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Wenige Konzerne dominieren angeblich den Globus

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147 Firmen beherrschen angeblich die Welt

27.10.2011, 11:32 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Neue Studie sieht Macht in den Händen weniger Konzerne (Quelle: imago)

Neue Studie unterstellt Ballung von Finanzmacht (Quelle: imago)

Nur 147 Unternehmen können laut einer neuen Studie die Weltwirtschaft dominieren. Vor allem die Finanzindustrie kontrolliert demnach den großen Rest der Unternehmen. Doch die Untersuchung namens "The network of global corporate control" hat nicht nur ein Problem mit ihren vier Jahre alten Daten. Vielmehr setzt sie selbst geringe Kapitalbeteiligungen mit Kontrolle gleich.

Neue Studie untersucht Kapital-Beteiligung

Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich wollen festgestellt haben, dass lediglich 147 Großkonzerne potenziell die anderen Unternehmen beherrschen. Für die "Frankfurter Rundschau" wurde daraus umgehend: "147 Unternehmen kontrollieren die Welt".

Die Schweizer Forscher untersuchten 37 Millionen Unternehmen und Investoren weltweit. Danach wurden alle 43.000 international agierenden Firmen auf die Frage hin abgeklopft, ob sie durch andere Konzerne kontrolliert werden. Insgesamt kristallisierten sich 1318 Firmen heraus, die an mindestens zwei anderen Unternehmen beteiligt waren, im Schnitt waren sie mit 20 weiteren Firmen verbunden.

Nur 147 Konzerne dominieren angeblich die Welt

Schließlich identifizierten die Wissenschaftler eine Super-Einheit von 147 Unternehmen, die besonders stark an anderen Firmen beteiligt sind. Zusammen kontrollieren diese 147 Konzerne demnach 40 Prozent des Vermögens im Netzwerk. Die 737 größten beherrschen sogar 80 Prozent der Gesamtheit. James B. Glattfelder, einer der Autoren der Studie, hält starke Konzentration für kritisch – denn damit könnten sich Probleme im Netzwerk schnell verbreiten, sagte er der "Berliner Zeitung". Die Kettenreaktion von umkippenden Banken in der Finanzkrise 2008 bestätigt diese Sorge.

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Barclays angeblich mächtigster Konzern der Welt

Fast alle Top-50 Firmen sind Unternehmen aus der Finanzindustrie – Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter. Mit der Nummer 50 schaffte es nur die China Petrochemical Group als Industrie-Konzern in die Spitzengruppe.

Als einflussreichstes Unternehmen der Welt identifizierten die Wissenschaftler die britische Barclays Bank, auf Rang vier folgt der Versicherer AXA. auf Platz neun die Großbank UBS. Auf Rang 12 erscheint die Deutsche Bank, auf Platz 28 die Allianz. Überraschung: Auf Rang 34 findet sich Lehman Brothers – die allerdings kaum im Herbst 2008 umgekippt wäre, wenn die Investmentbank wirklich so mächtig gewesen wäre.

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Stecken nur Fonds dahinter?

Das Anleger-Magazin "Forbes" kritisierte die Studie und wies darauf hin, dass es sich bei der Konzentration von Anteilen an anderen Firmen weniger um Verschwörungen und den Drang nach Weltherrschaft handelt, sondern eher um gegenseitige Finanzbeteiligungen, Bündnisse gegen Übernahmen sowie Interessengemeinschaften. Und auch um Investitionen von Kapital-Anlage-Gesellschaften (KAGs).

Die Finanzkonzerne investierten schlicht das Geld von Pensionskassen, Lebensversicherungen oder Investmentfonds, sie kauften also mit den Spargeldern ihrer Anleger Anteile an anderen Firmen ein. Das Magazin unterlegt seine Kritik mit Zahlen: Demnach waren zum Ende des zweiten Quartals dieses Jahres weltweit umgerechnet 26 Billionen Dollar an Anlegergeldern alleine bei Investmentfonds geparkt.

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Ein Fonds könnte zwar tatsächlich auf der Hauptversammlung die Stimmrechte der Kleinanleger ausüben und theoretisch die Macht gebündelt anwenden. Doch Fonds setzen selten bis nie das Kapital ihrer Anleger ein, um bei einem anderen Unternehmen operativ die Führung zu übernehmen – sie sind auf Dividenden und steigende Kurse aus. Für die Ausübung wirklicher Macht fehlt den Investoren schlicht die Expertise.

