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Finanzkrise stürzt globale Wirtschaft in Rezession
20.11.2008, 16:20 Uhr | mmr
Der Perspektiven für die Weltwirtschaft verdüstern sich (Foto: Imago)Experten sehen die Wirtschaft im Sog der Finanzkrise weltweit in eine Rezession steuern. Das ifo-Weltwirtschaftsklima als wichtiges Stimmungsbarometer fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. "Insgesamt deuten die erhobenen Daten auf eine globale Rezession hin", erklärte der Chef des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, am Donnerstag. Auch der deutsche Bankenverband und die Bundesbank gaben einen düsteren Ausblick und erwarten herbe Dämpfer für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. "Der Rückgang der Auslandsnachfrage trifft die deutsche Wirtschaft stärker als andere", sagte der Geschäftsführende Vorstand des Bankenverbandes, Manfred Weber. Er geht nicht von einer raschen Verbesserung der Konjunktur in Deutschland aus. "Derzeit müssen die Risiken einer weiteren Verschlechterung höher eingeschätzt werden als die Chancen einer zügigen Erholung."
Grafik - Das Konsumklima in Deutschland
Hintergrund - Konjunkturzyklen und Krisenbegriffe
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Hintergrund - Warum alle eine Rezession so fürchten
Bundesbank erwartet keine ernste Wirtschaftskrise
Auch Experten der Bundesbank schrieben in ihrem Monatsbericht für November, der deutliche Rückgang der Rohstoffpreise werde nicht ausreichen, um die Konjunkturperspektiven in den kommenden Monaten aufzuhellen. Die exportstarke deutsche Wirtschaft werde die Nachfrageschwäche in wichtigen Absatzregionen "nicht ohne einen empfindlichen Rückschlag wegstecken können, zumal nennenswerte binnenwirtschaftliche Impulse kurzfristig nicht zu erwarten sind", hieß es. Die Bundesbank rechnet trotz eines "empfindlichen Dämpfers" bei der konjunkturellen Entwicklung nicht mit einer ernsten Wirtschaftskrise in Deutschland. Ein Lichtblick sei der weitgehend stabile Arbeitsmarkt, das Konsumklima in Deutschland sei aber nach wie vor gestört. Die zuletzt robuste Lage auf dem Arbeitsmarkt lasse hoffen, "dass die gegenwärtige konjunkturelle Abkühlung der deutschen Wirtschaft
nicht in eine sich selbst verstärkende, hartnäckige Abschwungphase einmündet", hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank.
Pessimismus - Manager glauben an lange Rezession
Löscher kritisiert Pessimismus
Siemens-Chef Peter Löscher warnte unterdessen vor einseitiger Schwarzmalerei. "Man kann das Ausmaß der Krise durch Reden vergrößern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn ich Menschen über längere Zeiträume stark verunsichere, kann ich nicht erwarten, dass sie sich normal verhalten und konsumieren", erklärte der Vorstands-Chef.
Experten haben magere Erwartungen
Der ifo-Index für das Weltwirtschaftsklima fiel zum fünften Mal in Folge und liegt im vierten Quartal bei 60 Punkten. Vor allem die derzeitige wirtschaftliche Lage, aber auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate wurden von den befragten 1000 Experten aus 91 Ländern ungünstiger bewertet. Der Index zu den Aussichten fiel um fast 9 Punkte auf 52,6 Zähler und ist damit auf dem schlechtesten Stand seit 20 Jahren, wie ifo-Experte Gernot Nerb sagte. "Auf jeden Fall signalisieren die Erwartungen, dass wir den Tiefpunkt bei der Lage noch nicht erreicht haben", erklärte er. Nicht nur in Nordeuropa, Westeuropa und Asien habe sich die Stimmung verschlechtert, sondern auch in Mittel- und Osteuropa, Russland, Lateinamerika und Australien, hieß es. In den USA seien aber zumindest die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate nicht mehr ganz so pessimistisch. Zudem ist in Nordamerika das Wirtschaftsklima mit 53,9 Punkten sogar besser als in Westeuropa mit 51,2 Punkten.
Mehrheit erwartet sinkende Zinsen
In Asien seien dagegen sowohl die Urteile zur aktuelle Lage als auch zu den Erwartungen deutlich nach unten revidiert worden. Besonders ungünstig sei die Situation in Japan, Südkorea und Taiwan bewertet worden. Die zusammen mit der Internationalen Handelskammer in Paris befragten 1000 Wirtschaftsexperten aus 91 Ländern hätten nahezu überall ihre Inflationserwartungen zurückgenommen, teilte das ifo-Institut mit. Die Mehrheit von ihnen erwarte anders als bei der letzten Befragung sinkende Notenbankzinsen und auch einen Rückgang der langfristigen Zinsen in den kommenden sechs Monaten.
Banker erwarten maximal eine "schwarze Null"
Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr gesenkt. Im günstigsten Fall könne Deutschland beim Bruttoinlandsprodukt eine "schwarze Null" erreichen, teilte der Verband in seinem jüngsten Monatsbericht zur Konjunktur am Donnerstag in Berlin mit. Dazu müsse es aber gelingen, Konsum und Investitionen zu steigern. Mitte Oktober hatte der Bankenverband noch seine Wachstumsvorhersage von 0,5 Prozent für 2009 bekräftigt und damit über der Erwartung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gelegen. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung ist nach Ansicht des BdB "nicht entschieden genug auf direkte Effekte für Wachstum und Beschäftigung ausgelegt und insgesamt zu klein". Damit bringe es nicht den erforderlichen Impuls. Notwendig sei jetzt, zusätzliche öffentliche Investitionen vorzuziehen und die staatlichen Abgaben deutlich zu senken, forderte der Bankenverband.
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Quelle: dpa
, dapd
, t-online.de