08.12.2010, 09:46 Uhr | dpa-tmn / t-online.de/business
Krank zur Arbeit? Besser nicht! (Foto: imago)
Bazillenfalle Arbeitsplatz: Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland bleibt trotz Krankheit nicht zu Hause, meldete der Gesundheitsmonitor 2009 der Bertelsmann-Stiftung Anfang des Jahres. Jetzt zeigt eine Online-Befragung der Universität Wuppertal: Wenn sich Beschäftigte krank zur Arbeit schleppen, tun sie das oft den Kollegen zuliebe.
Das ist zumindest das Ergebnis einer Online-Befragung der Universität Wuppertal, die im Auftrag der Krankenkasse Barmer GEK fast 5000 Männer und Frauen befragt hat. Der häufigste Grund, warum sich Arbeitnehmer krank zur Arbeit schleppen ist angeblich das eigene Pflichtgefühl. Gut jeder Fünfte (22,5 Prozent) nannte dies als Begründung.
Arbeitsmediziner warnen jedoch davor, trotz Krankheit am Arbeitsplatz zu erscheinen: "Wer krank arbeitet, ist nicht leistungsfähig, steckt die Kollegen an und riskiert Folgeerkrankungen wie eine Herzmuskelentzündung", sagt Ulrike Roth, Arbeitsmedizinerin beim TÜV Rheinland. Bei Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen könnten Arbeitnehmer in der Regel zwar ins Büro gehen, so Roth. Dennoch sei dann Rücksicht auf die anderen Mitarbeiter angebracht. "Der Betroffene sollte darauf achten, genügend Abstand zu seinen Kollegen zu halten und ihnen nicht die Hand geben, damit er sie nicht ansteckt", so Roth. Und zudem Einmal-Papiertücher benutzen, die der Expertin zufolge hygienischer sind als Stofftaschentücher.
Dass Mitarbeiter krank auf der Arbeit erscheinen, scheint zumindest nicht daran zu liegen, dass sie negative Konsequenzen erwarten, wenn sie sich zu Hause auskurieren: Denn lediglich 8,7 Prozent gaben die Angst vor Benachteiligung und sogar nur 2,4 Prozent die Angst vor dem Verlust des Jobs als Grund an, gesundheitlich angeschlagen zu arbeiten. Teamgeist und Teamverpflichtung dagegen sind für jeden Sechsten (17,3 Prozent) das entscheidende Motiv, trotz einer Erkrankung zum Dienst zu erscheinen.
Die meisten Krankheiten werden im Winter durch Sekrettropfen beim Niesen oder Husten verbreitet. Der TÜV Rheinland empfiehlt deswegen, im Büro gemeinsam genutzte Geräte wie Tastaturen und Telefone regelmäßig abzuwischen und Hände häufig zu waschen. Da trockene Heizungsluft die Schleimhäute austrocknet und somit anfälliger für Keime macht, empfehlen die Sachverständigen regelmäßiges Lüften der Arbeitsräume und Spaziergänge im Freien.
Leiden Mitarbeiter unter einer im Winter üblichen Erkältung, ist das für Chefs natürlich noch kein Grund, sie krankheitsbedingt aus der Firma zu verbannen. Anders sieht es aber beispielsweise bei einer Magen-Darm-Erkrankung, Augen- oder Mittelohrentzündung aus. Sind ansteckende Keime im Spiel, sollte der Betroffene sich auf jeden Fall krankschreiben lassen, rät Ulrike Roth. Auch bei leicht erhöhter Temperatur empfiehlt sie, sich nicht zur Arbeit zu zwingen.
Im Zweifelsfall sollten Arbeitgeber frühzeitig reagieren und dem Kränkelnden eine Auszeit nahelegen. Denn "Bazillenschleudern" können im schlimmsten Fall den halben Betrieb lahmlegen. Eine überdurchschnittlich große Ansteckungsgefahr bestehe zum Beispiel bei einer Augenentzündung, so Roth. Wenn die Augen tränen, deute das oft auf hoch ansteckende Erreger hin.
Im Übrigen sind Arbeitnehmer verpflichtet, dem Chef mitzuteilen, wenn sie an einer ansteckenden Krankheit leiden - so hat etwa das Hessische Landesarbeitsgericht entschieden (AZ 5 Sa 406/72). Ansonsten drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Wer andere bewusst mit einer Krankheit ansteckt, muss mit der Kündigung rechnen, warnt Rechtsanwalt Achim Thannheiser auf www.personalpraxis24.de.
Quelle: T-Online
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