24.06.2011, 09:19 Uhr | FTD, Sabine Meinert
Auch Personaler sind manchmal mit ihrer Geduld am Ende. (Foto: imago)
Eigentlich ist ihr Job toll, finden Personalexperten. Wenn da nicht die Kollegen wären: Der eine ist launisch, der nächste eine Quasselstrippe, der dritte ein Abstauber. Die Liste der unbeliebten Eigenschaften ist laut einer Studie lang.
Die Auslöser für schlechte Stimmung am Arbeitsplatz sind mannigfaltig. Und je nach Branche und Arbeitsfeld sehr verschieden. Finanz- und Personalexperten reagieren besonders empfindlich, wenn Mitarbeiter ungenau arbeiten oder sich mit fremden Federn schmücken. Das ergab jetzt die Umfrage Workplace Survey des Personaldienstleisters Robert Half.
Kommt eine delegierte Aufgabe fehlerhaft oder unvollständig zurück, sind Informationen nur ungenau wiedergegeben, dann könnte immerhin fast jeder dritte deutsche Finanz- und Personalmanager an die Decke gehen. Schließlich bedeutet das anstatt Entlastung einen Haufen Mehrarbeit und weniger Zeit für andere Aufgaben.
Jeder Fünfte ärgert sich grün und blau, wenn er im Meeting die eigenen Ideen aus dem Munde anderer hört. Ein Stimmungskiller im näheren Kollegenkreis ist das auf jeden Fall, denn so einem Mitarbeiter wird man in Zukunft zurückhaltender begegnen, ihn kaum in neue Ideen einweihen.
Eine weitere Möglichkeit wäre, den betreffenden Kollegen beim nächsten Mal nur mit Teilinformationen zu versorgen und ihn im nächsten Meeting mit Fragen ins Schwitzen zu bringen - und danach zu zeigen, dass der eigene Wissensstand zum Thema wesentlich breiter ist und ein ausführlicheres Bild vermitteln kann.
Rang | Was an Kollegen am meisten stört | |
1. | ungenaues, wenig gründliches Arbeiten | 30 Prozent |
2. | Ideen anderer als eigene präsentieren | 19 Prozent |
3. | Klatsch und Tratsch | 14 Prozent |
4. | regelmäßige Krankheitstage | 12 Prozent |
5. | Rücksichtslosigkeit, unüberlegtes Handeln | 11 Prozent |
6. | regelmäßiges Zuspätkommen | 8 Prozent |
Der Stimmung im Team wenig zuträglich sind nach Meinung der Umfrageteilnehmer ebenfalls Klatsch und Tratsch. Immerhin jeder Siebte fühlt sich davon genervt. Der Rat der Fachleute von Robert Half: besser nicht mitreden, sonst gehört man schnell zum Kreis der Lästerer. Besser sei es vielmehr, jeder per Flurfunk verbreiteten Geschichte etwas Positives abzugewinnen und auszusprechen. Das nimmt den Tratschkollegen den Wind aus den Segeln.
Alles andere als gut kommen die Deutschen auch mit Kollegen aus, die sich regelmäßig krank melden. Vor allem, wenn dies auffällig oft immer zum gleichen Zeitpunkt geschieht. Da hilft oft nur Ironie, so die Studienautoren. Einer Kollegin, die sich jeden zweiten Freitag krank schreiben lässt, bereits am Donnerstag beste Wünsche für die Genesung auszusprechen, helfe ihr vielleicht, gesund zu bleiben, so die Experten.
Im internationalen Vergleich verteilen sich die Nervfaktoren ganz ähnlich. Lediglich die Ungenauigkeit bringt in Luxemburg noch viel mehr Manager zur Raserei (44 Prozent). Rücksichtsloses und unüberlegtes Verhalten stört die Luxemburger dagegen nicht (ein Prozent). Die ewig kranken Kollegen gehen indes auch den Belgiern auf den Senkel (15 Prozent).
In Brasilien spielt dieser Fakt allerdings keine Rolle - nur zwei Prozent der Finanz- und Personalentscheider stören sich daran. Dagegen nervt Tratsch die Brasilianer und Luxemburger sehr (26 Prozent), die Österreicher dagegen kaum (sechs Prozent). Die österreichischen Nachbarn werden dafür ärgerlich, wenn der Ideenklau auffliegt - 27 Prozent voteten für "nervig".
