
07.02.2012, 07:58 Uhr | Financial Times Deutschland
Die Schweizer Wettbewerbskommission untersucht zwölf Großbanken wegen Verdachts auf Zinsmanipulationen. Laut einer Selbstanzeige hätten Banken die Referenzzinssätze Libor und Tibor manipuliert, teilten die Kartellwächter mit. Wegen ähnlicher Vorwürfe ermitteln seit Monaten auch die EU-Kommission sowie die Finanzaufsichtsbehörden in Großbritannien, Japan und den USA. Es geht um eine mögliche Verfälschung wichtiger Zinsen für den Interbankenmarkt, deren Höhe auch die Kosten für Kredite an Unternehmen und Verbraucher beeinflusst.
Die Ermittlungen betreffen die ersten Adressen der Finanzbranche. Die Schweizer Wettbewerbskommission nannte neben den heimischen Geldhäusern UBS und Credit Suisse unter anderem die Deutsche Bank. Deren Londoner Büro war im Herbst auch von EU-Wettbewerbshütern durchsucht worden, genau wie die Räumlichkeiten zahlreicher anderer Banken.
Die Untersuchung der Schweizer Wettbewerbskommission betrifft neben Credit Suisse, UBS und Deutscher Bank neun weitere Geldhäuser: Die britischen Institute HSBC und Royal Bank of Scotland, die US-Banken Citigroup und JP Morgan Chase, die französische Société Générale, die niederländische Rabobank sowie die drei japanischen Institute Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Mizuho Financial Group und Sumitomo Mitsui Banking Corporation. Hinzu kommen laut Wettbewerbskommission "weitere Finanzintermediäre".
Bei den Ermittlungen der Aufsichtsbehörden in den USA, Japan und der EU sind noch weitere Namen durchgesickert. Laut "Financial Times" (FT) wurden zum Libor auch die britische Barclays-Bank und die nordrhein-westfälische Landesbank WestLB befragt.

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Aus welchem Haus die Selbstanzeige stammte, gab die Schweizer Wettbewerbskommission nicht bekannt. Die UBS hatte allerdings im Juli mitgeteilt, sie habe die US-Behörden und Aufseher in weiteren Ländern über eine mögliche Verfälschung von Tibor und der Libor informiert. Im Gegenzug hätten das US-Justizministerium und weitere Aufsichtsbehörden dem UBS-Management Straffreiheit zugesichert unter der Bedingung, dass die Bank weiter mit den Ermittlern kooperiere. "Wir nehmen diese Untersuchung sehr ernst und arbeiten mit den Behörden zusammen", sagte eine UBS-Sprecherin der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Libor, Euribor und Tibor bilden ab, zu welchen Konditionen sich die Banken gegenseitig Geld leihen. An ihre Höhe sind unter anderem Anleihen mit variablen Zinszahlungen und Hypothekendarlehen gekoppelt, aber auch Terminkontrakte, Optionen und andere Derivatezahlungen. Allein an den Libor dürften Finanzprodukte mit einer Bruttosumme von umgerechnet 250.000 Milliarden Euro gekoppelt sein.
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Das Kürzel Libor steht für London Interbank Offered Rate. Sie bezieht sich auf den Londoner Interbankenmarkt. Entsprechend gilt der Tibor für den Tokioter Interbankenmarkt. Der Euribor ist für die Banken der Euro-Zone relevant. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt ihn als Referenzzins.
Alle drei Zinssätze werden täglich für Kredite mit verschiedenen Laufzeiten festgelegt. Bei Euribor und Tibor reichen sie von einer Woche bis zu zwölf Monaten, beim Libor liegen die Laufzeiten zwischen einem Tag und zwölf Monaten.
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Libor-Zinssätze gibt es obendrein für zehn verschiedene Währungen: Für Euro und Dollar, das Britische Pfund, den japanischen Yen, den Schweizer Franken, die Schwedische Krone, die Dänische Krone, den Kanadischen Dollar, den Australischen Dollar und den Neuseeländischen Dollar .
Die drei Zinssätze werden von Bankenvereinigungen ermittelt. Sie befragen dazu einen festgelegten Kreis großer Institute zu den aktuellen Kreditkonditionen auf dem Interbankenmarkt. Sollten sich tatsächlich mehrere Mitglieder dieser sogenannten Panels untereinander absprechen, würden die Ergebnisse dieser Umfragen verfälscht.
