24.03.2009, 11:41 Uhr | Financial Times Deutschland, Sabine Meinert
Lernen für den Job (Foto: Imago)
Was können Angestellte tun, um ihren Job in der Krise zu sichern? Eine Antwort auf diese Frage ist: Weiterbildung. Marktforscher haben deshalb ermittelt, wie viel Engagement Arbeitgeber von ihren Angestellten auf diesem Feld erwarten.
Wer sich nebenberuflich fortbildet, hat auch in Krisenzeiten bessere Chancen. Wie eine TNS-Infratest- und eine Forsa-Studie gleichermaßen ergaben, schätzen rund 60 Prozent der Personalmanager entsprechendes Engagement momentan als sehr wichtig ein. Etwa ein Drittel rechnet damit, dass dieser Faktor aufgrund der Krise noch wichtiger wird. Gleichzeitig räumen fast 70 Prozent der Personalentscheider den lernwilligen Mitarbeitern größere Chancen bei der Besetzung interner, höherrangiger Positionen ein.
Fernstudien-Anbieter wie die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) oder die Fernschule ILS melden bereits steigende Nachfrage. Dabei zeigt sich: Personalchefs schieben den Mitarbeitern weitgehend die Verantwortung zu, in Sachen Fortbildung aktiv zu werden. Sie selbst wollen Angebote nur dann machen, wenn es um firmen- oder fachspezifisches Wissen geht, so eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der beiden Institute. Die übergroße Mehrheit findet es wichtig, dass die Angestellten sich nicht nur auf betriebliche Angebote verlassen.
Wer also zum Beispiel plant, im Kontakt mit Kollegen und Kunden weltweit künftig mit besseren Sprachkenntnissen zu punkten, sollte sich gleich einen externen Anbieter suchen. Nur jeder zehnte Personalverantwortliche fühlt sich für die Fremdsprachenkenntnisse der Belegschaft überhaupt zuständig. Etwa jeder fünfte sieht sich verantwortlich für die Weiterentwicklung der so genannten Soft Skills der Mitarbeiter - wie Teamfähigkeit oder Rhetorik. Nur jeder zwanzigste HR-Manager hat auch Allgemeinbildung oder Deutschkenntnisse auf dem Zettel und würde sie fördern.
Vor allem in kleinen und mittelständischen Firmen zählt die Lernbereitschaft. Fast 40 Prozent der von TNS Infratest befragten Personalverantwortlichen gaben hier an, dass Weiterbildung an Bedeutung gewinnen wird. Und sie sind willens, bildungswillige Angestellte auch zu belohnen: "Knapp 80 Prozent der befragten Manager würden Mitarbeiter, die sich in Eigeninitiative weiterbilden möchten, finanziell unterstützen", sagt Brigitta Vochazer, Geschäftsführerin der Studiengemeinschaft Darmstadt, die die Befragung in Auftrag gab.
Mit dem Fernlernen kennen sich die Personalchefs meist aus - oft, weil sie selbst damit Erfahrungen gesammelt haben. Geht es um Fördermöglichkeiten sieht es allerdings düster aus. Mehr als ein Drittel der Personalmanager kennt keine staatlichen Fördermöglichkeiten, die man den lernwilligen Mitarbeitern empfehlen könnte. Viele würden deshalb erst gar nicht raten, solche Angebote zu nutzen.
Die Forsa-Studie bestätigt jedoch, dass Personalchefs die Weiterbildungsleistung gern aus eigenen Mitteln honorieren - zwei Drittel gaben an, Kursgebühren (teilweise) zu übernehmen. Oder aber einen Bonus, zusätzliche Urlaubstage und manchmal sogar eine Beförderung nach erfolgreichem Abschluss zu gewähren. In einem Drittel der Unternehmen in Deutschland mit mehr als 150 Mitarbeitern ist die Honorierung von privatem Weiterbildungsengagement sogar ein fester Bestandteil der Personalentwicklung. "Mittlerweile bekommen rund zehn Prozent unserer Kunden die Studiengebühren vom Arbeitgeber erstattet - Tendenz steigend", bestätigt ILS-Geschäftsführer Ingo Karsten.
In fast zwei Drittel der von Forsa befragten Unternehmen haben Mitarbeiter mit einem Fernstudium zudem größere Chancen, einen Karriere- und Einkommensschritt zu machen, gaben die Personalmanager an. "60 Prozent unserer Absolventen erhalten bereits während ihres Fernstudiums oder ganz kurz nach Abschluss eine Gehaltserhöhung", beobachtet auch Jens-Mogens Holm, Präsident der Euro-FH.
Dafür erwarten die Unternehmen jedoch, dass sie während der Fortbildung nicht mit langen Fehlzeiten kämpfen müssen. Drei Viertel aller Personalchefs akzeptiert daher höchstens eine Ausfallzeit von zwei Wochen pro Jahr, wenn Mitarbeiter ihre Fachkenntnisse erweitern wollen, ermittelten die Experten. Die meisten Firmen favorisieren deshalb das Fernlernen nach Feierabend. Zudem hat die Parallelität von Studium und Beruf den Angaben zufolge einen wichtigen Synergieeffekt: Gelerntes kann schnell angewendet werden.
Für die Forsa-Studie "Bedeutung und Akzeptanz des Fernlernens als Methode zur berufsbegleitenden Weiterbildung" wurden die Antworten von 300 Personalverantwortlichen in Firmen mit mehr als 150 Mitarbeitern ausgewertet.
Die Erhebung "Bedeutung der individuellen Weiterbildung in Zeiten der Finanzkrise" wurde im Februar 2009 von TNS Infratest unter 301 Personalverantwortlichen durchgeführt. Befragt wurden Manager aus der Finanzbranche sowie der Gesundheitsbranche, aus Bildung und Medien, Handels- und Logistikfirmen, ebenso dem verarbeitenden Gewerbe.
Financial Times Deutschland, Sabine Meinert
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