"Letztlich ist es immer ratsam, Schwierigkeiten offen und ehrlich, aber wertungsfrei anzusprechen. Dabei ist es wichtig, einen freundlichen Tonfall zu wählen, keine direkten Vorwürfe zu machen und nicht persönlich zu werden. Schließlich sollte der Andere immer die Möglichkeit haben, sein Gesicht zu wahren. Trotzdem gilt es, klar und deutlich zu sagen, was einen stört", rät Sven Hennige, Managing Director Central Europe von Robert Half International.
Geht es für die Personalverantwortlichen gar um Bewerber, steigt der Nervfaktor von Eigenarten noch. Wie die Internetplattform Kalaydo.de herausfand, haben Jobkandidaten viele Fettnäpfchen noch nicht erkannt. Sie vergeben oft die Chance, bei den Personalentscheidern im Vorstellungsgespräch zu punkten. Im Gegenteil, sie fallen von vornherein negativ auf: durch Unpünktlichkeit, schlechte Vorbereitung oder unpassendes Auftreten.
Für Personaler ein absolutes "No Go" ist Verspätung. Nichts mache einen schlechteren Eindruck, so die Untersuchung. Auch unverschuldete Verzögerungen wie Bahnverspätungen oder Staus stimmen die Personalentscheider nicht mild. Dies muss der Bewerber in die Zeitplanung mit einfließen lassen, so der allgemeine Tenor. Ist der Termin nicht mehr zu schaffen, muss so früh wie möglich darüber informiert werden, erwarten die Manager.
Unbeliebt machen sich auch Jobkandidaten, die schlecht informiert sind. Schließlich mache das Internet eine kurze Recherche über Firma und Arbeitsfeld einfach. Wer sich entsprechend vorbereite, könne zudem glaubhafter begründen, wieso er genau der Richtige für den Posten sei, so die Kalaydo-Studie.
Rang | Was Personalverantwortliche an Bewerbern am meisten nervt | |
1. | Unpünktlichkeit | 69 Prozent |
2. | mangelndes Wissen zu Unternehmen und Stelle | 62 Prozent |
3. | unpassendes oder ungepflegtes Äußeres | 61 Prozent |
4. | Unehrlichkeit, Unglaubwürdigkeit | 60 Prozent |
5. | Wortkargheit, Schüchternheit | 51 Prozent |
6. | auswendig gelernte Antworten und Floskeln | 51 Prozent |
7. | übertriebene Selbstdarstellung | 50 Prozent |
8. | unrealistische Gehaltsvorstellungen | 35 Prozent |
9. | Jammerei über aktuelle berufliche Situation | 34 Prozent |
10. | "stromlinienförmige" Bewerber ohne Ecken und Kanten | 28 Prozent |
Mehrfachnennungen möglich |
Der Abtörner schlechthin ist zudem das falsche Outfit im Bewerbungsgespräch: Kanarienbunte Jacketts, kurze Hosen, fleckige Hemden - das sind alles keine Seltenheit bei Bewerbungsgesprächen, berichten Personalverantwortliche. Ihr Eindruck ist daher oft: Wer sich bei der Kleidung zum Vorstellungsgespräch keine Mühe gibt, wird es auch später im Job nicht tun.
Die Studie rät deshalb, sich auf der Webseite der Firma Team-Fotos anzusehen, um einen Eindruck über die - je nach Branche und Unternehmen sehr unterschiedliche - Kleiderordnung zu informieren.
Schlechte Karten für Mogler und Schweiger
Denkbar mies präsentiert sich auch, wer dem neuen Arbeitgeber Lügen auftischt. Ehrlich währt immer noch am längsten, sind sich die Personaler sicher. Wer sich eine Fassade zurecht zimmert und eine Maske aufsetzt, um sich möglichst gut darzustellen, fliegt meist auf - und erntet keine Sympathiepunkte, wie die Umfrage zeigt. Sich auszuschweigen, hilft allerdings auch nicht weiter. Immerhin jeder zweite Manager ist davon sehr genervt. Wenig angetan sind sie zudem von Jobkandidaten, die den Gehaltspoker übertreiben oder sich ohne jedes Profil präsentieren.
Die Studie Workplace Survey" von Robert Half fasst die Angaben zu Karrieretrends von über 2400 Personal- und Finanzmanagern aus zehn Ländern zusammen (Belgien, Brasilien, Deutschland, Dubai, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Schweiz). Die Kalaydo-Umfrage zeigt die Antworten von 250 deutschen Personalentscheidern.
Quelle: Financial Times Deutschland
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