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Weltweit erschließen Ölkonzerne die letzten Reserven

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"Peak Oil": Ölkonzerne erschließen die Reste

16.04.2010, 13:29 Uhr | dpa-AFX

Vorratstanks auf der Baustelle für die erneute Erschließung des Erdölfeldes Schoonebeek (Foto: dpa) (Quelle: dpa)Vorratstanks auf der Baustelle für die erneute Erschließung des Erdölfeldes Schoonebeek (Foto: dpa) Totgesagte leben oft länger. Das gilt inzwischen auch für Erdölfelder. Konzerne geben Milliarden aus, um einst stillgelegte Vorkommen neu zu erschließen sowie aktive Förderstätten viel intensiver und umfassender auszubeuten, als das früher möglich erschien. Kampf dem "Peak Oil" lautet das Schlagwort. Möglichst weit soll der gefürchtete Scheitelpunkt hinausgezögert werden, an dem die globale Ölförderung ihr Maximum erreicht und dann nur noch schrumpft. Ein Vorzeigeprojekt dieser neuen Erdöl-Ära der intensiven Resteverwertung entsteht in den Niederlanden, wenige Meter vor der Grenze zum deutschen Emsland.

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Neue Bohrtürme in "Hollands Dallas"

"Früher nannten die Leute die Gegend hier "Hollands Dallas"", erzählt Michael Lander. Mit einem Arm zieht der Shell-Projektleiter einen Halbkreis über Weideland um das Agrarstädtchen Schoonebeek. Kühe grasen zwischen Baustellen, auf denen schlanke graue Bohrtürme errichtet werden. "Bald gibt es hier einen neuen Ölboom, denn wir heben Schätze, die damals nicht geborgen werden konnten."

Ölfeld nur zu einem Viertel ausgebeutet

Ein halbes Jahrhundert hatte hier ein Heer von langsam wippenden "nickenden Pferdeköpfen", wie man sie aus alten Texas-Filmen kennt, Öl gepumpt. 1996 kam das Aus für das Joint Venture der niederländisch-britischen Royal Dutch Shell und des US-Konzerns ExxonMobil. Da war erst ein Viertel der eine Milliarde Barrel des "schwarzen Goldes" von Schoonebeek gefördert (1 Barrel = 159 Liter).

Förderung lohnte sich nicht mehr

Der Rohölpreis war, auch als Folge der Asienkrise, unter 20 Dollar pro Barrel gesunken. Die Förderung des dickflüssigen und in Gesteinshöhlen verborgenen Schoonebeek-Öls wurde zum Verlust. Doch nicht allein die Preissteigerungen der letzten Jahre waren ausschlaggebend für den Neuanfang. "Wir haben heute ganz andere Technologien", sagt Lander. "Wir rücken dem dicken schwarzen Sirup nun mit Heißluft zu Leibe. Die wird mit Hochdruck in den Boden gejagt und löst das Öl aus den Gesteinsritzen." Zudem ermöglichen Horizontalbohrungen, weit mehr Ölschichten zu erreichen.

"Hollandöl" soll Raffinerien auslasten

Ab Ende 2010 soll Schoonebeek wieder Öl liefern. Diesmal nicht per Eisenbahn nach Rotterdam, sondern per Pipeline zur nahen Raffinerie von British Petroleum (BP) im niedersächsischen Lingen. Zusammen mit dem geringeren Aufkommen des Emlichheim-Felds, das die BASF-Tochter Wintershall auf der deutschen Seite betreibt, wird das "Hollandöl" die Raffinerie lange auslasten: Bis 2030 wollen Shell und ExxonMobil in Schoonebeek noch 120 Millionen Barrel aus der Erde holen.

Neue Methoden bei der Ölförderung

"Das wird den Weltmarkt nicht überschwemmen", sagt schmunzelnd der Ölexperte Val Brock. "Doch Schoonebeek zeigt beispielhaft, dass wir von "Peak Oil" noch weit entfernt sind." Der Texaner leitet bei Shell den Geschäftsbereich "Enhanced Oil Recovery" (EOR). Der Begriff steht für moderne Techniken, die eine höhere Ölausbeute ermöglichen. "EOR wird überall in der Branche vorangetrieben", sagt Brock. "Die Heißluftmethode ist nur eine von vielen neuen Chancen."

Großes Potential

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris werden derzeit erst vier Prozent der Weltölproduktion mit EOR-Technologie gewonnen (also rund drei Millionen Barrel pro Tag). Bis 2030 werden es 20 Prozent sein, schätzt die Agentur. Damit könnten dann 300 Milliarden Barrel zusätzlich aus bekannten Vorkommen gewonnen werden. Bei einer gegenwärtigen Förderung von rund 80 Millionen Barrel am Tag würden die neu erschlossenen Vorräte knapp über zehn Jahren halten.

Ölbranche optimistisch

Die Branche ist optimistisch: "Es wird genügend Öl für mindestens 100 Jahre geben", sagte 2009 der Vizepräsident für Strategie des italienischen Energiekonzerns Eni , Leonardo Maugeri, in einer Studie voraus. Das US-Magazin "Business Week" ließ sich unter Hinweis auf das Schoonebeek-Vorbild gar zu der Schlagzeile "Endless Oil" (Öl ohne Ende) hinreißen. Dennoch stimmen Experten darin überein, dass die Welt ihren Energiebedarf nicht ewig durch Öl und Erdgas decken kann.

Teure Technik lohnt sich nur bei hohem Ölpreis

Abgesehen von der Endlichkeit dieser Ressourcen - wie fern oder nah auch immer - wird die Entwicklung des Ölpreises mit über die Zukunft des High-Tech-Resteverwertens entscheiden. Shell macht keine Angaben über die Investitionssumme in Schoonebeek. Aber EOR-Experte Brock lässt durchblicken, dass sich die Sache lohnt, solange der Weltmarktpreis nicht unter 40 Dollar pro Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (US-Oel) sinkt.

Ölpreis zieht wieder an

Angesichts der anziehenden Konjunktur ist es aber unwahrscheinlich, dass der Ölpreise jemals wieder für längere Zeit unter dieses Niveau fallen dürfte. Nur zu Erinnerung: Kurz vor der Finanzkrise war Preis für den begehrten Rohstoff aufgrund der gestiegenen Nachfrage aus Schwellenländern auf knapp 150 Dollar gestiegen. Gegenwärtig liegt er bei rund 86 Dollar mit Tendenz nach Oben.


Quelle: t-online.de , dpa-AFX

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