
02.01.2012, 13:56 Uhr | Financial Times Deutschland
Während hoch verschuldete Länder wie Italien unter hohen Refinanzierungskosten ächzen, werden anderen Staaten die Zinsen erlassen. Der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark werfen die Gläubiger das Geld geradezu hinterher. Eine Analyse.
Der Begriff Negativzinsen klingt wie ein Widerspruch in sich. Doch es gibt sie tatsächlich: Die Schweiz, die Niederlande und Dänemark erhielten bei ihren jüngsten Schatzwechsel-Auktionen nicht nur zinslosen Kredit, sondern zusätzlich zum Darlehen sogar noch eine Prämie. Investoren bezahlten also dafür, den Regierungen Geld leihen zu dürfen. Die Renditen von Geldmarktpapieren des Bundes sind am Sekundärmarkt ebenfalls negativ.
Das Phänomen ist aus früheren Krisen bekannt: Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Ende 2008 war die Nachfrage nach US-Schatzwechseln so groß, dass Washington keine Zinsen zahlen musste. Für die vermeintliche Sicherheit der staatlichen Schuldtitel nahmen die Investoren Verluste in Kauf - im Dezember war das auch in den Vereinigten Staaten erneut zu beobachten. Dieses Mal ist es die Euro-Krise, die das Vertrauen in die gesamte Finanzbranche erschüttert und Anleger zur Zahlung einer Sicherheitsprämie an den Staat bewegt. Ein Erklärungsversuch.
"Negativzinsen sind ein Zeichen, dass man den Banken nicht mehr über den Weg traut", sagt Thomas Wacker, Leiter der Kreditanalyse bei der Schweizer Bank UBS. Vor allem Anleger mit großen Geldsummen zweifelten an der Fähigkeit einzelner Kreditinstitute, das Geld auf einen Schlag zurückzuzahlen. Das gelte zum Beispiel für große Unternehmen, die Bargeld häufig nur kurzfristig anlegen und sichergehen wollten, dass es nach einigen Monaten zuverlässig zur Verfügung stehe.
In dieser Hinsicht bieten Schuldtitel von Staaten mit erstklassigen Bonitätsnoten - dazu zählen Dänemark, die Niederlande, Deutschland und die Schweiz - einen großen Vorteil: Sie lassen sich jederzeit ohne Verlustrisiko verkaufen. Das hätten sie sogar Gold voraus, sagt Wacker mit Blick auf die heftigen Schwankungen des Goldpreises im zurückliegenden Quartal: "Kurzfristig kann man da ziemlich viel Geld verlieren."
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Sicherheitsorientierte Großinvestoren sagten sich deshalb: "Lieber eine kleine Parkgebühr zahlen, als das Risiko eingehen, dass eine Bank pleite geht oder der Goldpreis schwankt". Gerade in Dänemark seien Investoren nach mehreren Bankpleiten in den vergangenen Jahren vorsichtig geworden.
Sicherheit und Liquidität von Anleihen spielten auch für ausländische Staatsfonds und Zentralbanken eine wichtige Rolle, meint David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. Einige von ihnen seien praktisch gezwungen, auch bei unattraktiven Renditen zuzugreifen: China beispielsweise bemüht sich seit Jahren um eine Diversifizierung seiner bislang überwiegend in Dollar angelegten Devisenreserve. Da Peking gleichzeitig Wert auf Sicherheit legt, kommt das Land an Anleihen wirtschaftsstarker Euro-Staaten wie der Bundesrepublik also kaum vorbei.
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Nach Einschätzung des Commerzbank-Analysten David Schnautz ist die Abwertung des Euro für Investoren innerhalb der Währungsunion durchaus ein Motiv, beispielsweise in britische Staatsanleihen zu investieren. Zwar sind deren Renditen real, also gemessen an der Inflationsrate, ebenfalls negativ. Sollte das Pfund bis zur Rückzahlung der Anleihe gegenüber dem Euro aber weiter steigen, könnte die Aufwertung Anlegern aus der Euro-Zone einen Gewinn bescheren.
Im Falle Dänemarks oder der Schweiz spielen Spekulationen auf Wechselkursgewinne nach Einschätzung des UBS-Analysten Wacker aber kaum eine Rolle. Da beide Länder ihre Währungen an den Euro gekoppelt haben, "müsste man schon eine sehr aggressive Meinung verfolgen, um darauf zu setzen, dass sich die Wechselkurse nennenswert bewegen", sagt er.
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Geschäftsbanken müssen für Darlehen von den Zentralbanken ein Pfand hinterlegen. Dafür kommen unter anderem Staatsanleihen in Frage. Die steigende Nachfrage nach den Papieren könnte also auch damit zusammenhängen, dass die Kreditinstitute besonders in der Euro-Zone für ihre Refinanzierung zunehmend auf die Notenbanken angewiesen sind.
Commerzbank-Analyst Schnautz bezweifelt allerdings, dass Banken zu diesem Zweck ausgerechnet die teuren Geldmarktpapiere von Staaten wie Deutschland oder den Niederlanden erwerben würden. "Das würde keinen Sinn machen, als Bank Bubills zu kaufen, um sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu hinterlegen."
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Schnautz verweist darauf, dass die Banken für die EZB-Kredite einen Zinssatz von einem Prozent zahlen - für die Geldmarktpapiere des Bundes aber praktisch keine Zinsen mehr erhalten würden. Weitaus attraktiver sei es deshalb, hochverzinste spanische Schuldtitel als Sicherheit bei der EZB zu hinterlegen. Daneben gebe es reichlich andere Alternativen. Die EZB akzeptiert nämlich nicht nur Staatsanleihen, sondern auch andere Wertpapiere als Pfand.
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Quelle: Financial Times Deutschland
Heinz schrieb:
am 4. Januar 2012 um 18:05:14
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Eine beliebte Alternative …
Immer mehr Anleger entdecken die Vorteile von Sportwetten-Arbitragen. Dazu zählen die Steuerfreiheit, sehr
hohe Renditen, risikolos, Kapitalbindung von ein paar Tagen, etc.
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Antonio di Grappa schrieb:
am 4. Januar 2012 um 17:53:21
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Negativzins
Das Jahr ist noch jung, sehr jung. Abwarten was noch alles kommt, ich habe letztes Jahr über 20% Rendite erzielt und dieses Jahr
wird es noch besser. Man sollte nichts auf die Meinung von selbsternannten Experten geben, diese betrügen Rentner um ihre Ersparnisse und verkaufen Produkte, an denen nur die Banken verdienen. Es gibt viele Möglichkeiten auch heute noch gute Gewinne zu erzielen. Gehe mal einen Grappa trinken, ciao.
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Asronaut schrieb:
am 4. Januar 2012 um 14:08:47
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Ist das ein Fake?
Die Banken bekommen 500 Milliarden von der EZB..... sie auch als Investoren betrachtet, wissen nicht wohin sie mit der
Kohle sollen, leihen es den Staaten zu 0 %. Prima Deal ist fast wie Geld drucken..... Etwas verschleiert aber scheint zu funktionieren so Geld in die maroden Staaten zu pumpen.
Ich glaube unsere Politiker spielen nur noch auf Zeit das Spiel:
Linke Tasche, Rechte Tasche, Hosentasche.
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