.
Statt der noch im Frühjahr erhofften 7,45 Millionen Fahrzeuge wolle der Konzern jetzt nur noch 5,8 Millionen bauen, berichtete das Wirtschaftsmagazin "Capital" mit Verweis auf "interne Szenarien". Das wären 20 Prozent weniger als ursprünglich vorgesehen und 400.000 Stück weniger als im vergangenen Jahr. Bei Volkswagen war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Vorstand will komplett neues Budget vorlegen
Zudem sei die Drei-Jahres-Planung bis 2011, die der Aufsichtsrat im November nicht verabschiedet, sondern nur "zur Kenntnis" genommen habe, inzwischen reine Makulatur, schreibt das Magazin. Darin sei der Vorstand noch von 7,1 Millionen Fahrzeugen für 2009 ausgegangen. Das operative Ergebnis sollte bei gut 6,8 Milliarden Euro liegen und sich auf der Basis weiterer Absatzsteigerungen bis 2011 schrittweise auf 8,1 Milliarden Euro erhöhen. Der Vorstand will laut "Capital" nun im März 2009 ein komplett neues Budget vorlegen.
Auch das Jahr 2008 sei durch die Krise tangiert, schreibt das Magazin: Statt das budgetierte operative Ergebnis von 6,9 Milliarden Euro zu erreichen, hoffe der VW-Vorstand nun nur noch auf rund 6,3 Milliarden Euro. Das wäre etwas besser als 2007.
Kompromiss bei Audi-Ausschuss
Ein Kompromiss ist laut "Capital" beim umstrittenen "Audi-Ausschuss" im VW-Aufsichtsrat in Sicht, der alle Geschäfte zwischen Porsche und der VW-Tochter Audi strikt kontrolliert. Der Ausschuss mit der Abkürzung AfbG (Ausschuss für besondere Geschäfte) könnte - so heißt es - auf der nächsten Aufsichtsratssitzung auf Vorschlag des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) mit dem seit gut zwei Jahren existierenden Ausschuss für Geschäfte mit Aktionären (AfGA) zusammengelegt werden. Dadurch würden, wie das Magazin weiter meldet, auch rechtliche Bedenken berücksichtigt.
Schwarzes Jahr auch für ausländische Autohersteller
Auch die ausländischen Autohersteller haben in Deutschland ein schwarzes Jahr hinter sich: Die Neuzulassungen sanken nochmals um 1,8 Prozent auf 3,1 Millionen Fahrzeuge, wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) mitteilte. Damit sei das Jahr 2007 nochmals unterboten worden, als die Zulassungen bereits den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht hatten.
Diesel-Fahrzeuge stark betroffen
Die Hersteller ausländischer Modelle hätten ihren Marktanteil dabei ungefähr gehalten. Dieser betrage in Westdeutschland etwa 35 Prozent, in den neuen Bundesländern rund 50 Prozent. Der Einbruch im laufenden Jahr habe vor allem Diesel-Fahrzeuge besonders hart getroffen. Hier gebe es ein Minus von neun Prozent, während bei Benzinern ein Plus von fünf Prozent erwartet werde.