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Der Euribor wird täglich einmal von der europäischen Bankenvereinigung EBF fixiert. Unter Beteiligung von 44 Geldinstituten wird der Durchschnitt der Zinssätze ermittelt, zu dem die Banken sich gegenseitig Geld leihen. Sie geben eine Einschätzung darüber ab, welchen Zins eine sogenannte Primebank einem anderen als erstklassig eingestuften Institut anbietet. Die höchsten und niedrigsten der gemeldeten Sätze - jeweils 15 Prozent - sortiert die EBF aus, um eine Verzerrung des Durchschnitts durch Ausreißer zu vermeiden.
Zu den 44 Instituten gehören hierzulande die Deutsche Bank, die Commerzbank, die DZ Bank, die Landesbank Berlin sowie die WestLB, NordLB, LBBW, Helaba und BayernLB. Von der Razzia im Herbst waren nach Angaben der EBF aber nicht alle Mitglieder des sogenannten Euribor-Panels betroffen.
Der Libor wird von der British Bankers‘ Association (BBA) veröffentlicht. Sie verwendet dafür die täglichen Meldungen von bis zu 19 Geldhäusern, bei der Ermittlung des Libor-Satzes für kleinere Währungen sind es zum Teil weniger. Die Institute geben an, zu welchem Zins sie sich in einer Währung kurzfristig Gelder von Konkurrenten leihen konnten. Dabei geht es um Darlehen, bei denen Institute bester Bonität keine Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen müssen.
Die BBA berechnet aus den Angaben einen Durchschnittssatz. Auch hier werden Ausreißer ausgeschlossen: Das Viertel der Banken mit den höchsten und das Viertel mit den niedrigsten Sätzen fallen aus der Berechnung heraus. Wie beim Euribor kann ein einzelnes Institut den Libor also nicht beeinflussen. Ganz ähnlich ist das Verfahren beim Tibor: Der japanische Bankenverband JBA befragt dazu 18 Banken, die beiden höchsten und die zwei niedrigsten gemeldeten Zinssätze werden aussortiert.
Sollten die Banken einen der Zinssätze künstlich nach oben treiben, müssten ihre Kunden höhere Zinsen für Kredite oder andere Finanzmarktprodukte zahlen, als dies eigentlich gerechtfertigt wäre. Die Differenz könnten die Geldhäuser dann als Gewinn einstreichen.
Umgekehrt können Banken mit der Angabe niedrigerer Zinsen den Eindruck erwecken, dass sie sich leicht am Geldmarkt refinanzieren können - sie von der Konkurrenz also als solide und gesund angesehen werden. Diesem Verdacht gehen die Aufsichtsbehörden mit Blick auf die Libor-Sätze in den Jahren 2006 bis 2008, also der Zeit unmittelbar vor und während der Finanzkrise, nach. Schon damals war Kritik an der Libor-Berechnung aufgekommen. Da sie auf freiwilligen Angaben beruht, war die Glaubwürdigkeit angezweifelt worden.
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Quelle: Financial Times Deutschland
josi schrieb:
am 4. Februar 2012 um 20:49:24
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Weltweit stehen Banken unter Manipulationsverdacht
Stammt (glaube ich) von Marx oder Brecht: Eine Bank zu gründen ist ein größeres Verbrechen als eine auszurauben!
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Gonzo schrieb:
am 4. Februar 2012 um 16:37:56
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Banken ...
Banken unter Manipulationsverdacht. Das ist nicht wirklich was neues. Und was lernen wir daraus: offensichtlich nichts: Auch das
ist nichts neues. Meine Empfehlung: Mitspielen - ohne Rücksicht und ohne Gewissensbisse.
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kolkrabe schrieb:
am 4. Februar 2012 um 16:30:07
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Energie
Der größte Feind einer liberalen Wirtschaftsordnung ist die kriminelle Energie Einzelner, die sich hier - wie schon seit langem
abgezeichnet - in einer besonderen Form von organisierter Kriminalität niederschlägt. Und genau dort stehen heutzutage Teile des Bankenwesens. Sie haben sich von geltenden Werten und Regeln verabschiedet und ist somit als Garanten unser Wirtschaftsordnung weder glaubwürdig noch sie zuverlässig unterstützend. Sie sind viel schlimmer als die Wulffs dieser Welt.
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