Anders wäre die Lage, falls beispielsweise eine Bank ihr eigenes Kapital einsetzt, um ein großes Aktienpaket eines Konkurrenten zu kaufen - hier würden sofort Kartellfragen auftauchen.

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Autor weist Kritik zurück

Stefano Battiston, einer der Autoren, wies die "Forbes"-Kritik auf Anfrage von t-online.de zurück: Die Studie drehe sich sehr wohl um firmeneigene Gelder, die Konzerne eingesetzt hätten, um sich bei anderen Unternehmen einzukaufen. Es gehe nicht um Fonds. Allerdings ruderte Battiston teilweise zurück: Nicht die Züricher Universität, sondern das Bureau van Dijk habe die Daten gesammelt. Daher könne er nicht für jede einzelne Verflechtung bürgen. Dennoch machten Investmentfonds weniger als 50 der mächtigsten 737 Firmen der Welt aus. Das auf Unternehmensdaten spezialisierte Bureau van Dijk ließ eine Anfrage von t-online.de zunächst unbeantwortet.

Battiston bestätigte t-online.de ferner, dass der Begriff Kontrolle im Sinne der Studie nicht unbedingt heiße, dass eine Firma die absolute Mehrheit an einer anderen besitze. Vielmehr reiche auch ein Anteil von zehn Prozent zur Beherrschung einer anderen Firma aus, falls andere Aktionäre beispielsweise nur 0,1 Prozent hielten.

Kein Blick auf die Staatskonzerne

Es gibt weitere Schwächen: Falls wirklich Kontrolle im Sinne von Macht gemessen werden sollte, dann kamen in der Untersuchung die Staatskonzerne zu kurz. Gazprom beispielsweise greift als verlängerter Arm des Kreml ab und an sogar in die russische Außenpolitik ein. Ferner sind sämtliche großen chinesischen Unternehmen in Besitz der Volksrepublik, extrem mächtig wäre demnach als Organ der Regierung der Staatsfonds China Investment Corporation, der in den Top 50 Haltern von Kontrolle aber fehlt.


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Kommentare (32)

zum Forum

Thema: "Wenige Konzerne dominieren angeblich den Globus"

Herb.Auer schrieb: am 18. Dezember 2011 um 13:25:49
(2) (0) 147 Konzerne beherrschen die Welt
Es wird immer Konkurrenz geben - und auf den geringsten Fehler eines "noch Mächtigeren" lauern.
Von dieser Methode profitiert der Kunde / Verbraucher - also wir. Bespiele: Pepsi / CocaCola, IBM / SAP u Apple, Microsoft. Toyota / VW. etc Ein heutiger "Weltmarktführer" kann morgen der "Laden v gestern" sein. Wieso sollte ich mich fürchten, wenn ich Cola trinke, zu McDonalds gehe od VW fahre. Es ist umgekehrt: Die fürchten, daß ich morgen genau das nicht mehr tue.
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Heinz Ahlefeld schrieb: am 27. Oktober 2011 um 12:17:01
(11) (0) Wissenschaft und Wirklichkeit: Einflussreiche Konzerne gibts seit Jahrzehnten weltweit
Die Studien mögen ein Ansatz sein, die Unternehmen
auszuloten. So lange wir als kleine Bürger nur Hochglanzprospekte und Bilderflut der Firmen statt neutrale Informationen bekommen, sind die Studien neben einigen wenigen Mitteilungen die einzigen Quellen unserer Information. Haben Unternehmen etwas zu verbergen, wenn sie transparenter werden sollen? Ein Unternehmen kann jeder besser einschätzen, wenn mit offenen Karten gespielt wird. Anleger wie Kunden durchschauen diese Kraken nicht.
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Beagel schrieb: am 27. Oktober 2011 um 12:11:41
(8) (3) an Laura Droß
Politiker sollen durch ihre Gehälter frei von Geldzuwendungen und Einflussnahme Dritter sein. Eine Grundforderung und
Voraussetzung für einen Abgeordneten. Blüm selbst hat sich um jeglichen Respekt als ernst zunehmender Politiker gebracht, Er garantierte als Minister, dass die Renten sicher sind. Wie sicher, sehen wir heute. Woher hatte er seine starre Meinung? Einflussnahme von Arbeitgeberverbänden und Versicherungen? Seine Meinung ist mit Vorsicht zu genießen.
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