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Was bedeutet eine Inflation für Verbraucher

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Was bedeutet eine Inflation für Verbraucher

Frank Lansky

Rätselraten am Finanzmarkt: Inflation oder Deflation? (Foto: dpa)

Experten streiten sich, Anleger sind verwirrt: Vor einigen Wochen widersprach der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der Aussage von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), wonach die Finanz- und Wirtschaftskrise in eine weltweite Inflation münden könnte. "Für Deutschland besteht auf absehbare Zeit kein Inflationsrisiko, sondern in erster Linie ein ausgeprägtes Deflationsrisiko", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats dem "Handelsblatt". Tatsächlich ist beides möglich – je nach Zeithorizont. Was also ist zu tun? t-online.de/wirtschaft erläutert die Begriffe und mögliche Gegenmaßnahmen für Anleger.

Abwärtsspirale in der Rezession

Unter Deflation verstehen Ökonomen eine Abwärtsspirale aus sinkender Produktion, steigender Arbeitslosigkeit und fallenden Preisen: Der stockende Absatz führt zur Überproduktion, die Industrie muss Rohöl, Metalle oder Autos verschleudern. Falls Käufer aber glauben, dass sie einen Fernseher oder eine Tonne Stahl bald noch billiger bekommen, warten sie erst mal ab. Experten sprechen dann von einem Käuferstreik. Im einbrechenden Markt werden Stellen gestrichen. Das drückt den Konsum - und wer noch Arbeit hat, spart beim Shoppen. Schließlich klettert die Zahl der Firmeninsolvenzen - die Banken müssen verstärkt faule Kredite abschreiben. Um das Ausfallrisiko zu reduzieren, vergeben Banken kaum noch Darlehen – die Kreditklemme würgt die Investitionen weiter ab.

Deflationssignale überall

Die Zeichen für eine Deflation mehren sich: Spanien meldete als erstes Land der Eurozone einen Rückgang der Preise im Jahresvergleich. In Deutschland sank im Mai die Inflation auf den Nullpunkt und markierte damit ein 22-Jahrestief. Experten gehen auch hier von negativen Inflationsraten im Jahresvergleich aus. Die scheinbar gute Nachricht für die Konsumenten bedeutet nichts Gutes für die Industrie: Der Autosektor in Europa und in Amerika ist eingebrochen. Der Immobilien- und Bausektor in Großbritannien, Spanien, den USA aber auch in Russland liegt am Boden.

"Cash is king" in der Deflation

Eine Deflation kann dauern: Japan beispielsweise durchlief in den Neunzigern eine "verlorenen Dekade"; auch die Weltwirtschaftskrise in den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts zog sich über Jahre. Anleger können sich mit Puts am Aktien- und Rohstoffmarkt absichern. Oder aber ihr Bargeld bereithalten, um wieder einzusteigen, wenn sich die ersten Erfolge in der Deflationsbekämpfung zeigen. Genau dies ist offenbar seit November 2008 geschehen – die Preise für Industriemetalle und die Aktienkurse haben seitdem etwas angezogen.

Der Staat wird zum Investor

Denn seit November versuchen Staaten überall auf der Welt den deflationären Teufelskreis zu durchbrechen. Wie beim amerikanischen "New Deal" in den Dreißigern pumpen Regierungen Milliarden in die Wirtschaft: China hat ein riesiges Konjunkturprogramm von ungerechnet 445 Milliarden Euro aufgelegt. Japan hat eines über rund 116 Milliarden Euro geplant. Washington will den Markt mit rund 1000 Milliarden Dollar fluten und Schrottanleihen kaufen. Berlin hat das Konjunkturpaket II gestartet und die deutsche Abwrackprämie mausert sich zum Exportschlager in aller Welt.

Billiges Geld soll Investitionen ankurbeln

Ferner sollen niedrige Zinsen den Anlegern das Sparen vermiesen: Die Zentralbanken wollen mit Massen an billigem Geld Investitionen und Konsum ankurbeln. Die Europäische Zentralbank und die chinesische Nationalbank haben in den vergangenen Monaten mehrfach die Zinsen gedrückt. In den USA senkte die Federal Reserve den Zins quasi auf null. Dieser Prozess nennt sich Reflationierung.

Banken horten Kapital

Noch ist die Kreditklemme nicht beseitigt: Darlehen für neue Projekte seien nur schwer erhältlich, Hypotheken oder Verbraucherkredite sowieso, klagen Verbände immer wieder. Offenbar horten die Banken das günstige Geld der Zentralbanken, weil sie ihre Bilanz stärken wollen - niemand weiß, wie viele faule Kredite noch in den Büchern der Kreditinstitute schlummern. Genau deswegen verstaatlichen die USA, Großbritannien und auch Deutschland Banken wie die Hypo Real Estate – die Kredite müssen wieder fließen, das Blut muss in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Neues Vertrauen sorgt für steigende Preise

Erst wenn die Banken sicher sind, dass sie nicht umkippen, werden sie wieder Geld verleihen. Dann werden die Konzerne verstärkt investieren - und die Milliarden der Zentralbanken werden den Markt erreichen. Für Verbraucher und Anleger bedeutet dies: Die Preise von Waren und Rohstoffen aller Art werden wieder anziehen - die Inflation ist zurück.

Inflation ist nicht immer ein Problem

Dabei droht Deutschland wohl nur eine dosierte Teuerung - und die ist ein natürliches Phänomen. Beispielsweise kostete die Maß Bier auf dem Oktoberfest 1965 noch umgerechnet 1,10 Euro. Im vorigen Jahr waren es 8,30 Euro – das ist ein Plus von 700 Prozent! Der Anstieg der Preise ist zwar ärgerlich, doch verständlich - schließlich stiegen Löhne und Kaufkraft in den vergangenen vierzig Jahren ebenfalls kräftig an. Eine Hyperinflation - wie etwa wie beim Ölschock 1973 - oder gar ein totaler Währungskollaps wie aktuell in Simbabwe sind für die Eurozone nicht zu erwarten.

Teuerung frisst Schulden auf

Für Schuldner bietet eine Inflation sogar eine verlockende Gelegenheit zur EntschuIdung: In der Rubelkrise 1998 beispielsweise entlastete Moskau seinen Haushalt, indem es Rentnern, Beamten und Pensionären in absoluten Zahlen die gleiche Summe wie zuvor überwies. Doch wer in der Sowjetunion 3000 Rubel erhielt, hatte in etwa eine Kaufkraft von 3000 Dollar. Nach der galoppierenden russischen Inflation waren es etwa noch ein Zehntel. Für Verbraucher gilt das gleiche: Wer Schulden macht und sich ein Haus kauft, kommt bei der Inflation gut weg. Denn der vorab fixierte Kredit ist leichter zu stemmen, wenn in einer Teuerung das eigene Gehalt steigt.

Gold schützt vor Inflation

Ferner sollten Anleger, die an eine Inflation glauben, auf Gold setzen: Direkt nach den Attentaten vom 11. September 2001 flutete die amerikanische Zentralbank den Markt mit billigem Geld – genau wie jetzt. Unmittelbar danach begann bei einem Preis von 252 Dollar je Unze der Anstieg des Goldpreises auf zuletzt knapp über 1000 Dollar. Gold gilt traditionell als sicherer Hafen in der Inflation, weil sich – anders als beim Papiergeld – die Menge an Edelmetall nicht beliebig vermehren lässt.


Quelle: t-online.de

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